Breite Allianz für Tourismus

Die schlechte Wintersaison in den Bergen ruft nach Massnahmen. Foto: swiss-image.ch

Die schlechte Wintersaison in den Bergen ruft nach Massnahmen. Foto: swiss-image.ch

Sie spannen zur Rettung des Bergtourismus zusammen: Hotels, Restaurants, Seilbahnen und Jugendherbergen.

Johann Schneider-Ammann hat Gastro Suisse jüngst seine Teilnahme an einem Tourismusgipfel versprochen. «Mein Angebot haben Sie», sagte der Bundespräsident an der Feier zum 125-Jahr-Jubiläum des Verbandes. Wie sich nun zeigt, wurde der Vorstoss für einen Tourismusgipfel von langer Hand vorbereitet. «Wir sind uns im Verband seit einigen Monaten einig, dass es einen Tourismusgipfel zu den Bergregionen braucht», sagt Dominique de Buman, Präsident Schweizer Tourismusverband (STV) und CVP-Nationalrat.

Im Dezember hatte Alt-Bundesrat Adolf Ogi in der «Schweiz am Sonntag» einen Krisengipfel für den Bergtourismus gefordert. Wenige Wochen später begann der STV still und leise mit den Vorbereitungen für ein Positionenpapier zum Bergtourismus. Darin soll auch ein Tourismusgipfel gefordert werden.

Die Rückendeckung des STV zeigt: Die Forderung nach einem Krisengipfel wird von einer breiten Allianz getragen. Im STV ist die gesamte Tourismusbranche organisiert: Hotellerie Suisse zählt ebenso dazu wie Gastro Suisse, die Jugendherbergen und die Seilbahnen Schweiz. «Auch Schweiz Tourismus, die Marketingorganisation, steht zum Vorschlag», sagt de Buman. Das habe ihm der Schweiz-Tourismus-Direktor Jürg Schmid auch persönlich zugesichert.

Am Freitag dieser Woche tagte der STV-Vorstand nochmals zum Thema Krisengipfel. Das Positionenpapier sollte ursprünglich wenige Tage später verabschiedet werden. Nun zieht sich die Sache noch etwas hin. «Wir wollen ganz konkrete Vorschläge verabschieden können, hinter denen alle Mitglieder stehen können», erklärt de Buman die Verzögerung.

Drei Bundesräte am Gipfel?
Klar ist, dass der Verband alle Hebel in Bewegung setzen will. Die Frankenstärke soll genauso diskutiert werden wie Steuerpolitik, Raumplanung, Wirtschaftsförderung und der generelle Mangel an Investitionen in der Branche. Geht es nach Plan, resultieren aus dem Krisengipfel konkrete Massnahmen, die der Bundesrat direkt verabschiedet. «Oder wir lancieren politische Vorstösse im Parlament», sagt STV-Präsident de Buman.

Die Suche nach einem Termin verlangsamt den ganzen Prozess jedoch. Wie aus der Branche durchsickerte, gibt es Überlegungen, dass nicht nur Wirtschaftsminister Schneider-Ammann den Bundesrat am Gipfel vertritt. Auch die für Raumplanung zuständige Bundesrätin Doris Leuthard sowie der Vorsteher des Finanzdepartements, Ueli Mauer, als Verantwortlicher für die Steuerpolitik, könnten teilnehmen. So dürfte der Gipfel erst weit in der zweiten Jahreshälfte stattfinden.

Viel mehr Zeit sollte die Branche indessen nicht verlieren. Ansonsten kämen die Massnahmen für die nächste Wintersaison zu spät. Alt-Bundesrat Adolf Ogi, der an seinem Wohnort in Kandersteg BE die Folgen der Frankenstärke aus nächster Nähe beobachtet, warnte bereits eindringlich vor dem Zugrundegehen des Bergtourismus.

Mit Abstand am schlechtesten
Dass der Tourismus leidet, zeigte zuletzt wieder eine Branchenumfrage der Konjunkturforschungsstelle der ETH KOF im Auftrag von Gastro Suisse, die weitgehend unbeachtet blieb. Demnach litten Anfang 2016 über 40 Prozent der Gastronomiebetriebe unter sinkendem Absatz gegenüber dem Vorjahr. Eine krasse Steigerung gegenüber 2007, als der Franken zum Euro noch schwach war. Damals klagten noch unter 10 Prozent aller Gastrobetriebe über Umsatzeinbussen.

Insbesondere die Hotellerie trifft die Frankenüberbewertung stark. 2016 wird sie gemäss Prognosen des Wirtschaftsinstituts BAK Basel von allen Schweizer Branchen am meisten zu leiden haben. Die BAK-Ökonomen sagen den Hoteliers einen Rückgang des Umsatzes von fast 2,5 Prozent voraus. Keine andere Branche hat dermassen trübe Aussichten. Als die nächstschlechteste Branche kommt die Chemie, deren Umsatz um vergleichsweise moderate 1 Prozent abnehmen wird. Dabei verbergen sich hinter dem Rückgang von fast 2,5 Prozent in der Hotellerie grosse regionale Unterschiede. In den Städten laufen die Geschäfte noch einigermassen rund. Geschäftsleute und Touristen aus Asien füllen die Betten. Die Bergregionen hingegen haben noch keinen Ersatz für die fernbleibenden Gäste aus Deutschland gefunden.

Nicht wirklich treue Schweizer
Auch auf dem inländischen Markt hat die Gastronomie zu kämpfen. Gerne wird der angebliche Patriotismus der Schweizer Gäste gelobt. Gestützt wird diese These gerne mit der Tatsache, dass die Logiernächte von Schweizer Gästen nicht einbrachen, sondern eher noch leicht stiegen. Eine Grafik, die der Gastro-Suisse-Präsident Casimir Platzer jüngst an der Jahreskonferenz des Verbandes präsentierte, relativiert die These von der Heimatliebe der Schweizer Gäste indessen. Seit Beginn der Frankenstärke übernachten die Schweizer nämlich deutlich häufiger in Deutschland als früher. Im Vergleich zu 2008 haben die Logiernächte um 70 Prozent zugenommen.

Gleichzeitig verzeichnen grenznahe Kantone seit einigen Jahren viel geringere Ausgaben für Gastronomie. Im Kanton Thurgau etwa sind es pro Kopf der Bevölkerung rund 20 Prozent weniger als im nationalen Durchschnitt. Vieles deutet darauf hin, dass das Geld auf die andere Seite der Grenze fliesst.

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