Herr Weber, die grossen Themen am WEF 2013 waren Europa und Schuldenkrise. Die Stimmung unter den Teilnehmern war überraschend positiv. Sind Sie auch so optimistisch?
Wenn man ein Jahr zurück denkt, dann gibt es heute mehr Gründe positiv gestimmt zu sein. Wir haben meines Erachtens die Talsohle der globalen Wachstumsdelle durchschritten. Amerika wächst wieder stärker und grosse Teile Asiens, inklusive China, entwickeln sich mit hoher Dynamik weiter. Die Weltwirtschaft nimmt also die ersten Schritte in Richtung Erholung. Aber es wird eine schleppende und fragile Erholung sein. Während die Notenbanken mit einer extrem expansiven Geldpolitik zu einer Stabilisierung beigetragen haben indem sie Zeit kauften, so bleiben doch viele der strukturellen Grundprobleme ungelöst. Diese müssen jetzt angegangen werden. In Europa stehen Wahlen in Italien und Deutschland an, die richtungsweisend für die notwendigen Reformvorhaben sind, Frankreich hat erste Reformen beschlossen aber noch nicht umgesetzt und die Refinanzierungsposition von Spanien wird im Fokus bleiben. In den USA kommt schon bald die erneute Diskussion und Entscheidung über die Anhebung der Schuldengrenze – ein Vorhaben, dass mit strukturellen Veränderungen verbunden werden sollte. Und in Asien muss China es schaffen seinen Binnenmarkt entscheidend zu stärken. Wir haben also noch einiges an Wegstrecke vor uns.

Was sind ihre Erwartungen für das Jahr 2013?
Die Weltwirtschaft steht wie gesagt vor einer verhaltenen Erholung. Die USA sind 2012 mit 2.3% gewachsen. Dieses Jahr dürften es 2.6% sein und rund 3% in 2014. Auch in China verstärkt sich das Wachstum wieder, von 7.6% auf etwa 8,5%, aber eben nicht die 9% bis 10% der Vergangenheit. Positiv daran ist aber, dass dieses Wachstum nachhaltigerer wird, weil es weniger exportgetrieben und stärker binnenwirtschaftlich gestützt ist. Andere Schwellenländer wachsen ebenfalls dynamischer. Dies werden die Wachstumspole der Welt sein. Japan wird mit knapp unter 2% ebenfalls etwas mehr wachsen als die 1,3% des letzten Jahres. Die Eurozone ist das Schlusslicht. Sie wird nach der Kontraktion von rund -0,4% im letzten auch in diesem Jahr kaum wachsen - eine Seitwärtsbewegung ist wahrscheinlich.

Und die Schweiz?
Die Schweiz wird dieses und nächstes Jahr mit knapp über ein Prozent wachsen. Hier macht sich die Schwäche der Absatzmärkte bemerkbar, insbesondere der EU, wohin 60% der Schweizer Exporte gehen. Die Untergrenze des Franken zum Euro hat über das vergangene Jahr gehalten, trotz einiger Herausforderungen. Wenn sie jetzt weniger Bindewirkung entfaltet, ist das ein willkommenes Entspannungszeichen. Daran sollte man jetzt nicht rütteln.

Was wären die Konsequenzen, wenn die Schweiz die Minder-Initiative annehmen würde?
Das muss das Schweizer Volk selbst sorgsam abwägen und entscheiden.

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