Barbara Kux vor dem Rücktritt?

Wurde sogar mit Barack Obama verglichen: Siemens-Managerin Barbara Kux. Foto: photothek.net/Ute GrabowskY

Wurde sogar mit Barack Obama verglichen: Siemens-Managerin Barbara Kux. Foto: photothek.net/Ute GrabowskY

Sie gilt als mächtigste Schweizer Wirtschaftsfrau. Jetzt befeuert die öffentlichkeitsscheue Top-Managerin Barbara Kux Gerüchte, dass ihr Vertrag bei Siemens nicht verlängert wird – sie denkt laut über ihre Zukunft nach.

Keine Schweizerin hat es in der Wirtschaft in höhere Sphären gebracht als sie. Barbara Kux sitzt seit vier Jahren in der Konzernleitung des deutschen Industriegiganten Siemens (410 000 Mitarbeiter). Doch jetzt ist sie intern unter Beschuss geraten. In deutschen Wirtschaftsmedien werden gezielt Gerüchte gestreut, wonach sie kurz vor dem Abgang bei Siemens stehe.

Diese Woche gab Kux den Spekulationen gleich selber Auftrieb. Bei einem Auftritt an der Women’s Business Conference in Zürich strahlte die 58-Jährige, die bislang alle fünf Jahre ihren Posten wechselte, die Lust aus, nochmals etwas Neues anzupacken. Sie sagte, sie wolle sich in absehbarer Zeit auf Verwaltungsratsmandate konzentrieren. Eines hat sie schon, beim französischen Mineralölunternehmen Total.

Auf die Frage von Moderatorin Susanne Wille, ob es sein könne, dass ihr Vertrag Ende November nicht verlängert werde, gab sich Kux wortkarg. Aber sie betonte, es gehe auch ohne sie: «Wir haben ein gutes Team aufgebaut.» Ein Dementi tönt anders. Vom «Sonntag» auf einen möglichen Rücktritt angesprochen, wich sie erneut aus.

Kux wird bei Siemens vorgeworfen, ihren Hauptauftrag nicht erfüllt zu haben. Und der lautete, die Einkaufskosten drastisch zu senken und so die Konzernrechnung um Milliarden zu entlasten. Bei einem Umsatz von 78 Milliarden Euro beträgt das Einkaufsbudget von Siemens über 40 Milliarden Euro. Kux hat also einen gewaltigen Hebel in der Hand.

Letzte Woche erhielten ihre Gegner neue Munition. Siemens gab überraschend ein drastisches Sparprogramm bekannt. Bis 2014 sollen rund 6 Milliarden Euro eingespart werden, davon die Hälfte in der von Kux geleiteten Einkaufsabteilung, die eigens für sie geschaffen worden war. Das zeige, dass die einst gefeierte Managerin versagt habe, finden Insider.

Den Zeitpunkt für ihren Angriff haben Kux’ Kritiker gut gewählt: Ende November 2013 läuft ihr Vertrag aus, Ende dieses Monats ist der frühestmögliche Zeitpunkt für eine Verlängerung – oder für den Rauswurf. «Wenn diese Vertragsverlängerung kommt, kann das hier kaum jemand nachvollziehen», wurde ein Siemens-Manager im Wirtschaftsmagazin «Capital» zitiert. «Sie steht für nichts», sagte ein anderer.

Nach Informationen des deutschen Blattes hatte Aufsichtsratschef Gerhard Cromme ihr einen gesichtswahrenden Abgang vorgeschlagen. Und zwar soll er ihr ein Amt als Vollzeit-Aufsichtsrätin von Siemens angeboten haben. Darauf soll Kux aber nicht eingetreten sein.

Nach einer rasanten Karriere mit führenden Positionen bei McKinsey, Nestlé, ABB und Ford hatte die Zürcherin vor genau vier Jahren den Aufstieg in den Olymp der Industrie geschafft. Konzernchef Peter Löscher berief sie im November 2008 als erste Frau in die Konzernleitung von Siemens. Die «Süddeutsche Zeitung» jubelte damals, das sei «ein historischer Einschnitt» und «so ungewöhnlich wie die Wahl des Schwarzen Barack Obama ins Weisse Haus».

Als Vorzeigefrau wurde Barbara Kux am Mittwoch von Susanne Wille auch zur Frauenquote befragt, welche die Europäische Kommission diese Woche für die Verwaltungsratsmandate von Europas börsennotierten Unternehmen forderte. Überraschenderweise äusserte sich Kux positiv. Vor fünf Jahren sei sie zwar noch klar gegen eine Quote gewesen, heute sei sie «eher dafür».

Als positives Beispiel nannte sie die skandinavischen Länder. In Norwegen beispielsweise müssen seit 2008 in jedem börsennotierten Unternehmen 40 Prozent der Verwaltungsratsmitglieder Frauen sein. Weil dem Unternehmen sonst die Schliessung droht, hat das Gesetz gewirkt. Es sei eine Frage der gewünschten Geschwindigkeit, sagte Kux: Wenn man den Frauenanteil rasch erhöhen wolle, dann brauche es wohl die Quote, wenn man eher auf eine evolutionäre Entwicklung setze, dann nicht.

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