Der am Freitag veröffentlichte Vergütungsbericht der Credit Suisse hat es in sich. Erstmals zeigt eine Bank auf, wie viel ihre Geschäftsleitungsmitglieder im laufenden Jahr verdienen können. Bisher rapportierten sie lediglich die Vergangenheit.

Die Bank gibt für Konzernchef Brady Dougan eine «Zielgrösse» für 2013 an, die eine Gesamtentschädigung von 9,4 Millionen Franken ergibt, was einer Steigerung von 20 Prozent gegenüber den 7,8 Millionen ist, die Dougan fürs Jahr 2012 bekommt. Die Berechnungsbasis bildet das Grundsalär von 2,5 Millionen Franken, das mit drei unterschiedlichen Faktoren multipliziert wird und so den Gesamtbonus bestimmt.

Doch die Bank gibt auch eine «Obergrenze» für Brady Dougan an. Demnach kann Dougan auf einen Bonus von maximal 10 Millionen Franken hoffen. Rechnet man das Grundgehalt von 2,5 Millionen dazu, kommt der CS-Spitzenbanker auf ein Gesamtsalär von 12,5 Millionen Franken – oder ein Plus von 60 Prozent gegenüber 2012.

Doch auch das ist nicht alles. Eine bisher unbeachtete Fussnote im Geschäftsbericht macht deutlich, dass es für Dougan im laufenden Jahr deutlich mehr geben kann. So heisst es im Vergütungsbericht wörtlich: «Zudem kann der Gesamtwert der Barvergütung ohne Verfügungsbeschränkung sowie der STI- und LTI-Awards um bis zu 20% nach oben oder nach unten angepasst werden». So nennt die CS die drei für Konzernleitungsmitglieder zugeschnittenen Bonusprogramme.

Pikant ist, dass sich diese Anpassungen offenbar nicht an objektiven Kennziffern oder Leistungskriterien orientieren, sondern vollständig im «Ermessen des Compensation Committee» liegen. Diesem Vergütungsausschuss des Verwaltungsrats gehören unter anderen CS-Urgestein Walter Kielholz sowie die Schweizer Starprofessorin an der Harvard-Universität, Iris Bohnet, an.

Das Organ kann also am Ende des Jahres 2013 entscheiden, ob es Brady Dougan und den 12 anderen GL-Mitgliedern nochmals einen Bonus auf den Bonus ausschütten will. Tut es dies, erhöht sich die variable Entschädigung bei Dougan im besten Fall von 10 auf 12 Millionen Franken. Die Gesamtkompensation des CS-Konzernchefs klettert damit auf 14,5 Millionen Franken. Dougan kann somit sein Gehalt im laufenden Geschäftsjahr gegenüber 2012 glatt verdoppeln. Freilich liegt es auch im Ermessen des Komitees, ob es den Bonus von 10 auf 8 Millionen Franken senken will.

Diese Bonus-Bonus-Regelung ist neu. Sie kommt im abgelaufenen Geschäftsjahr 2012 noch nicht zur Anwendung. Dennoch kann Dougan sein Gehalt, das gegenüber 2011 um 30 Prozent raufging, nachträglich hochschrauben. Laufen die Geschäfte gut, kann sich die langfristig orientierte Bonuskomponente verdoppeln, sodass seine Gesamtvergütung auf maximal 9,8 Millionen Franken anschwillt. Die Gefahr besteht allerdings auch, dass sich der Wert des LTI gegen null bewegt.

Doch nicht nur die Geschäftsleitung konnte ihre Bezüge gegenüber dem Vorjahr deutlich steigern. Der Bonuspool für den Gesamtkonzern legte um 17 Prozent auf 3,5 Milliarden Franken zu. Besonders profitiert hat eine kleine Gruppe von sogenannten Material Risk Takers und Controllers (MRTC). Die Bank zählt 523 solcher Risikoträger, die vor allem im Bereich Investmentbanking arbeiten. Sie konnten den Bonus um 44 Prozent auf 993 Millionen Franken steigern. Das macht pro Mitarbeiter eine Bonuszahlung von 1,8 Millionen. Zusammen mit dem Grundsalär ergibt dies 2,5 Millionen Franken. Der Umstand, dass vor allem im angelsächsisch dominierten Investmentbanking Boni wie zu besten Zeiten bezahlt wurden, kommt bei vielen Schweizer CS-Beschäftigten sehr schlecht an. Denn hierzulande wurden die Boni im Schnitt um 20 Prozent gesenkt. Gemäss zuverlässigen Quellen betrug der Bonustopf für die rund 20 000 Beschäftigten 400 Millionen Franken – macht pro Kopf 20 000 Franken im Schnitt.

In Zürich, wo die meisten Schweizer CS-Mitarbeiter beschäftigt sind, sorgte der Vergütungsbericht am Freitag für Aufruhr. Mitarbeiter berichten von spontan einberufenen Krisensitzungen. «Was geht hier ab?», fragt sich ein Mitarbeiter. Die Wut auf die Angelsachsen wird neu entfacht. Die Zahlung von 10,6 Millionen an Robert Shafir, Co-Chef des Privatbanking und Dougan-Freund, erachten viele als reine Provokation. Aber auch die deutlich gesteigerten Bezüge des CS-Präsidenten Urs Rohner (auf 5,2 Millionen Franken) sorgten für Kopfschütteln. «Für welche Tätigkeit erhielt er das eigentlich?», fragt ein hoher Kadermann entnervt.

Urs Rohner und seinem Kollegen bei der UBS, Axel Weber, stehen turbulente Generalversammlungen bevor. Die Topbanker haben viel ihres Kredits verspielt. Insbesondere Weber, der bei seinem Antritt eine Wertedebatte lostrat, um sich selbst ein Millionengehalt zu genehmigen. Trotz Verlust gönnte er seinem CEO Sergio Ermotti 8,9 Millionen Franken. Und Andrea Orcel bewilligte er einen Antrittsbonus von 25 Millionen.

Selbst bürgerlichen Politikern ist nun der Kragen geplatzt: SVP-Nationalrat und Gewerbeverbandspräsident Jean-François Rime (FR): «Seit vier bis fünf Jahren beschert die UBS den bürgerlichen Politikern, die den Finanzplatz verteidigen wollen, ein Problem nach dem anderen. Es wäre an der Zeit, dass die UBS damit aufhört.» SVP-Ständerat Hannes Germann (SH) doppelt nach: «Diese Vergütungssysteme sind krank. Man hätte als Schweizer Bank mal ein Signal setzen können. Aber das ist wohl zu viel verlangt.»

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