Mit dem Zug durch die Schweiz zu reisen, ist nur mit den SBB möglich. Auf den Linien des Fernverkehrs haben die Bundesbahnen eine Monopol-Stellung. Das könnte sich ändern. Ende Jahr werden die meisten Konzessionen für den Fernverkehr neu vergeben. Bekannt ist, dass die Schweizerische Südostbahn (SOB) in den Ring steigt und die Gotthard-Bergstrecke und Teile des Angebots zwischen Zürich und St. Gallen und weiter nach Chur betreiben möchte. Die SOB verspricht Kosteneneinsparungen und eine bessere Erschliessung als es die SBB heute bieten.

Nun erwächst den SBB auch in einem anderen Teil der Schweiz Konkurrenz, wie Recherchen zeigen. Die zweitgrösste Bahngesellschaft der Schweiz, die Berner BLS, interessiert sich ebenfalls für Fernverkehrskonzessionen. Gegen aussen tritt die Bahn im Gegensatz zur Ostschweizer Konkurrentin SOB zurückhaltend auf und lässt sich nicht in die Karten blicken. Der Fernverkehr sei «ein interessantes Geschäftsmodell», sagt Sprecherin Helene Soltermann nur. Gemäss Insidern dürfte sich die Bahn vor allem für den Betrieb von Fernverkehrszügen zwischen Interlaken, Bern und Biel interessieren – eine der meist befahrenen Linien mit viel Pendler- und Touristenverkehr. Bestätigt wird das nicht. «Falls es für die BLS interessante Lösungsansätze gibt, werden wir die sicher näher prüfen», sagt Sprecherin Soltermann. Entschieden sei nichts. Zu konkreten Linien nehme man keine Stellung.

Fakt ist: Seit Oktober führt das Bundesamt für Verkehr (BAV) «aufgrund der Differenzen zwischen den drei Bahnen SBB, SOB und BLS Workshops durch» und versucht, «eine Konsenslösung herbeizuführen», wie Sprecher Andreas Windlinger sagt. Die Arbeiten verliefen «konstruktiv und in guter Atmosphäre». Die Zeit drängt, wenn die Konzessionen pünktlich auf Ende Jahr neu vergeben werden sollen. Ein Entscheid, wer in Zukunft welche Strecken betreiben darf, sollte im Frühling fallen.

Weitere Konkurrenz könnte den SBB auf der Strasse erwachsen. Das Zürcher Busunternehmen Domo Reisen will drei Fernbus-Linien innerhalb der Schweiz betreiben. Ein schneller Entscheid ist hier aber nicht zu erwarten. Das BAV hat zusätzliche Unterlagen eingefordert und geht davon aus, dass es ab Zeitpunkt des Eintreffens mindestens drei Monate bis zu einem Entscheid braucht. Wahrscheinlich ist zudem, dass der Bund erst eine Auslegeordnung zu Fernbussen machen will und den SBB damit zumindest die Konkurrenz auf der Strasse für eine Weile vom Leib hält.

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