Er ist eben 29 Jahre alt geworden und hat bereits zwei Unternehmen gegründet. Oder auch drei, wenn man die Firma dazuzählt, die er als Teenager im Toggenburg startete. Damals, als Sekschüler, hatte Jeremias Meier die Idee, Soundanlagen für Schülerdiscos zu vermieten. Er kam darauf, weil die etablierten Verleiher viel zu teuer waren und die Musiksysteme der Schulen nichts hergaben. Also nahm er einen Kredit auf, kaufte günstiges DJ-Equipment zusammen und tingelte von Schule zu Schule.

Später, während seines Studiums an der Universität St. Gallen, gründete Jeremias Meier eine IT-Beratungsfirma, die es heute noch gibt. Für diese Firma suchte er nach einer einfachen Software-Lösung, mit der er Buchhaltung, Zeiterfassung, Kundenverwaltung und das Rechnungswesen erledigen konnte. Weil ihn kein Angebot überzeugte, entwickelten er und seine Kollegen eine eigene Softwarelösung. Daraus entstand später eine eigenständige Firma. Im Dezember 2013 gründete Meier mit seinen Partnern Stefan Brunner und Marcel Lenz die Firma Easysys.

Bereits ein Jahr später zählt das Start-up 22 Mitarbeiter. Easysys mit Sitz im sankt-gallischen Rapperswil hat sich auf Geschäftssoftware für Kleinunternehmen spezialisiert. Die Software ist vollständig internetbasiert und wird im Unterschied zu herkömmlichen Programmpaketen als Dienst angeboten. Das heisst: Statt einer Lizenzgebühr zahlt der Kunde eine monatliche Gebühr. Das Basisangebot kostet 29 Franken pro Monat.

CEO Jeremias Meier sagt, die etablierten Softwareunternehmen hätten den Markt für Kleinunternehmen vernachlässigt. Die Standard-Softwarelösungen seien zu teuer und zielten an den Bedürfnissen von Kleinbetrieben vorbei. Deshalb würden die meisten Mini-KMUs heute noch so arbeiten wie vor 30 Jahren. Sie schlagen sich mit Excel-Vorlagen und viel Papierkram herum, was teure Rechnungen von Treuhändern zur Folge hat. «Mit Easysys verbringen unsere Kunden weniger Zeit im Büro und können sich mehr um ihre eigentliche Arbeit kümmern», sagt Meier. Früher musste ein Kleinunternehmer abends oder am Wochenende nochmals schnell ins Büro, wenn er eine dringende Offerte verschicken musste. Jetzt kann er das bequem im Sofa mit dem iPad tun.

Die Entwicklung der Software bezeichnet Meier nicht als die grösste Herausforderung. Selbst ein Feature programmieren, das es erlaubt, mit dem Handy einen Einzahlungsschein zu fotografieren und automatisch eine Überweisung auszulosen, sei ein Klacks im Vergleich zum Marketing, das mehr Hirnschmalz erfordere. «Wir haben uns den Kopf darüber zerbrochen, wie Interessierte auf der Website mit wenigen Klicks einen Testzugang eröffnen und innerhalb von Minuten eine erste Rechnung verschicken können.» Das klingt einfach, doch die Firma pröbelt und optimiert intensiv daran, diesen Prozess ständig zu perfektionieren. Eine intuitiv einfache Bedienung hat zudem den Vorteil, dass die Kunden kaum den kostenlos angebotenen Support in Anspruch nehmen müssen, was die Kosten tief hält.

Derzeit kommen täglich bis zu 70 neue Kunden hinzu, sagt Meier. Im Januar 2015 waren es insgesamt 1500 Neukunden – Tendenz stark steigend. Das Wachstum verschlingt Geld. Diese Woche hat das Start-up eine zweite Finanzierungsrunde über 4,5 Millionen Franken abgeschlossen -- eine Seltenheit in der Schweizer Softwarebranche. Die Armada Investment Group von Daniel Aegerter sowie der Schweizer Private-Equity-Fonds Redalpine schossen das frische Kapital ein. Aegerter ist in der Schweiz ein bekannter Investor in Jungunternehmer. Er machte ein Vermögen in den USA, als er vor dem Platzen der Tech-Blase eine Firma für mehrere hundert Millionen Dollar verkaufte.

Die Finanzierungsrunde organisiert hat Easysys-Verwaltungsratspräsident und Internetpionier Martin Altorfer, der ebenfalls in Easysys investiert ist. Es war auch Altorfer, der Peter Schüpbach in den Verwaltungsrat holte. Dieser war Gründer des grandios gescheiterten Langenthaler Softwareunternehmens Miracle. Später machte sich Schüpbach einen Namen als Investor bei sozialen Netzwerken wie Xing oder StudiVZ. Martin Altorfer wiederum gründete in den 1990er-Jahren einen der ersten Schweizer Internet-Service-Provider, den er während des Dotcom-Hypes für viel Geld verkaufte.

Mit dem frischen Kapital soll das Wachstum vorangetrieben werden. Meier plant, die Zahl der Mitarbeiter bis Ende Jahr auf 40 bis 50 Leute zu verdoppeln. Das Potenzial sei enorm. Allein in der Schweiz gäbe es 500 000 potenzielle Anwender. Easysys ist bereits in Deutschland präsent, wo die Kundenzahl ebenfalls schnell wächst. Der Markteinstieg in Österreich steht auf der Agenda. Im gesamten deutschsprachigen Raum kommt Meier auf 7 Millionen Kleinunternehmer, die Easysys-Kunden werden könnten.

Klar, inzwischen haben auch andere Firmen ein Auge auf diesen Markt geworfen. In der Schweiz arbeitet die Post an einer Business-Lösung für Kleinunternehmer. Ebenfalls Pläne verfolgen Telekommunikationsanbieter, die Banken oder der Geschäfts-Software-Anbieter Sage. Eine gewisse Nervosität scheint inzwischen den Schweizer Platzhirsch für Businesssoftware, die St. Galler Abacus, erfasst zu haben. Der kleinen Easysys gelang es nämlich, einen wichtigen Kadermann abzuwerben.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper