Ein Schwergewicht des Finanzplatzes sagte es diese Woche so: «Die CS ist auch mit 10 Franken kein Kauf.» Die Rechnung, die er macht, ist einfach: Mit einem Kurs von 10 Franken bewertet der Markt die Grossbank mit 22 Milliarden Franken. Das bedeutet, dass die CS 2 Milliarden Franken verdienen müsste, um diese Bewertung zu rechtfertigen. «Das wird die CS 2016 nicht schaffen. Das wird sie auch 2017 nicht schaffen.»

Der Topbanker weiss, wovon er spricht. Er kennt die Bank in- und auswenig. Er kennt sie womöglich besser als der jetzige glücklose CS-Chef Tidjane Thiam, der seit einem Jahr einen Misserfolg an den nächsten reiht. Als der Franko-Ivorer angetreten war, notierte die Aktie fast bei 29 Franken. Jetzt liegt sie 60 Prozent tiefer.

Die Probleme der Bank sind mannigfaltig. Eines, das alles überragt, sind milliardenschwere Positionen der Investmentbank, welche die CS in eine Art Bad Bank ausgelagert hat, der sogenannten Strategic Resolution Unit (SRU). Insgesamt befinden sich darin 120 Milliarden Dollar. Ein hoher Ex-CS-Manager, der diese Anlagen kennt, beschreibt die Positionen als teilweise «absoluten Schrott». Das sind Papiere, für die es kaum Käufer gibt und die oftmals seit Jahren in der Bilanz der Credit Suisse vor sich hinrosten.

Die Credit Suisse hat 33 Milliarden hartes Kernkapital. Die SRU-Positionen sind mit 120 Milliarden fast viermal so gross. In den letzten drei Jahren erwirtschaftete die CS-Bad-Bank einen Vorsteuerverlust von über 8,5 Milliarden Franken. Pro Jahr betrug der Verlust zwischen 3 und 3½ Prozent der SRU-Aktiven. Unter dem früheren CS-Chef Brady Dougan, einem Investmentbanker vom Scheitel bis zur Sohle, interessierten diese Verlustquellen wenig. Offenbar trauten die Anleger dem Amerikaner zu, diese Positionen gut zu managen.

Dieses Vertrauen ist weg. Der Markt geht offenbar davon aus, dass künftig noch grössere Verluste anfallen könnten, die das Eigenkapital belasten. Müssten diese Altlasten um 5 Prozent abgeschrieben werden – was ein sehr optimistisches Szenario wäre –, resultierte ein Verlust von 6 Milliarden Dollar. Wie sehr sich die Zukunftsaussichten eingetrübt haben, zeigt sich auch daran, dass die CS von der Börse 11 Milliarden Franken tiefer bewertet wird, als sie hartes Eigenkapital hält (33 Milliarden). Das ist ein weiteres beunruhigendes Indiz dafür, dass die Investoren von zukünftigen grossen Verlusten ausgehen.

«Katastrophalste Entscheidung des Verwaltungsrats»
Tidjane Thiam hat das Vertrauen der Märkte verloren. Bislang konnten Thiam und Präsident Urs Rohner die Reaktionen der Märkte mehr oder weniger ignorieren. Sie wussten, dass sie von den Grossaktionären getragen werden. Doch allzu sicher dürfen sie sich auf ihren Chefsesseln nicht mehr fühlen. Grossaktionär Harris Associates, der in den letzten Monaten stets zu Thiam und Rohner gehalten hatte, geht inzwischen auf Distanz und kritisierte etwa Thiams harschen Umgang mit den Investmentbankern an der Wall Street.

Die Luft für Thiam und Rohner wird immer dünner. Der Topbanker, der nicht genannt werden wollte, geht mit dem aktuellen Führungspersonal hart ins Gericht. «Die Wahl von Thiam war die katastrophalste Entscheidung des Verwaltungsrats», sagt er. «Man hätte nie einen Versicherungsmann nehmen sollen. Zu behaupten, man habe keine interne Lösung gefunden, ist absurd. Die Bank hat 50 000 Mitarbeiter. Da findet sich immer einer, der das kann.»

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper