Die US-Website Airbnb hat sich innerhalb kurzer Zeit zum grössten Schreck der Hoteliers entwickelt. Erst 2008 wurde die Firma für die private Wohnungsvermittlung gegründet. Seither verzeichnete sie weltweit über 35 Millionen Übernachtungen – davon 20 Millionen allein im letzten Jahr. Bei jeder Buchung verdient Airbnb prozentual mit. Auf der Plattform sind über 1 Million Unterkünfte in 190 Ländern im Angebot – von kleinen Zimmern über Luxusapartments bis hin zu Hausbooten und Baumhäusern. Vor allem in grösseren Städten haben sich die privaten Gästezimmer als Hotel-Alternative etabliert.

Diese Woche trat Airbnb-Europachef Christopher Cederskog am World Tourism Forum in Luzern auf. Der «Schweiz am Sonntag» verriet der 33-Jährige die neue Wachstumsstrategie für die Schweiz. Man führe derzeit verschiedene Gespräche mit Gemeinden und Tourismusorganisationen in Ski- und Wandergebieten. Oft kämen die Regionen auch von selbst auf Airbnb zu. «Da gibt es viele Privatunterkünfte, die seit Jahren dort stehen und die Airbnb als zusätzlichen Vertriebskanal nutzen könnte, um mehr Gäste in die Region zu holen», sagt Cederskog. Man wolle in der Kommunikation zusammenarbeiten.

Vorstellbar sei, dass die Gemeinden den Ferienhausbesitzern das Airbnb-Modell erklären und schmackhaft machen. «Und wir liefern ihnen Materialien, die die Vorteile für Gastgeber und Gäste aufzeigen.» Auch Gespräche mit der Dachorganisation Schweiz Tourismus sind laut Cederskog geplant. Mit welchen Orten man in Kontakt ist, will Cederskog allerdings nicht verraten, «auch weil es für uns ein Pilotprojekt ist». Im Sommer oder Frühherbst könne er mehr sagen.

Laut Cederskog hat sich Airbnb bisher zu wenig um die Schweiz gekümmert und sich auf die Mundpropagandaverlassen. Man zähle zwar 7400 Inserate, am meisten in Zürich, Genf, Lausanne, Basel und Bern. Und 2014 hätten über 135 000 Gäste in einer Schweizer Airbnb-Wohnung übernachtet. Doch verglichen mit dem Ausland habe die Schweiz noch Potenzial.

Im Fokus stünden vorerst nicht die grossen Namen, sagt der Europa-Chef. Tatsächlich bestätigen Feriengebiete wie Zermatt, Gstaad und St. Moritz, von Airbnb bisher nicht kontaktiert worden zu sein. Interessiert wären aber auch sie. «Wir sind offen gegenüber sämtlichen Angeboten, die den Vertrieb steigern», sagt Roberto Rivola von der Tourismusorganisation Engadin St. Moritz. «Eine Zusammenarbeit können wir uns vorstellen.» Bereits heute seien rund 100 Engadiner Wohnungsinhaber auf Airbnb aktiv. Auch Daniel Luggen, Kurdirektor von Zermatt, steht einer Kooperation offen gegenüber. Und Kerstin Sonnekalb von Gstaad Saanenland Tourismus sagt: «Wenn die Konditionen für beide Seiten passen, stünde einer Zusammenarbeit nichts im Weg.»

Bei Schweiz Tourismus verschliesst man sich Airbnb nicht. Diese neue Form des Unterkunftsangebots entspreche einem Trend und sei beim Verband ein Thema, sagt Sprecherin Daniela Bär. Eine Kooperation mit Airbnb könne möglich und sinnvoll sein, allerdings nur «wenn für Airbnb die gleichen Vorgaben und Rahmenbedingungen gelten wie für die anderen kommerziellen Anbieter.»

Damit unterstützt Schweiz Tourismus das Anliegen des Branchenverbands Hotelleriesuisse. Anfangs hatte dieser Airbnb lauthals kritisiert. Inzwischen ist er zurückgekrebst und sieht Airbnb als «sinnvolle Ergänzung des touristischen Angebots». So könnten zum Beispiel bei Grossanlässen fehlende Bettkapazitäten kompensiert werden, sagt Geschäftsleitungsmitglied Thomas Allemann. Hotelleriesuisse verlange aber gleich lange Spiesse für alle Marktteilnehmer. Schliesslich müssten Hotels strenge und teure Sicherheitsvorschriften erfüllen und Kurtaxen entrichten «Wir fordern nicht primär mehr Regulierung, sondern könnten uns auch eine Deregulierung für die Hotellerie vorstellen.»

Da die Anbieter auf Airbnb nur schwer erfassbar seien, wäre eine engere Zusammenarbeit mit Airbnb wünschenswert, sagt Allemann. «Nur so kann es gelingen, diese Anbieter aus der Schattenwirtschaft in einen wettbewerbskonformen Rahmen zu bringen.» Er schlägt ein zentrales Inkasso der Kurtaxen und Meldesystem der Airbnb-Teilnehmer vor. Der Bundesrat hat für Herbst einen Bericht angekündigt, der zeigen soll, ob Regulierungen für Airbnb nötig sind. Bern ist dem Bundesrat allerdings bereits im Sommer zuvorgekommen. Als erste Stadt hat sie ein Gesetz eingeführt, das auch private Zimmeranbieter zur Kurtaxen-Abgabe verpflichtet.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper