Das Kapitalangebot der CS wird zum Renner für ihre Konzernleitung. Am Tag nach der massiven Stärkung um total 15 Milliarden Franken wandelten Spitzenleute aufgeschobene Cash-Boni in CS-Aktien – ein starkes Indiz, dass das CS-Kapital zum Dumpingpreis angeboten wird.

Die Konzernleitung umfasst 11 Mitglieder. Und genau 11 Transaktionen mit eigenen Aktien der exekutiven Führungsmannschaft meldete die Bank am Donnerstag, einen Tag nach der Ankündigung ihrer Kapitalerhöhung. Bei den Deals handelt es sich ausnahmslos um Käufe, wie Informationen der Börsenorganisation Six zeigen. Die Kaufsummen reichen von 1,6 Millionen bis 8,2 Millionen Franken. Insgesamt erwarben die obersten Lenker der Grossbank – nebst den Konzernleitungsmitgliedern könnte auch VR-Präsident Urs Rohner zugegriffen haben – CS-Aktien im Umfang von 52 Millionen Franken. In den Monaten davor hatte es nur 3 Millionentransaktionen von CS-Spitzenleuten gegeben – ausschliesslich Verkäufe.

Dass sie sich nun wieder ein Herz fassen, liegt an der Umwandlung aufgeschobener Cash-Boni der Jahre 2009 und 2010. Diese hätten je nach Performance ab 2013 zu einer Barauszahlung geführt. Nun erfolgt die Ausschüttung statt in Cash in Aktien. Diese werden gestaffelt zum Verkauf frei.

Gemäss Kapitalplan erwartet die CS-Spitze, dass sie 750 Millionen der 15 Milliarden via Aktien-Bonus beschaffen kann. Wenn von den über 5000 CashBonus-Anwärtern im CS-Management mehr als geplant wandeln, könnte noch mehr Kapital zusammenkommen.

Wie attraktiv der Bezugspreis ist, zeigt auch das grosse Interesse der bisherigen Ankeraktionäre aus Saudi-Arabien, Katar und Norwegen sowie des neu dazu stossenden Staatsfonds aus Singapur und weiterer Grossinvestoren. Sie alle kriegen eine CS-Aktie für Fr. 16.29. Am Freitagabend lag der Kurs bei Fr. 16.83.

Mit der Kapitalspritze verschaffen sich die bedrängten Urs Rohner und sein CEO Brady Dougan Zeit. Doch aus dem Schneider ist das Spitzen-Duo damit noch nicht. Auf dem Weg zu einer stabilen Zukunft war die Kapitalstärkung nur der erste Schritt. Offen bleibt die Frage nach Sinn und Zweck der grossen Investmentbank. Diese verschlingt nach wie vor den Löwenanteil der Personalkosten, ohne genügend zum Gewinn beizutragen.

Im angelsächsisch dominierten Geschäft mit Wertpapieren und Kapitalmarkttransaktionen brachen die Einnahmen im zweiten Quartal um fast einen Drittel ein. Die Vermögensverwaltung für Privatkunden legte hingegen leicht zu; das Asset Management für Institutionelle verlor 19 Prozent.

Auf der Kostenseite kamen die Investmentbanker jedoch glimpflich davon. Ihr Aufwand sank nur um 20 Prozent. Rechnet man eine einmalige Belastung durch ein neues Bonus-Vehikel heraus, das dem 1. Quartal belastet wurde, dann sanken die Personalkosten der hoch bezahlten Händler und Merger & Akquisition-Spezialisten nur um 12 Prozent – einen Bruchteil des Umsatzrückgangs.

Darum muss weiter gespart werden. In den letzten zwei Jahren hat die CS 2500 Jobs abgebaut. Das Dauersparen dürfte nun mindestens 1000 weitere Stellen gefährden, es könnten auch 1500 sein. Und für einmal soll das Kostenmesser nun mehrheitlich in der Investmentbank angesetzt werden.

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