Die Fortunagasse 13 ist eine der exklusiveren Zürcher Adressen. Im Club zum Rennweg treffen sich Geschäftsleute, die es geschafft haben, zum Business Lunch, Cocktail-Abend oder Diner mit guten Freunden. 12 000 Franken kostet die Mitgliedschaft pro Jahr.

Hinter der Betreibergesellschaft stehen unter anderen Anwalt Thomas Ladner, Dotcom-Millionär Daniel Aergerter und der frühere Lotus-Manager Dani Bahar. Ebenfalls seit Anfang dabei ist der frühere Denner-Chef Philippe Gaydoul, der dem Club auch die Liegenschaft fürs Lokal vermietet. Die Mitglieder werden offiziell nicht geoutet. Dem Vernehmen nach sind etwa der Banker Urs Rohner, Swisslife-Präsident Rolf Dörig oder Nati-Trainer Othmar Hitzfeld dabei.

Finanziell lief es dem Club lange weniger gut. Nur mit Sparbemühungen sei es gelungen, das Budget in den Griff zu bekommen, berichtete die «Handelszeitung» diese Woche. Da war es auch mit dem noblen Flair vorbei. Plötzlich tönte es bei den Millionären gleich wie im Turnverein oder der Dorfmusig, wie Unterlagen zeigen, die der «Schweiz am Sonntag» vorliegen.

Beispiel 1: Löhne senken
Man streiche die Überstunden-Abgeltung aus den Verträgen des Personals. Eine Mitarbeiterin wird entlassen, ein anderer akzeptiert den Vertrag. 15 000 Franken habe man ihm noch bezahlen müssen, damit er in den neuen Vertrag wechsle, heisst es im Verwaltungsrats-Protokoll.

Beispiel 2: Altwaren verwerten
Als im Restaurant das Geschirr ersetzt wird, soll das alte nicht einfach entsorgt werden. «Der VR ist sich einig», heisst es, «dass das alte Geschirr verkauft werden soll.» Auch der Humidor zur Aufbewahrung von Zigarren wird zu Geld gemacht. Präsident Thomas Ladner schätzt ihn auf 10 000 Franken.

Beispiel 3: Billigere Blumen
Discount-Profi Gaydoul entdeckt bei den Blumen Sparpotenzial, für die der Club monatlich 3500 Franken ausgibt. Man beschliesst, bei der Blumenbörse eine Offerte einzuholen, wo die Blumen offenbar nur einen Drittel so viel kosten. Gaydoul findets gut, auch dort gebe es schliesslich Pauschalangebote.

Beispiel 4: Waschen
50 000 Franken pro Jahr kostet die Wäsche. Das sei zu teuer, findet Gaydoul. Die Geschäftsführerin verteidigt sich, die Wäscherei gehe dafür «mit grosser Sorgfalt» mit der Wäsche um. Um eine neue Offerte kommt sie dennoch nicht herum.

Beispiel 5: Musik
Die Kultur-Abende wurden im Club bereits gestrichen, da sie die Mitglieder eh nicht besuchten. Lüpfige Musik hingegen soll ausgebaut werden. Banker Thomas Matter schlägt einen Klavierabend mit Pepe Lienhard vor. Dieser sei Clubmitglied und würde bestimmt gratis spielen, sagt er.

Beispiel 6: Mitgliedschaften künden
Der Club zum Rennweg ist Mitglied bei International Associate Clubs, einer Vereinigung, die den Mitgliedern von 250 «illustren Clubs» (Eigenwerbung) den gegenseitigen Zugang ermöglicht. Pro Jahr koste dies 24 000 Euro, moniert Banker Matter. Da offenbar niemand die Mitgliedschaft nützt, wird sie gestrichen. Martin Spieler, damals Chefredaktor der «Handelszeitung», hat noch einen Tipp: Er schlägt vor, das «stillschweigend» zu tun, ohne es den eigenen Mitgliedern «aktiv zu kommunizieren».

Weil offenbar auch die Mitglieder des Clubs mit dem Verlauf der Finanzkrise vermehrt aufs Portemonnaie schauen, sind auch die Preise des Restaurants immer wieder ein Thema. Einmal erwähnt Gaydoul, nach der letzten Preiserhöhung sei man «an der Grenze zu Wucherpreisen» angelangt. Ein anderes Mal beklagt er die zu hohen Weinpreise. Als Detailhändler kennt er die Einkaufspreise der edlen Tropfen nur zu gut.

In den Sparprotokollen tauchen vor allem Matter, Gaydoul und Spieler auf. Dabei hat Spieler eine Sonderrolle, ist er doch als Einziger nicht finanziell beteiligt. An der Sitzung vom 26. Mai 2011 schlägt Spieler vor, selber auch ein paar Aktien zu kaufen. Der abwesende Grossaktionär Dani Bahar wird aus der Sitzung heraus angefragt, ob er Spieler nicht ein paar Aktien verkaufen könne. Doch Spieler kassiert eine Absage. Bahar, so ist protokolliert, «lehnt per SMS den Verkauf von Namenaktien an MS ab».

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