Ulrich Spiesshofer, der neue Chef des Elektrokonzerns ABB, erhält einen deutlich geringeren Lohn als sein Vorgänger Joe Hogan. Das kündigte er diese Woche am Rand eines ABB-Medienanlasses in New York an. Gegenüber der «Schweiz am Sonntag» sagte Spiesshofer über sein neues Gehalt: «Es wird eine verantwortliche Höhe sein, verantwortlich gegenüber dem Unternehmen, verantwortlich gegenüber der Schweiz. Das habe ich mit dem Verwaltungsrat besprochen.»

Wie viel er verdienen wird, will Spiesshofer, der sein Amt Mitte September angetreten hat, erst bei der Veröffentlichung der Jahresbilanz am 14. Februar bekannt geben. Aber: «Ich werde Sie mit einer Mitteilung überraschen.» Das deutet darauf hin, dass ABB eine eigentliche Trendwende beim Lohn des Konzernchefs vollzieht. Sie will nicht mehr als Firma auftreten, die in der Rangliste der Topbezüge ganz zuoberst platziert ist.

Spiesshofers Vorgänger Joe Hogan war der bestverdienende Industriekapitän der Schweiz ausserhalb der Pharmabranche. Er erhielt im letzten Jahr 10,2 Millionen Franken, davon 2 Millionen als Grundgehalt, 3,3 Millionen als Bonus und 4,1 Millionen in Form von Aktien.

Kaum im Amt, hatte Hogan im Frühling 2009 intern und extern für Verstimmung gesorgt, nachdem bekannt geworden war, dass er ein Begrüssungsgeld von 13 Millionen Franken erhielt. Zur Begründung hiess es, damit würden finanzielle Ansprüche ausgeglichen, die ihm durch den Weggang bei seinem vorherigen Arbeitgeber General Electric entgangen seien. Für die ersten vier Monate Arbeit gab es zudem 6 Millionen Franken. Dies führte zu Empörung bei den Mitarbeitern, weil der Konzern gleichzeitig auf die Sparbremse drückte. Die ansonsten eher zahme Schweizer Angestelltenvereinigung der ABB gab beim ersten Treffen des europäischen Betriebsrates mit Hogan einen Protest ab.

Sein Nachfolger Ulrich Spiesshofer will sich bescheidener geben. Das habe nichts mit der bevorstehenden Abstimmung über die 1:12-Initiative zu tun. Vielmehr gehe es ihm um seine gesellschaftliche Verantwortung, sagt der Doktor der Wirtschaftswissenschaften, der schon mal mit der S-Bahn von seinem Wohnort Zollikon zum Konzernhauptsitz in Oerlikon fährt. «Wir brauchen mehr Eigenverantwortung», begründet er die neue Bescheidenheit bei ABB.

Einiges nüchterner tönt eine zweite Begründung, die aus dem Hauptsitz von ABB verlautet: Spiesshofer kann als Interner nicht plötzlich das Mehrfache seines bisherigen Lohns verdienen. Im vergangenen Jahr erhielt der 49-Jährige, der bisher die Automationssparte von ABB leitete, eine Gesamtvergütung von 4,5 Millionen Franken, davon 866 000 als Grundlohn, 962 000 als Bonus und 2,3 Millionen in Form von Aktien. In der Konzernzentrale heisst es, es sei undenkbar, dass dieses Gehalt sich auf einen Schlag verdopple.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper