Die Neuorganisation der Credit Suisse sorgt bereits eine Woche nach der Ankündigung für ziemliches Chaos innerhalb der Bank. CEO Tidjane Thiam habe zwar viele schöne PowerPoint-Folien gezeigt, doch habe er es verpasst, Triviales wie einen Terminplan zu erstellen, mit klaren Zuständigkeiten für die Umsetzung der anzupackenden Projekte. «Das hat dazu geführt, dass niemand weiss, was er machen muss», sagt ein hoher Kadermann. Dabei geraten immer wieder Manager aneinander. Zu Querelen kommt es offenbar selbst auf der obersten Management-Stufe, dem Group Executive Board. Dort seien sich Iqbal Kahn und Thomas Gottstein in die Haare geraten, sagt die Quelle.

Beide wurden von Thiam letzte Woche in die Konzernleitung berufen. Gottstein ist als «Leiter Universalbank» neu für das Schweiz-Geschäft zuständig, das vom Mutterkonzern herausgelöst und eine Minderheit separat an die Börse gebracht werden soll. Kahn wiederum ist Chef des Bereichs International Wealth Management mit der EMEA-Region sowie Südamerika und Russland. Zusätzlich leitet er das geschrumpfte Asset Management. Die beiden streiten sich unter anderem darüber, wo der Handel mit Chef Yves-Alain Sommerhalder angesiedelt werden soll. Gemäss Recherchen wird er in den Bereich von Kahn wechseln. Eine Schweizer Einheit ohne eigenen Handel wird nur eine halbe Bank sein. Wichtige Finanzmarkttransaktionen könnte sie nicht mehr selbstständig abwickeln. Jede mittelgrosse Kantonalbank ist da besser aufgestellt.

Bis letzte Woche rapportierten Kahn und Gottstein an Hans-Ulrich Meister, der von Thiam jedoch abgesägt wurde. In der Schweiz entsteht nun ein veritables Machtvakuum. Bereits vor Meister verabschiedeten sich Barend Fruithof, der zu Julius Bär wechselte, und sein Stellvertreter Urs Gauch, der zu Raiffeisen ging. Fruithofs Firmenkundengeschäft steuerte bis zu einem Viertel zum Konzerngruppengewinn bei. Laut «Bilanz» ist er mit einer «Vielzahl von Schweizer Unternehmern per Du».

In der nächsten Woche werden die Köpfe der zweiten Führungslinie bekannt. Die Unruhe dürfte dann nochmals zunehmen. Etliche Führungskräfte sollen auf dem Absprung sein. Wie aus dem Innern der Bank zu hören ist, soll beispielsweise Christoph Brunner «darüber nachdenken», die Bank zu verlassen, wie ein Kadermann sagt. Er lancierte unter Meister neue Produkte wie Credit Suisse Invest und das Retailpaket Bonviva.

Der Abgang von Kommunikationschefin Clarissa Haller steht bereits fest. Bei Tidjane Thiam ist sie schnell in Ungnade gefallen. Er bevorzugte Peter Goerke, den er von London nach Zürich mitnahm und direkt in die Geschäftsleitung setzte. Pikant ist: Haller, die keine Bankerfahrung hatte und von ABB kam, wurde persönlich von VR-Präsident Urs Rohner angestellt und dem Ex-CEO Brady Dougan aufs Auge gedrückt. Jetzt ist sie nach gut einem Jahr wieder weg.

Es ist für die zweitgrösste Bank der Schweiz zu hoffen, dass Rohner mit Thiam ein glücklicheres Händchen hatte. Der hochgelobte Ivorer hat einen gründlichen Fehlstart hingelegt. Seine neue Strategie, die sehr ambitionierten Wachstumsziele, die Abspaltung des Schweiz-Geschäfts vermögen die Anleger nicht zu überzeugen.

Eine Woche nach der Ankündigung stellt sich die Frage, ob Thiam nicht zu viele Baustellen gleichzeitig aufgerissen hat. Er muss sparen, neues Kapital beschaffen, in neue Märkte investieren und gleichzeitig eine über die Jahre zu einem monolithischen Block zusammengeschweisste Bank wieder auseinanderbrechen.

Die Deutsche Bank, die sich in vieler Hinsicht gut mit der Credit Suisse vergleichen lässt, stellte sich diese Woche neu auf. Die Botschaft, die der neue Konzernchef und Ex-UBS-Finanzchef John Cryan verkündete, war einfacher zu verstehen. Sie beschafft sich neues Kapital, spart massiv und bleibt vor allem ihrer zentralen Organisation mit einem klaren Produktfokus treu. Regionen spielen eine untergeordnete Rolle.

Cryans Präsentation passte auf 36 Seiten und war dennoch äusserst detailreich. So ging er so weit, dass er einzelne Informatiksysteme benannte, die er in den nächsten Jahren ablösen will. In den Hunderten von Slides der CS sucht man diesen Detailgrad vergebens. Nicht einmal die Namen der Aktionäre werden genannt, die bei der Privatplatzierung der neuen Aktien mitmachen.

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