Hunderttausenden Schweizer Beschäftigten blüht nicht nur eine Lohn-Nullrunde («Der Sonntag» vom 10. Juli). Etliche Firmen planen sogar Lohnsenkungen. Das bestätigt Hans Hess, Präsident des grössten Industrieverbandes Swissmem. «Ich weiss, dass sich vereinzelte Unternehmen heute diese Option überlegen. Wir werden in den nächsten Monaten wohl von verschiedenen Unternehmen hören, dass sie die Löhne kürzen wollen, namentlich in der Exportindustrie. Wenn damit Stellen gerettet werden können, ist das eine der möglichen Massnahmen.»

Nicht nur die Industrie, sondern auch Dienstleistungsfirmen denken an Lohnsenkungen. Das sagt Dominik Marbet, Sprecher des Arbeitgeberverbands Basel. «Bei uns haben mehrere exportorientierte Unternehmen angefragt, wie sie bei einer Kürzung von Löhnen und Lohnnebenleistungen oder der Streichung des 13.Monatslohns vorgehen müssen.» Darunter seien auch grössere Firmen mit bis zu 500 Mitarbeitern.

Erste konkrete Beispiele sind bereits bekannt geworden: So hat die Emmentaler Verpackungsfirma Mopac im Februar die Löhne ihrer 260 Angestellten um 10Prozent gekürzt. Und im Tessin planen fast alle Bekleidungshersteller eine Senkung der Löhne um rund 13 Prozent. Betroffen sind rund 2000 Mitarbeiter, darunter jene des Wäscheherstellers Zimmerli und des Luxusmodeanbieters Akris. Die Lage sei dramatisch, begründet Akris-Chef Peter Kriemler. «Jetzt geht es nicht nur um ein paar Lohnprozente, sondern um die Zukunft des Industriestandorts Schweiz.»

Nebst Arbeitgeberpräsident Valentin Vogt zeigt auch der Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands, Hans-Ulrich Bigler, Verständnis für Lohnsenkungen. «Wenn Firmen wegen der Euro-Krise Verluste schreiben, kann es durchaus eine Variante sein, den Lohn bei gleicher Arbeitszeit zu kürzen.» Diese Massnahme müsse aber befristet und mit den Sozialpartnern abgesprochen sein.

Rechtlich gesehen bedingt eine Lohnkürzung in jedem Fall eine Änderungskündigung – es sei denn, der Mitarbeiter ist damit einverstanden. Kürzt eine Firma einem Grossteil ihrer Mitarbeiter den Lohn, gilt das als Massenentlassung. Dann muss sie das dem kantonalen Arbeitsamt melden – und bei Bestehen eines Gesamtarbeitsvertrags auch den Gewerkschaften.

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