Die Schweiz hat eine neue Bank. Die Credit Suisse (Schweiz) AG. Noch gehört sie zu 100 Prozent dem CS-Mutterkonzern, der Credit Suisse AG, doch schon in der zweiten Jahreshälfte 2017 soll die Bank an die Schweizer Börse gebracht werden. Die Grossbank will einen Anteil von 20 bis 30 Prozent veräussern, um die Eigenkapitaldecke der Zentrale zu stärken. Die grosse Frage wird lauten, wie viel die CS dafür bekommen wird.

Auf dem Paradeplatz wird darüber gemutmasst, wie hoch die Schweizer Einheit an der Börse bewertet werden wird. In Analystenkreisen und in der Grossbank selbst kursieren erste Berechnungen dazu. Wie aus dem Innern der Bank zu hören ist, rechnet das CS-Management offenbar mit einem Wert zwischen 15 und 20 Milliarden Franken. «Ich gehe davon aus, dass die Bewertung eher am oberen Rand zu liegen kommt», sagt ein hoher Kadermann.

Die Schweiz-AG wäre damit die mit Abstand wertvollste Einheit innerhalb des Bankkonzerns. Und dies, obwohl sie mit 10 000 Mitarbeitern weniger als einen Viertel der weltweiten Belegschaft beschäftigt. Wie gewichtig die Schweizer Einheit ist, zeigt sich im Vergleich zur Gesamtbewertung der Bank, die am Freitag 28,7 Milliarden Franken betrug.

Das ist freilich ein deutliches Zeichen dafür, dass die Rest-CS derzeit nicht gut wirtschaftet und dafür entsprechend schlecht bewertet wird. Bricht man den Gesamtkonzern in seine Einzelteile auf, fallen die Bewertungen einzelner Sparten ernüchternd beziehungsweise negativ aus:

> Negativ: Klar negativ bewertet werden das sogenannte Corporate Center und die Abwicklungseinheit SRU. Beide Abteilungen kommen zusammen auf ein dickes Minus von zehn Milliarden Franken.

> Leicht positiv: In diese Kategorie fällt die Investmentbank, die mit ihren Abteilungen Global Markets und Investmentbanking & Capital Markets derzeit kaum Gewinne schreibt. Hohe Kosten und viele teure Mitarbeiter in New York und London führen regelmässig zu hohen Verlusten. Eine Gesamtbewertung von vier bis sechs Milliarden für beide Einheiten wäre wohl angemessen.

> Positiv: Mit sechs bis acht Milliarden dürften das internationale Vermögensverwaltungsgeschäft und das darin integrierte Asset Management bewertet werden. Tiefe Zinsen und sinkende Margen drückt stark auf den Wert der Einheit. Etwa gleich viel dürfte das aufstrebende Asiengeschäft auf die Waage bringen.

Setzt das Management die Pläne um und bringt die Schweizer Einheit tatsächlich an die Börse, hätte dies den Nebeneffekt, dass ziemlich sicher zwei CS-Gesellschaften im Leitindex SMI geführt würden. Versicherer Swiss Life mit dem derzeit geringsten Gewicht im Index kommt auf eine Marktkapitalisierung von knapp neun Milliarden Franken und würde damit aus dem SMI fliegen.

Die Schweiz-AG hat zwar offiziell den Betrieb aufgenommen, doch vieles ist noch unklar. Ein Fragezeichen ist etwa, wie viel Eigenkapital die Schweizer Einheit braucht und ob sie von der Finma wie die ZKB oder die Raiffeisen als systemrelevante Inlandbank eingestuft wird. Auch die angekündigte Reorganisation, die x-te in den letzten Jahren, muss erst einmal verdaut werden. Viele Mitarbeiter haben die Herumschieberei satt – lieber würden sie einfach ihren Job machen. Die neue CS-Schweiz-Geschäftsleitung mit 13 Mitgliedern ist enorm gross und lässt den Verdacht aufkommen, dass es Chef Thomas Gottstein schwerfällt, harte Entscheidungen zu treffen.

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