VON PATRIK MÜLLER

Die Anmerkung steht auf Seite366 im Geschäftsbericht der Credit Suisse (CS). Sie wurde bislang öffentlich nicht beachtet – obwohl sie nicht einer gewissen Brisanz entbehrt. Die CS informiert bemerkenswert transparent über Kredite, die sie an eigene Geschäftsleitungsmitglieder vergeben hat. Und schreibt: «Der höchste ausstehende Kredit belief sich auf CHF 7 Mio. und betraf das Geschäftsleitungsmitglied Walter Berchtold.»

Walter Berchtold ist einer der erfolgreichsten Banker der Schweiz – der 48-Jährige arbeitet seit 1982 für die Credit Suisse, einst als Handelschef, seit vier Jahren als CEO des Private Banking. Und Berchtold ist einer der Bestverdienenden seiner Gilde: Aus dem berühmten Langfrist-Bonusprogramm PIP erhielt er Ende April 34 Millionen Franken. Nur CS-Chef Brady Dougan und Investmentbank-Chef Paul Calello kassierten noch mehr. Da stellt sich schnell die Frage: Warum muss ein Grossverdiener wie Berchtold einen Kredit von 7 Millionen Franken aufnehmen?

Mit Verweis auf die Privatsphäre will die CS diese Frage, bezogen auf Walter Berchtold, nicht beantworten. Sie gibt nur eine generelle Antwort. Demnach, so die Pressestelle, dienen Kredite an Geschäftsleitungsmitglieder meistens dazu, die Steuern zu bezahlen. Denn die Boni werden nicht bar ausbezahlt, sondern
in Form von Aktien – die jeweils für eine gewisse Zeitdauer gesperrt sind.

Die Top-Bankerhaben also ein Liquiditätsproblem, wenn die Steuerrechnung fällig wird. Diese ist selbst in den steuergünstigen Gemeinden rund um den Zürichsee, wo die Manager meist wohnen, erklecklich: Von Walter Berchtolds 34-Millionen-Franken-Bonus dürften gut 10 Millionen an den Fiskus gehen.

Ob Berchtold einen Kredit gegen Wertschriftendeckung erhalten hat oder ob es allenfalls eine Hypothek ist, lässt sich nicht in Erfahrung bringen. Klar ist jedoch, dass er von Mitarbeiterkonditionen profitiert. «Die verwendeten Zinssätze beruhen auf dem Refinanzierungssatz zuzüglich einer Marge und entsprechen den für alle Mitarbeitenden anwendbaren Zinssätzen und übrigen Konditionen», schreibt die CS im Geschäftsbericht.

Berchtold ist bei der CS zwar der Banker mit dem höchsten Kredit, aber nicht der einzige, der sich beim eigenen Arbeitgeber verschuldet hat. Sechs weitere Geschäftsleitungsmitglieder hatten Ende 2009 Kredite ausstehend – in der Höhe von durchschnittlich 2 Millionen Franken. Grundsätzlich kann es sich dabei um Lombard- oder um Hypothekarkredite handeln.

Auch die UBS vergibt Kredite an Mitglieder der Konzernleitung. Ende 2009 waren Kredite von total 15,3 Millionen Franken ausstehend. Der höchste Betrag entfällt auf Jürg Zeltner, Chef des Wealth Management: Ihm gewährte die Bank einen Kredit von 5,8 Millionen Franken.

Weniger transparent als die beiden Grossbanken CS und UBS sind die nächstgrösseren Institute: Die Raiffeisenbank und die Zürcher Kantonalbank (ZKB) weisen einzig die Gesamtsumme der Kredite an die Geschäftsleitung aus (20,1 bzw. 12,7 Millionen Franken). Sie nennen aber «aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes» keine Namen.

Kredite an Mitarbeiter sind auf allen Stufen beliebt – und nehmen zu. Bei Raiffeisen beanspruche jeder dritte Angestellte einen Kredit, so Medienchef Franz Würth. Die Konditionen sind gut. «Die Mitarbeitenden profitieren bei den variablen Hypotheken von einem um 1 Prozent reduzierten Satz.» Auch bei den Fest- und Libor-Hypotheken gebe es Vergünstigungen.

Aus purer Nächstenliebe geschieht das nicht, die Angestellten seien auch «eine interessante Kundengruppe», sagt etwa CS-Sprecher Marc Dosch. «Für die Bank sind die Kosten gedeckt und es gibt eine kleine Marge.» Da CS wie auch UBS auf dem Hypothekenmarkt nicht zu den aggressivsten Banken gehören, kommt es jedoch vor, dass ihre Mitarbeiter sich bei anderen Banken verschulden – weil diese auch ohne Mitarbeiterrabatt die tiefsten Zinsen offerieren.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!