Im Ausland ist Hunkemöller schon länger eine grosse Nummer. Mehr als 800 Filialen und 4000 Mitarbeitende zählt der holländische Dessoushersteller in 23 Ländern. Rund 440 Millionen Euro wurden zuletzt umgesetzt. Die Schweiz blieb hingegen aussen vor in den Expansionsplänen der Holländer.

Doch nun will Hunkemöller auch Schweizer Damen von seinen BHs, Slips und Bikinis überzeugen, wie der für die Expansion zuständige Marc Holike im Gespräch verrät. «Wenn alles gut geht, eröffnen wir noch dieses Jahr das erste Geschäft, ansonsten 2018.» Bereits im Sommer letzten Jahres startete Hunkemöller mit einem Schweizer Webshop, geliefert wird aus dem deutschen Osnabrück.

Die Ziele sind gross. Am liebsten wäre ihm ein «Big Bang», sagt Holike. «Wenn wir auf einen Schlag sieben bis zehn Filialen eröffnen könnten, wäre das ideal.» Langfristig sehe man ein Potenzial von 40 bis 50 Standorten, einerseits in Einkaufsmeilen, aber auch in Shoppingcentern.

«Ein Geschäft an der Zürcher Bahnhofstrasse wäre natürlich toll, aber die Konditionen müssen stimmen», sagt Holike. Da man ein breites Sortiment führe mit BH-Grössen von 70A bis 95G, brauche man mindestens 130 Quadratmeter. Der Flagship-Store in Amsterdam ist gar 500 Quadratmeter gross.

Fashionmarkt im Minus

Als Herausforderung bezeichnet Holike die hohen Miet- und Personalkosten in der Schweiz. «Im restlichen Europaraum ist die Situation einfacher.» Andererseits könne man hier etwas höhere Preise verlangen angesichts der starken Kaufkraft. «Aber man darf es nicht mehr übertreiben.» Preislich sei man etwas teurer als H&M, aber günstiger als andere Fachhändler.

Tatsächlich sind die oftmals hohen Preise ein Grund für die serbelnde
Modebranche in der Schweiz. Viele Kunden kaufen ihre Kleider im Ausland ein oder im Internet. Zuletzt wurde Charles Vögele aufgekauft und die welsche Kette Yendi meldete Konkurs an. Laut Zahlen des Marktforschers GfK gingen die Modeumsätze im vergangenen Jahr über fünf Prozent zurück.

Für Schweizer Dessous-Händler werden die Aussichten mit Hunkemöllers Ankündigung nicht besser. Heutiger Marktleader ist Beldona mit Sitz in Dättwil AG, der es auf rund 70 Filialen bringt und Teil des Aargauer Triumph-Konzerns ist, gefolgt von Händlern wie Calida und Perosa. Erst vor vier Jahren wagte der italienische Dessous- und Strumpfhändler Calzedonia den Eintritt in die Schweiz.

Inzwischen zählen die Italiener rund 20 Calzedonia- und 30 Intimissimi-Geschäfte. Die grosse Frage ist, ob irgendwann auch «Victoria’s Secret» in die Offensive geht. Bisher haben die US-Amerikaner erst einen Shop am Flughafen Zürich eröffnet, wo es aber fast nur Duschgels, Parfüms und Lotions zu kaufen gibt.