Die Zuwanderungsinitiative der SVP führt zu einem Umdenken unter den Arbeitgebern. Weil sich der bereits heute bestehende Fachkräftemangel mit der Umsetzung der neuen Verfassungsbestimmung weiter verschärfen wird, suchen sie nach Wegen, wie ältere Menschen länger im Arbeitsprozess gehalten sowie vermehrt Frauen und Junge für Industrieberufe gewonnen werden können.

Der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrieverband Swissmem arbeitet zurzeit an einem ganzen Bündel an Massnahmen, die am 20. August der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Ein grosses Potenzial sieht Präsident Hans Hess bei der älteren Generation. Er sagt: «Die Frühpensionierung ist ein Instrument der Vergangenheit. Sie ist altersdiskriminierend und führt bei den Unternehmen zu einem Know-how-Verlust.»

Statt ältere Mitarbeiter auf die Strasse zu stellen und nur die jüngeren zu fördern, sollten die Firmen auch ihre 45- bis 60-jährigen Mitarbeiter weiterbilden, sagt Hess. Zudem brauche es flexiblere Arbeitsmodelle für die Älteren, etwa Altersteilzeit oder eine Anstellung als Berater mit reduziertem Pensum. Dadurch könnten erfahrene Mitarbeiter länger im Arbeitsprozess gehalten werden.

Das Winterthurer Industrieunternehmen Burckhardt Compression beispielsweise bietet allen, die in Pension gehen, einen Pensioniertenvertrag an. Bei Bedarf werden sie für vorübergehende Einsätze angefragt. Finanzielle Anreize für Frühpensionierungen hat die Firma gestoppt. «Die Frühpensionierung ist ein Auslaufmodell», sagt Verwaltungsratspräsident Valentin Vogt, der auch als Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes amtet.

Tatsächlich ist das unausgeschöpfte inländische Arbeitskräftepotenzial bei der älteren Generation am grössten. Von den 55- bis 64-Jährigen haben nur 71 Prozent eine Erwerbstätigkeit, bei den über 65-Jährigen sind es 11 Prozent. Besonders tief ist die Erwerbstätigenquote bei den Frauen, speziell bei jenen mit einem ausländischen Pass. In der Industrie beispielsweise beträgt der Frauenanteil nur 17 Prozent.

Gerade die Frauen könnten den Fachkräftemangel lindern, sagte diese Woche Lukas Gähwiler, Schweiz-Chef der Grossbank UBS. Dafür müssten aber mehr Vollzeit arbeiten. Heute sind 88 Prozent der Frauen berufstätig, aber nur 40 Prozent arbeiten Vollzeit.

Gespannt darf man deshalb sein, welche Vorschläge Swissmem am 20. August zur Frauenförderung vorlegt. Möglicherweise geht sie in die Richtung vorbildlicher Unternehmen wie der ABB, bei der die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bereits heute einen hohen Stellenwert hat. Sie betreibt an ihren Hauptstandorten in den Kantonen Aargau und Zürich 15 Kinderkrippen und zwei Horte, in denen 240 Mitarbeitende rund 950 Kinder betreuen.

Ein Problem hat die Industrie aber auch bei den Jungen. Der Maschinenbau und die Elektro- und Metallindustrie können 5 bis 7 Prozent ihrer Lehrstellen nicht mehr besetzen. Dieses Problem wird sich in den kommenden Jahren verschärfen, weil die Zahl der Volksschulabgänger abnimmt. Swissmem will nun die Werbung für die technischen und industriellen Berufe verstärken.

Zusammen mit dem Bund und den Fachhochschulen Zürich und Ostschweiz arbeitet der Verband zudem an einem neuen, praxisorientierten Studiengang, der den Zugang von Maturanden zur Fachhochschule verbessern soll. Heute müssen sie zuerst ein einjähriges Praktikum machen, um auf den gleichen Stand zu kommen wie die Lehrabgänger. Neu können sie die Praxiserfahrungen während eines um ein Jahr verlängerten Bachelor-Studiums nachholen. Ab 2015 sollen alle Fachhochschulen solche Studiengänge anbieten können, aber nur in jenen technischen und naturwissenschaftlichen Bereichen, wo ein ausgewiesener Fachkräftemangel besteht.

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