Der Verwaltungsrat der Credit Suisse kommt nächste Woche zusammen und wird die Pflöcke der neuen Konzernstrategie einschlagen. Aus börsenrechtlichen Gründen dürften die Beschlüsse formell erst kurz vor dem 21. Oktober gefasst werden, dann nämlich will CS-Konzernchef Tidjane Thiam seine Pläne der Öffentlichkeit vorstellen.

Wie die «Schweiz am Sonntag» Mitte September berichtete, will die Grossbank die amerikanische Private-Banking-Einheit verkaufen. In den vergangenen Wochen hat bereits eine grosse Absetzbewegung von Kundenberatern eingesetzt. Rund 100 Milliarden Franken verwaltet die Grossbank dort und ist damit deutlich kleiner als die UBS, die dieses klassische Brockerage-Geschäft erfolgreich betreibt. Ebenso klar ist, dass Thiam das Investmentbanking herunterfahren will und zum Beispiel im Bereich der festverzinslichen Anlagen Einschnitte vornehmen wird.

Wie Recherchen aus dem Innern der Bank zeigen, wird es dabei nicht bleiben. Tidjane Thiam hat noch mehr vor. So wird der neue CEO die stark zentralistisch aufgebaute Konzernstruktur der Credit Suisse aufbrechen und künftig die Regionen stärker gewichten. Damit hat er Erfahrung: Bereits beim Versicherungskonzern Prudential hat er das vorgemacht. Jetzt will er dieses Konzept auch bei der CS umsetzen. Zudem erfüllt er damit einen lange gehegten Wunsch von CS-Präsident Urs Rohner, der schon lange von einer der alten Kreditanstalt angelehnten Konzernstruktur träumte.

Für den Standort Schweiz bedeutet die Regionalisierung nichts Gutes. Viele Konzernfunktionen sind derzeit in Zürich angesiedelt. Zu den grössten Blöcken dieser sogenannten «Shared Services» zählen unter anderem die Informatik und die globalen Produkteinheiten, die von Alastair Cairns geführt werden. Gemäss einem ranghohen Manager wird die Regionalisierungsstrategie zu einem Arbeitsplatzabbau in der Schweiz führen, der vor allem den Hauptsitz in Zürich betreffen wird.

Diese Jobs sollen in die Regionen verschoben werden. Durch die Regionalisierung dürfte vor allem Asien profitieren, wo die Bank an den Standorten Hongkong und Singapur zwar stark wächst, aber noch wenig Ressourcen vor Ort hat. Insbesondere die Informatikjobs könnten stärker nach Asien verlegt werden.

Auch in der Schweiz wird es zu Veränderungen kommen. So soll das Firmenkundengeschäft wieder stärker ins Private Banking integriert werden. Beschlossene Sache sei, dass die margenträchtigen Spezialgeschäfte wie Schiffsfinanzierungen dorthin verschoben werden. Profitieren davon dürfte vor allem Hans-Ulrich Meister, der Schweiz-Chef und Co-Leiter Private Banking, der seine Zahlen damit aufpolieren kann. Zuletzt habe man ihn wieder vermehrt mit geschwellter Brust auf den Gängen der CS gesehen.

Die Unternehmensstruktur ist das eine, das Thiam ändern will. Das andere sind neue Köpfe. Auch bei der Besetzung von Topjobs sind seine Vorstellungen offenbar schon weit gediehen. Laut einem hohen CS-Kadermann soll Helman Sitohang zum neuen Asienchef gemacht werden. Der Manager stammt aus Indonesien und hat in Südostasien den Ruf eines Rainmakers. Der Investmentbanker soll über sehr gute Kontakte in Indonesien verfügen.

Auch die USA sollen einen neuen Regionenchef bekommen, der ebenfalls ein gelernter Investmentbanker ist: Timothy O’Hara gilt als aussichtsreichster Kandidat für diesen Topjob. Er würde Robert Shafir ablösen, einen Vertrauten von Ex-CEO Brady Dougan. In den Einflussbereich von O’Hara sollen weite Teile der Investmentbank fallen, die schwergewichtig in den USA angesiedelt sind.

Zu einem äusserst pikanten Stellenwechsel wird es in den Bereichen Marketing und Human Resources kommen. Gemäss einer verlässlichen Quelle soll Pamela Thomas-Graham ihren Posten in der Geschäftsleitung verlieren. Die Krimiautorin soll durch Peter Görke ersetzt werden. Dieser war bei Prudential direkt Thiam unterstellt und kündigte zum gleichen Zeitpunkt. Er hat sein Büro bei der CS bereits bezogen und zieht die Fäden im Personalwesen.

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