Geld gewann gegen Tradition. Als Thiago Silva, Innenverteidiger des Fussballclubs Paris SG, am Mittwochabend in London in der 114. Spielminute zum 2:2 gegen den FC Chelsea ausglich, sicherte er dem von der Qatar Sports Investment finanzierten Verein den Einzug in den Champions-League-Viertelfinal. Der Klub mit einem Umsatz von 505 Millionen Franken gewann über den britischen Verein mit 100 Millionen Franken Umsatz weniger.

Fussball ist die ökonomisch bedeutendste Sportart der Welt. Im Jahr 2013 wurden weltweit über 34 Milliarden Franken umgesetzt; mehr als mit den sieben wichtigsten US-Sportarten wie Eishockey, American Football oder Basketball zusammen. Das zeigt eine neue Studie der Beratungsfirma A. T. Kearney. Zwischen 2009 und 2013 wuchsen die Erlöse um durchschnittlich 9 Prozent pro Jahr. Bis 2017 erwarten die Autoren ein jährliches Wachstum von 5 Prozent.

Diese Einschätzung erfolgte noch vor dem Paukenschlag in der finanzstärksten Fussball-Liga der Welt, der englischen Premier League. Vor wenigen Wochen wurden Details zum neuen britischen Fernseh-Deal bekannt. Auf über 2,5 Milliarden Franken summieren sich die Gelder, die ab 2016 allein aus TV-Erlösen jährlich ins Fussball-System der Insel gespült werden. Um 71 Prozent konnte die Liga die Erlöse steigern.

«In der Premier League gab es einen Bieterwettbewerb», sagt Helmut Dietl, auf Sportökonomie spezialisierter Wirtschafts-Professor an der Universität Zürich. Die verschiedenen Anbieter hätten sich gegenseitig hochgeschaukelt. Dies sei auch die Erklärung, weshalb etwa die deutsche Bundesliga weniger Geld mit TV-Rechten erwirtschafte. Dort habe es bei den letzten Verhandlungen keinen zweiten starken Pay-TV-Sender gegeben, weshalb der Bieterwettbewerb gar nicht erst entstanden sei. Ausserdem sei die Position der Premier League in Asien stärker.

In der Schweiz fällt vergleichsweise wenig Geld für den Fussball ab. Bis 2017 gilt ein Vertrag mit dem Pay-TV-Anbieter Cinetrade. Gut 30 Millionen Franken erhält die Liga so jedes Jahr. Zu wenig, findet Ancillo Canepa. «Der Marktwert liegt meines Erachtens bei rund 50 Millionen Franken», sagt der Präsident des FC Zürich. Ein neuer Vertrag müsse «zweifellos» angemessen angepasst werden. Im Vergleich zum Ausland spiegle der Vertrag den Wert der Liga nicht. «Auch kleinere Länder wie Dänemark oder Belgien zahlen bedeutend mehr», sagt er.

Die Schweiz habe das Problem, dass ihr TV-Markt sehr klein sei, sagt Helmut Dietl. Es gebe in der Schweiz mehr Konkurrenz durch andere Sportarten wie Eishockey. Und: Hierzulande könnten ausländische, hochstehende Fussball-Ligen relativ einfach konsumiert werden. «Die Frage ist, ob und mit welchen finanziellen Einsätzen Cablecom und Cinetrade gegeneinander antreten und ob es auch hierzulande neue Bieter wie Online-Portale geben wird», sagt Dietl mit Blick auf einen zukünftigen Vertrag.

Es sei müssig, sich über den aktuellen Zustand auszulassen, sagt Bernhard Heusler, Präsident des FC Basel. Emotionslos lasse sich feststellen, dass die Liga «Luft nach oben habe». Damit sei aber das viel grundsätzlichere Problem eines «gewissen Wahrnehmungsdefizits» des Profifussballs in der Schweiz angesprochen. Es sei nur logisch, dass sich dies in der medialen Bewertung niederschlage.

Auch Alain Kappeler, CEO der Young Boys, verweist auf die höheren Erlöse in ähnlich grossen Märkten wie Österreich. «Die Frage wird sein, ob mit einem neuen Vertrag auch neue Anbieter in den Markt drücken», sagt er. Wenn beispielsweise Medienhäuser Interesse am Schweizer Fussball zeigten oder wenn es gelänge, neue Produkte für Online-Portale erfolgreich zu vermarkten, dann könnten auch die Erlöse in der Schweiz steigen. Das sei das Ziel aller Beteiligten in der Liga.

Im Vergleich zur Premier League wird der Schweizer Fussball aber weiterhin ein Schattendasein fristen müssen. «Das TV-Geld des Titelgewinners der Super League verhält sich in einem Verhältnis von rund 1 zu 100 gegenüber der Summe, die der Absteiger aus der Premier League kassiert», sagt FCB-Präsident Heusler. «Wir sprechen also genau gesagt nicht von anderen Welten, sondern von anderen Hemisphären.»

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