In der Grossbank Credit Suisse bekommen jene Kräfte Oberwasser, die für einen Neuanfang plädieren, nachdem ein Schuldeingeständnis und eine Busse von mindestens 2,5 Milliarden Dollar in den USA unausweichlich geworden sind. Zwar fordern die Amerikaner nicht zwingend einen Kopf, doch insbesondere für CS-Chef Brady Dougan wird die Luft dünn. Ein Vertreter der obersten CS-Führung sagte gestern zur «Schweiz am Sonntag»: «Ob Brady Dougan einen Tag nach dem Schuldbekenntnis zurücktritt oder erst innerhalb der nächsten zwei Jahre, das ist offen.» Diese Aussage zeigt: Das Schicksal von Dougan ist besiegelt, die Frage ist nur, wann er geht. Dougan ist seit über sieben Jahren Konzernchef.

In der CS will der «Schweiz-Flügel» den Amerikaner Dougan opfern – auch, um Schaden vom Schweizer Verwaltungsratspräsidenten Urs Rohner abzuwenden. Darum wird aus diesen Kreisen betont, Dougans Nachfolger müsse Schweizer sein. Und Dougan sei mit gewaltigen Boni (70 Millionen im Jahr 2009) schliesslich für dieses Jobrisiko entschädigt.

Doch auch Rohner selbst muss zittern. Konsequenzen werden aus der Politik gefordert. SVP-Vizepräsident Christoph Blocher, der schon die neue Organisationsstruktur der Grossbanken mit anstiess, sagt jetzt: «Ich bin der Meinung, sowohl der CEO als auch der VR-Präsident müssen gehen, um die Bank zu retten. Es ist beschämend, wie die höchsten Stellen sich selber in Schutz nehmen, statt Schaden vom Unternehmen abzuwenden.»

Blocher, ehemals Verwaltungsrat bei der UBS (SBG), betont, das gelte auch, wenn die obersten Chefs nicht schuldig seien: «Es geht um Verantwortung, nicht um Schuld. Die obersten Chefs müssen die Konsequenzen ziehen, selbst wenn sie nicht gewusst haben sollten, was in den USA passierte.» Denn letztlich sei immer die Spitze des Unternehmens verantwortlich. Blocher nennt als Vorbild Oswald Grübel: «Er hat es bei der UBS im Fall Adoboli vorgemacht.» Blocher zieht auch eine Parallele zur UBS in der Finanzkrise: «Da wurde oben ausgemistet, man hat einen Neuanfang gemacht. Bei der CS drückten sich die obersten Chefs, inklusive Walter Kielholz, stets um jede Verantwortung.»

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