AKTIONÄRSWILLEN MISSACHTET

Die UBS liess ihr Salärsystem 2009 von Finanzaufsicht und Generalversammlung als

vorbildlich absegnen. Dann packte sie noch ein Aktienbonus-Programm obendrauf und beschleunigte die Auszahlung.
VON YVES CARPY

«Weiter haben wir als erstes Finanzinstitut der Welt ein völlig neues Kompensationsmodell entwickelt, über das Sie heute konsultativ abstimmen können», pries der zurücktretende UBS-Präsident Peter Kurer das neue Vergütungsmodell an. Zuvor hatte die Finanzmarktaufsichtsbehörden die Bonusanreize für die UBS-Angestellten als Mitverursacher für den Vorjahresverlust von 22 Milliarden Franken identifiziert.

In der Einladung zur Generalversammlung vom 15. April 2009 hielt die UBS-Leitung fest, sie habe die neuen Vergütungsgrundsätze mit der Finma besprochen. Diese pries Kaspar Villiger in seiner Antrittsrede als neuer Verwaltungsratspräsident als Innovation: «Die UBS hat als meines Wissens weltweit einzige Grossbank ihre Salärstruktur für die obersten Kader unter wissenschaftlicher Begleitung im Sinne nachhaltiger Anreize überarbeitet.»

Die Aktionäre stimmten dem neuen Vergütungsmodell für die obersten UBS-Führungskräfte ab 2009 mit 88 Prozent der Stimmen zu. Seither hat die UBS ihre Bonus-Programme aber aus- und umgebaut. An der GV haben die Aktionäre einer Aufteilung des Salärs in drei namentlich angeführte Elemente zugestimmt, einen Fixlohn und zwei variablen Lohnanteile: Der Bar-Anteil sollte im Rahmen eines «Cash Balance»-Plans über drei Jahre zu je einem Drittel ausbezahlt werden. Und das ebenfalls gestaffelte Aktienbeteiligungsprogramm «Performance Equity Plan» (PEP). Dem druckfrischen Geschäftsbericht 2009 entnimmt man jetzt, dass die Konzernleitungsmitglieder in den Genuss eines zusätzlichen Aktienbonus kommen. Das Programm heisst «Incentive Performance Plan» (IPP).

«Die Anpassungen innerhalb der Lohnbestandteile sind konsistent mit den Grundsätzen, über welche die
Aktionäre 2009 abgestimmt haben», beschwichtigt UBS-Sprecher Christoph G.Meier. «Die Grundsätze des Vergütungsmodells sind die gleichen wie letztes Jahr.» Das stimmt so nicht: Rühmte sich die UBS zuvor, dass sie ihre variable Vergütung nach dem ökonomischen, sprich risikobereinigten Gewinn ausrichtet, so orientiert sich die Belohnung mittels IPP-Aktien ausschliesslich am Börsenkurs der UBS-Aktie.

Zudem pries die UBS im Vorfeld der Abstimmung an der GV ihr Bonus-Malus-System: Folgt ein Verlustjahr, verlieren die Manager ihre Bonus-Ansprüche aus dem Vorjahr. Bei grossem Erfolg kann sich die Zahl der im Rahmen des PEP-Programms in Aussicht gestellten Aktien auch verdoppeln. Das zusätzliche IPP-Programm kennt hingegen keinen Malus. Die Zahl der Aktien verdreifacht sich im besten Fall sogar. Die Haltefrist wurde dafür auf fünf Jahre verlängert.

Neu wird die Barkomponente im ersten Jahr auch gleich zu bis 60 Prozent ausbezahlt. Und nur je 20 Prozent stehen in den Folgejahren noch im Risiko.

AufSeiten der Aktionärsaktivisten ist man empört: «Nach der Abstimmung das Kompensationsmodell ändern – das geht nicht!», ärgert sich Actares-Geschäftsführer Roby Tschopp: «Deshalb sind wir auch gegen die Wiederwahl von Kaspar Villiger als Präsidenten.» Bei der Anlagestiftung Ethos hat man noch keinen Beschluss gefasst: «Das hat uns auch erstaunt, dass sich das System von einem Jahr aufs andere geändert hat», meint Ethos-Direktor Dominique Biedermann stirnrunzelnd.

«Juristisch ist der VR nicht an Konsultativabstimmungen gebunden», sagt Peter V. Kunz, Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Bern. «Aber es würde dem VR gut anstehen, wenn er im Vergütungsbericht wenigstens darauf aufmerksam machen und begründen würde, warum er von der Abstimmung abweicht. Sonst wird die GV zur quantité négligeable.»

Seitdem die UBS die Wandelanleihe vom Bund zurückgekauft hat, letzten Herbst, hat die Finma der Bank in Sachen Bonus-Modell nichts mehr vorzuschreiben. So bleibt die Glaubwürdigkeit das Hauptproblem der UBS.

«Nach der Abstimmung das Kompensationsmodell ändern - das geht nicht!»
Roby Tschopp, Chef Actares

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