Digitalisierung, Offshoring – Büroarbeiter müssen ob dieser globalen Megatrends um ihre Arbeitsplätze fürchten. Kürzlich errechnete eine Studie des Kaufmännischen Verbands: Zwischen 30 000 und 100 000 Stellen könnten aus der Schweiz ins Ausland verlagert werden. Im schlimmsten Fall müsste also jeder sechste Bürobeschäftigte sich einen neuen Job suchen. Bereits werden Vorschläge diskutiert, wie die Arbeitnehmer fit gemacht werden sollen für die neue digitale Arbeitswelt.

In dieser Debatte ging ein entscheidender Punkt bislang jedoch unter: Klassische Bürojobs sind heute in der Schweiz vorwiegend eine Sache von Frauen. Eine Analyse des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB) liefert die Fakten. Frauen machen sage und schreibe 78 Prozent aus von allen kaufmännischen Angestellten mit einer Lehre als höchstem Abschluss.

Kommt hinzu: Von den Frauen in Bürojobs sind aktuell fast 60 Prozent im Alter von 40 Jahren und älter. Das war Mitte der Neunzigerjahre noch anders: Jüngere Frauen waren in den Schweizer Büros stärker vertreten. Viele kamen wohl in früheren Rationalisierungswellen schon um ihren Arbeitsplatz. Hingegen konnten ihre älteren Kolleginnen damals dem Rotstift noch eher entgehen.

Immergleiche Forderungen
Unter dem Strich bedeutet dies: «Es wird vor allem für Frauen im Alter von 40 und älter zum Problem, wenn in Schweizer Büros tatsächlich weiter rationalisiert wird oder der Stellenabbau sich gar beschleunigt», sagt SGB-Chefökonom Daniel Lampart. Die Schweizer Öffentlichkeit sei sich dieser Tatsachen bislang jedoch kaum bewusst. «Dabei sind diese Fakten absolut entscheidend, wenn wir unsere Büroangestellten besser auf die Digitalisierung vorbereiten wollen.»

Ausbildung, Weiterbildung! Danach rufen die meisten Politiker, um der Digitalisierung zu begegnen. Doch damit ist es nach Ansicht von Lampart nicht getan. «Mit einer besseren Grundausbildung helfen wir jenen Frauen nicht, die bereits lange im Erwerbsleben sind.» Zur Weiterbildung wiederum sei vielen Frauen der Zugang versperrt. «Neben dem üblichen Beruf und Familie bleibt ihnen nicht genügend Zeit, und ihre Unternehmen unterstützen sie nicht genug.» Hier müsse man dringend ansetzen. Auch brauche es für langjährige, ältere Mitarbeiter einen besseren Kündigungsschutz.

Untergangs-Propheten
Die Digitalisierung zu vernachlässigen, empfiehlt sich nicht. Dennoch gilt auch: Der eine oder andere Akteur will mit aufsehenerregenden Prognosen bloss Services oder Bücher verkaufen. Nicht von ungefähr liegen viele dieser Propheten genial daneben. So verkündete der Landeschef eines grossen Beratungsunternehmens einst: «Assistenzen, Sekretärinnen sind vorbei; sie werden in fünf, sechs Jahren durch Avatare ersetzt.» Das war im Jahr 2010. Heute, im Jahr 2016, hat es in der Schweiz noch immer Hunderttausende von Büroarbeitskräften.

Die Schweiz hat einige Digitalisierungswellen überstanden. Die Investitionen in Software und Datenbanken steigen seit Jahrzehnten laufend an. Der ständige Abbau von Büroberufen ist seit den Neunzigerjahren eine Tatsache. Dies wurde bislang durch den Aufbau anderer Jobs aufgefangen. Die Arbeitslosigkeit hält sich auf recht tiefem Niveau. Dennoch warnt Lampart: «Es gibt immer Verlierer dieser Trends, die wir nicht im Stich lassen können.»

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