Seit dem 11. Mai läuft bei ausgewählten Kunden von UPC Cablecom ein Test von dem, was die Kabelnetzbetreiberin intern «Replay 2.1» nennt. Schon bald nämlich sollen Cablecom-Abonnenten ihr Fernsehprogramm nicht nur – wie bisher – 30 Stunden, sondern 7 Tage zurückspulen können. Zudem soll diese Archivfunktion mit dem elektronischen Programmführer verknüpft werden, was heute nicht der Fall ist. Beides bietet die Konkurrentin Swisscom schon an. Auch will die Cablecom die Zahl der Sender mit Replay-Funktion erhöhen.

Ziel sei eine offizielle Einführung von «Replay 2.1» noch «im Laufe dieses Sommers», heisst es in internen Unterlagen von UPC Cablecom. Unternehmenssprecher Marc Mauerer bestätigt auf Anfrage den Test. Er äussert sich jedoch nicht zum Inhalt des neuen Angebots.

Mit der Neuerung holt die Cablecom wieder zur Konkurrenz auf. Als einzige grosse Anbieterin löscht sie heute die archivierten Sendungen zwingend nach bereits gut einem Tag. Zudem wird sie von zahlreichen, teils kleineren Anbietern bei der Zahl der Sender überboten. So haben selbst Kunden des M-Budget-Nischenangebots der Migros ein Angebot von 100 Sendern.

Die Zurückhaltung hat historische Gründe. Als älteste Kabelnetzbetreiberin befand sich die Cablecom stets in grosser Nähe zu den Fernsehstationen, denen die Replay-Funktion ein Dorn im Auge ist, da sie die Programmhoheit aushebeln. Die Sendergruppe Pro Sieben/Sat.1 versuchte denn auch bis vor kurzem noch, die Replay-Angebote rechtlich verbieten zu lassen. Mittlerweile hat sie dies jedoch aufgegeben.

Catch-up-Fernsehen, wie es in der Juristensprache heisst, ist seit einigen Jahren klar geregelt. Vor dem Gesetz gilt es als private Kopie des Kunden. Es wird über eine Urheberrechtsabgabe abgegolten, so wie wenn das Programm mit einem Kassetten-Videorecorder aufgezeichnet würde. Aus diesem Grund muss der Konsument die Replay-Aufzeichnung auch zwingend selber starten. Pro Monat bezahlen die Kabelnetze pro Kunde 80 Rappen für das 30-Stunden-Angebot und 1.20 Franken für die 7-Tage-Speicherung. Dieses Geld fliesst an die Urheber der Fernsehsendungen.

Nebst Replay setzt sich eine zweite Neuerung zunehmend durch: das hybride Fernsehen (HbbTV). Mitte April teilte die Swisscom mit, HbbTV bei einzelnen öffentlich-rechtlichen Sendern wie SRF, ARD oder ORF aufzuschalten. Über den roten Knopf auf der Fernbedienung von modernen Fernsehern können Empfänger nun ein Portal des jeweiligen Senders abrufen, das nicht nur so etwas wie einen modernen Teletext enthält, sondern meist auch ein umfangreiches Sende-Archiv. Dieses umfasst teilweise mehr als die 7 Tage von Replay – allerdings in der Regel nur Eigenproduktionen.

Zwar war die Cablecom beim Hybridfernsehen ihrer Konkurrentin Swisscom voraus. Allerdings nur bei einem Teil der Kunden. Wer die teure Horizon-Settop-Box verwendet, geht leer aus. Kunden, die das Signal hingegen direkt aus der Dose beziehen, empfangen HbbTV. Und das, obwohl sie deutlich tiefere Monatsgebühren bezahlen.

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