Die Schweizer Grossbank Credit Suisse schnürt ein umfassendes Sparpaket. Wie aus dem Innern der Bank zu hören ist, umfasst es Milliarden. Gemäss Recherchen sind die Sparpläne sehr weit fortgeschritten. Die «Schweiz am Sonntag» kennt die konkreten Sparziele von Leitern grösserer Abteilungen, die mehrere hundert Mitarbeiter beschäftigen. 7 bis 10 Prozent Einsparungen sind gefordert.

Auf den Konzern hochgerechnet, bedeutet dies ein Sparprogramm von 1,5 bis 2 Milliarden Franken. «Das ist die Zielgrösse, auf die man sich einstellen muss», sagt ein ranghoher Kadermann. Im zweiten Quartal 2015 generierte die CS Kosten von 5,2 Milliarden Franken. Im Jahr 2014 waren es total 22,4 Milliarden Franken. Obwohl die Erträge tendenziell rückläufig sind, stiegen die Kosten in den letzten drei Jahren. Die UBS konnte im Vergleich die Kosten in den letzen zwei Jahren um knapp 2 Milliarden Franken senken. Die CS baute sie um 1,2 Milliarden Franken aus.

Das letzte substanzielle Sparprogramm bei der CS stammt aus dem Jahr 2011. Damals gab die Bank im Sommer ein Sparpaket von zunächst 1,2 Milliarden Franken bekannt, das wenige Monate später um weitere 800 Millionen Franken aufgestockt wurde.

Insgesamt sparte die Grossbank 3500 Stellen von damals 50 100 Vollzeitstellen weg. Heute beschäftigt die Bank 46 600 Angestellte. Während die Personalkosten von 2011 bis 2014 um fast 2 Milliarden Franken gsenkt werden konnten, schossen die Sachkosten um über 2,5 Milliarden in die Höhe. Das hat zum Teil mit höheren regulatorischen Aufwendungen zu tun.

Werden nochmals Tausende CS-Mitarbeiter ihren Job verlieren? «Am Hauptsitz in der Schweiz herrscht grosse Verunsicherung unter den Mitarbeitern», sagt ein CS-Manager. Die Schweiz stellt mit 17 500 Beschäftigten und rund 45 Prozent der gesamten Kosten den grössten Block innerhalb des Konzerns dar. Die Aufhebung der Eurountergrenze verteuerte den Standort Schweiz zusätzlich. Für Tidjane Thiam, den Konzernchef der Bank, scheint der Fall glasklar zu sein: Will er die Kosten herunterfahren, muss er den Rotstift in der Schweiz ansetzen.

Dazu passt dies: Wie die «Schweiz am Sonntag» letzte Woche berichtete, wird Thiam den bisher zentralistisch aufgebauten Bankkonzern regionalisieren. Das gibt ihm die Möglichkeit, teure zentrale Dienstleistungen in günstigere Regionen zu verschieben. Die Informatik und andere Services sollen ins Ausland ausgelagert werden. Damit vollzieht die Bank eine Kehrtwende: In den letzten Jahren investierte die CS viel Geld in den Aufbau eines vollintegrierten Bankkonzerns. Das Schlagwort «One Bank» brachte die Marschrichtung auf den Punkt. Doch Thiam scheint davon nicht allzu viel zu halten. Er und seine zahlreichen Berater dürften sich bei erfolgreichen Bankkolossen wie Standard Chartered und Citi inspiriert haben lassen, die in den letzten Jahren stark auf regionale Strukturen gesetzt haben.

Eine Sparrunde von zwei Milliarden Franken wäre darüber hinaus ein starkes Signal an die Finanzmärkte, die stets positiv auf Kostensenkungen reagieren. Der Grund dafür ist, dass die Höhe der gesenkten Kosten direkt auf den Gewinn durchschlägt. Es ist wesentlich schwieriger, einen Gewinnanstieg in diesem Umfang durch Ertragssteigerungen zu erreichen.

«Das Sparprogramm ist ein wesentliches Instrument, um freie Mittel für Investitionen in Asien zu schaffen», sagt ein Kadermann, der mit den Massnahmen vertraut ist. Wer im Osten wachsen will, muss viel Geld in die Hand nehmen. Ein Beispiel: Um einen sehr vermögenden Asiaten als Kunden zu gewinnen, muss man ihm hohe Kredite gewähren. Wenn einer mit 20 Millionen kommt, muss die Bank ihm weitere 10 Millionen leihen. Das kostet viel Eigenkapital. Deshalb reichen Sparmassnahmen allein nicht aus.

Wie die «Schweiz am Sonntag» bereits Anfang September geschrieben hat, will CS-Chef Tidjane Thiam bei den Aktionären zusätzliches Kapital einsammeln. Die in den letzten Wochen unterdurchschnittliche Performance der CS-Titel ist gemäss Branchenkennern ein Indiz dafür, dass der Markt die Kapitalmassnahme bereits einpreist. Diese Woche gaben die Aktien nochmals 4 Prozent nach, als in London via «Financial Times» gezielt Gerüchte über eine «substanzielle Kapitalerhöhung» gestreut wurden. Je nach Quelle reichen die Zahlen von 5 bis 8 Milliarden Franken.

Doch kann Tidjane Thiam gar nicht so viel Geld in organisches Wachstum stecken. Denn die CS muss dringend ihr Kapitalpolster stärken. Derzeit hat die Grossbank hartes Eigenkapital (CET1) von 28,5 Milliarden Franken. Eine Erhöhung von 5 Milliarden auf 33,5 Milliarden würde die Leverage Ratio (CET1) von 2,7 auf 3,2 Prozent erhöhen, was nach wie vor ein eher tiefer Wert wäre.

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