Patrik Gisel, Chef der Raiffeisenbank, wollte etwas tun. Mehr junge Familien sollten eine Hypothek erhalten und sich den Traum vom Eigenheim erfüllen. Nun ist die Raiffeisenbank von der Finanzmarktaufsicht (Finma) gestoppt worden. «Wir können unsere Idee nicht so umsetzen, wie wir uns das vorgestellt haben», sagt Gisel.

Es ist der vorläufige Endpunkt einer scharf geführten Auseinandersetzung. Im September 2016 wagte Gisel einen Vorstoss. «Junge Familien haben keine Chance auf eine Hypothek», sagte er. Der Traum vom eigenen Heim bleibe nicht etwa aus gutem Grund verwehrt. Die Richtlinien zur Vergabe von Hypotheken seien «übervorsichtig».

Gisel wollte das Haupthindernis für junge Familien aus dem Weg räumen: die strikte 5-Prozent-Zins-Tragbarkeit-Regel. Die Zinskosten dürfen dieser zufolge auch dann nicht mehr als einen Drittel des Einkommens ausmachen, wenn die Zinsen auf 5 Prozent steigen würden. Gisel wollte diese Regel «flexibilisieren».

«Spiel mit dem Feuer»
Das Gegenfeuer kam sogleich. Die Finma warnte, Gisels Plan könne eine Preisspirale im Hypothekarmarkt antreiben und sei für Familien ein Risiko: «Bei einem späteren Zinsanstieg würden zunächst jene Haushalte in Probleme getrieben, deren Tragbarkeit unter Lockerung der etablierten Fünf-Prozent-Regel bestimmt wurde.»

Die Grossbank UBS bezeichnete Gisels Pläne als «Spiel mit dem Feuer», es werde die Immobilienpreise nach oben treiben. Gisel konterte, es würden nicht plötzlich massenhaft Leute Wohneigentum kaufen. Das Volumen werde klein sein. Doch die Ökonomen von der UBS überzeugt dies nicht.

«Wir sollten nicht die bestehenden Regeln aufweichen, wenn sie gerade wirken», kritisiert der UBS-Ökonom Matthias Holzhey. Dadurch würden andere Banken unter Druck geraten. Zudem würde durch gelockerte Tragbarkeits-Regeln bestimmten Haushalten der Kauf eines Eigenheims wieder erleichtert. «Es käme also dennoch zu Preissteigerungen.»

Kritik an Kritikern
Nun macht die Finma dem Treiben ein Ende. In intensiven Gesprächen überzeugte sie Gisel, dass ein Rütteln an den Tragbarkeits-Regeln gefährlich sei. Bis auf weiteres wird es also keinen erleichterten Zugang für Familien zu Hypotheken geben. Doch könnte Raiffeisen irgendwann einen neuen Weg finden, um doch noch mehr Kunden eine Hypothek zu vergeben.

In einer aktuellen Publikation der Raiffeisen schiessen ihre Ökonomen gegen die Kritiker. «Oberflächlich» und «völlig undifferenziert» werde über den Sinn einer strikt ausgelegten Tragbarkeitshürde diskutiert. An die Adresse der UBS schreiben sie: «Die Kritik stammt aus einem Lager, das in den letzten Jahren global Milliarden an den Finanzmärkten verloren hat.»

Gisel scheint sich mit dem Veto der Finma nicht abfinden zu können. «Wir sind in einer verqueren Welt», sagt er im Interview. Es sei so, als ob der Benzinpreis quasi ins Bodenlose fallen würde. «Aber das günstigere Benzin bekommen nur jene Golf-Fahrer, die sich auch einen Porsche leisten könnten.»

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