Wer in die Ferien reist, kann entweder ein Hotel buchen – oder auf Airbnb.com eine günstige Wohnung suchen. Das Internetportal aus den USA hat sich innert kurzer Zeit einen Namen gemacht und ist ein ernsthafter Konkurrent der traditionellen Hotellerie geworden. Auf Airbnb kann jedermann seine Wohnung, sein Zimmer oder sein Sofa für Reisende zur Verfügung stellen und einen beliebigen Preis verlangen, der in der Regel günstiger ist als jener von Hotels.

Dieser Zusatzverdienst privater Gastgeber ist den Hoteliers ein Dorn im Auge. «Wir müssen dieses Thema auf nationaler Ebene angehen», sagt Thomas Allemann, Geschäftsleitungsmitglied von Hotelleriesuisse. Diese Woche hat der Verband ein Schreiben an zehn Behörden und Verbände versandt, mit dem Ziel, einen runden Tisch einzuberufen. Angeschrieben wurden die kantonale Justiz- und Polizeidirektorenkonferenz, die kantonale Finanzdirektorenkonferenz, die eidgenössische Steuerverwaltung, der eidgenössische Datenschutzbeauftragte, der Hauseigentümerverband, der Städteverband und der Schweizerische Verband der Immobilienwirtschaft.

«Wir fordern gleich lange Spiesse», sagt Allemann. Firmen wie Airbnb würden in einem Graubereich arbeiten, der weder der Untermiete noch der Hotellerie zuzuordnen sei. So darf eine Untermiete nicht missbräuchlich sein. Sprich, der Mieter darf mit der Weitervermietung seiner Wohnung keinen Gewinn erzielen. Geht man aber von Übernachtungspreisen von 50 oder 100 Franken aus, ist die eigene Monatsmiete hochgerechnet schnell erwirtschaftet.

Ein Hotel ist die Privatwohnung aber auch nicht. Und deswegen fallen zahlreiche behördliche Auflagen, Taxen und Gebühren nicht an, welche die Rechnung der echten Hotelbetriebe belasten. Die Umsätze der privaten Gastgeber werden steuerlich nicht erfasst, sie bezahlen keine Mehrwertsteuer, keine Tourismustaxen, und sie müssen die strengen Hygiene- und Feuerpolizeivorschriften nicht berücksichtigen. «Es ist auch eine Sicherheitsfrage», sagt Jörg Arnold, Chef des Hotels Storchen und Präsident des Zürcher Hoteliers-Vereins. «Schliesslich müssen wir jeden Gast beim Einchecken der Polizei melden.»

Das Bundesamt für Wohnungswesen ist alarmiert: «Bei Anbietern wie Airbnb stellen sich rechtlich sehr viele Fragen», sagt Rechtsleiter Cipriano Alvarez. «Das Ganze ist nicht problemlos. Wir beobachten die Entwicklung aufmerksam und werden prüfen, ob ein gesetzlicher Handlungsbedarf besteht, sei es im Mietrecht oder in der Mietverordnung.» Es sei auch möglich, dass man die neue Mietform von Grund auf neu regeln müsse. Alvarez verweist auf andere Länder wie Frankreich und England, die wegen Airbnb bereits aktiv wurden und rechtliche Anpassungen in die Wege geleitet haben. Heftige Diskussionen sind laut Alvarez vor allem in New York und Kalifornien in Gang, wo Airbnb-Mitglieder zum Teil nachträglich verpflichtet wurden, Hotelgebühren zu entrichten. In Italien versuche man sogar, den Dienst ganz zu verbieten, sagt Alvarez. Sorge bereitet dem Bundesamt für Wohnungswesen zudem, dass durch die Airbnb-Untervermietung die angespannte Wohnungssituation noch mehr unter Druck gerät und die Preise somit tendenziell steigen.

Eine neue Analyse der Tourismusberatungsfirma Kohl & Partner zeigt den ökonomischen Effekt von Airbnb. Sie geht von rund 80 000 Übernachtungen und 8 Millionen Franken Umsatz pro Jahr aus, die Airbnb allein in Zürich generiert und den Hotels entgehen. Diese Studie dient Hotelleriesuisse als Grundlage beim Vorpreschen bei den Behörden und Verbänden. Die Studie kommt zum Schluss, dass nicht nur die Hotels leer ausgehen. So würden beispielsweise Zürich Tourismus City-Taxen in der Höhe von 200 000 Franken wegfallen.

Laut Thomas Allemann von Hotelleriesuisse nutzen zunehmend auch professionelle Anbieter Airbnb, um ihre möblierten Apartments oder Zimmer zu vermieten. Noch seien die 8 Millionen Franken Umsatz in Zürich im Vergleich zum gesamtschweizerischen Hotellerie-Umsatz von 9 Milliarden Franken wenig. Doch das könne sich rasch ändern. «In Barcelona gibt es auf Airbnb mittlerweile mehr Betten von Privaten als von Hotels. Das Ganze ist explodiert.» Früher habe man neue Buchungsportale wie Booking.com auch belächelt, und heute würden sie den Markt beherrschen. «Im Ausland hat Airbnb ein beängstigendes Ausmass erreicht. Darum möchten wir frühzeitig reagieren.» Airbnb-Angebote gibt es in 34 000 Städten und 192 Ländern.

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