In den letzten Tagen haben Mitarbeiter der Credit Suisse eine umfassende Dokumentation zu einem neuen Bonusprogramm erhalten. «Plus Bond», so heisst das Programm, verspricht eine Rendite von 7,875 Prozent plus den Libor-Zins. Die Bank bietet Mitarbeitern ab Stufe Direktor an, aufgeschobene Bonusanteile in dieses Programm zu investieren. Mitarbeiter der Investmentbank wurden bereits früher informiert, für sie ist eine Beteiligung am Plus Bond obligatorisch. Die Laufzeit des Bonus-Vehikels dauert bis Sommer 2016. Ein Sprecher der CS bestätigt diese Angaben.

Neuartig an Plus Bond ist, dass er sich auf ein «laufendes Handelsportfolio» bezieht, das «aktiv» verwaltet wird. Für das Bonus-Programm löst die Bank einen Teil ihres Handelsportfolios heraus und verschiebt die Vermögenswerte in ein ausserbilanzielles Vehikel. Mit dem Plus Bond kann die Credit Suisse ihre Bilanz entlasten, was sich positiv auf die Eigenkapitaldecke auswirkt. Die angestrebte Rendite soll ein spezielles Team generieren. Im Fall des Plus Bond sind dies Händler aus dem Bereich strukturierte Produkte.

Mitarbeiter, mit denen «Der Sonntag» über das Bonusprogramm gesprochen hat und die freiwillig teilnehmen können sind sich nicht sicher, ob sie den Plus Bond zeichnen sollen. Zwar spreche ein attraktiver Coupon von gegen 8 Prozent für ein Investment, sagt ein Banker. Doch das Verlustrisiko liegt vollständig beim Mitarbeiter, was abschreckend wirkt. Wird das Portfolio schlecht verwaltet, erhalten die Mitarbeiter am Ende der Laufzeit nicht mehr den ganzen Einsatz zurück.

Zudem ist das Gewinnpotenzial beschränkt. Mehr als den Einsatz und die aufgelaufenen Zinsen gibt es nicht. Deshalb dürften viele Mitarbeiter sich nicht für den Plus Bond entscheiden, sondern stattdessen CS-Aktien beziehen, die in den letzten Wochen deutlich an Wert zulegten. Für Mitarbeiter, die bereits beträchtliche CS-Aktienanteile besitzen, könnte der Plus Bond aus Diversifizierungsgründen dennoch attraktiv sein.

Die CS findet bei der Ausgestaltung ihrer Bonusprogramme immer wieder neue Möglichkeiten. Nach der Krise 2003 sorgte sie erstmals mit dem PIP-Programm für Aufsehen. Dabei handelte es sich um einen gehebelten Bonus, der Brady Dougan 2009 eine Sonderzahlung von 70 Millionen einbrachte. In der Finanzkrise transferierte die Bank illiquide Hypothekenpapiere in das PAF-Programm. Für Angestellte, die sich am PAF beteiligen konnten, war dies bisher ein lohnendes Geschäft. Die Papiere legten um bis zu 60 Prozent zu.

Mit dem Plus Bond beschreitet die Credit Suisse abermals neue Wege. Es ist wohl das erste Mal, dass eine Bank aktive Handelspositionen in ein Bonusprogramm auslagert. Die Bank kreiert damit eine Art internen Eigenhandel zum Zwecke der Bonusoptimierung. Die Banker können so ein Stück weit selbst über das Schicksal ihres Bonus bestimmen. Handeln sie gut, gibt es mehr Geld, handeln sie schlecht, erzielen sie einen Verlust.

CS-Sprecher Marc Dosch sagt zum neuen Bonus-Programm: «Unsere Vergütungsstruktur unterstreicht unseren Anspruch, unsere Mitarbeitenden marktgerecht und verantwortungsvoll zu entlöhnen. Gleichzeitig wird sie den Interessen und Erwartungen von Aktionären und Aufsichtsbehörden gleichermassen gerecht.»

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