«WIR SOLLTEN DEN 3 PROZENT REICHSTEN SORGE TRAGEN» </B >

Nach der Swissfirst-Affäre tauchte Banker Thomas Matter ab. Als Gegner der SP-Steuerinitiative meldet er sich nun zurück in der Öffentlichkeit. Er kündigt ein politisches Engagement an.

VON YVES CARPY

Herr Matter, warum engagieren Sie sich gegen die SteuergerechtigkeitsInitiative?
Weil ich mir als Staatsbürger und als Vertreter von Schweizer Unternehmern grosse Sorge mache über die Zukunft unseres Landes.

Machen Sie sich vor allem um Ihre eigene Steuerrechnung Sorge? Die «Bilanz» listet Sie unter den 300 reichsten Schweizern mit einem Vermögen von 100 bis 200 Millionen auf.
Nein, ich wäre persönlich nicht von der Annahme der Initiative betroffen. Meine Vermögens- und Einkommenssteuer in meinem Wohnort Meilen ist höher als der geforderte Mindestsatz.

Betreiben die Initiativ-Gegner nicht Angstmacherei?
Nein. Diese Initiative ist der Tod für den Steuerwettbewerb. Dieser ist einer der wichtigsten Grundpfeiler unseres Erfolgs. Er spornt Gemeinden, Kantone und den Bund an, effizient zu arbeiten.

Was steht genau auf dem Spiel?
Das Erfolgsmodell Schweiz: Unsere Vorfahren haben ein Land ohne Rohstoffvorkommen und Meeranschluss von einem Armenhaus zu einem der wohlhabendsten Länder der Welt entwickelt. Sie haben das geschafft, indem sie hart gearbeitet haben und sich kompromisslos zum freien Markt bekannten. Die Schweiz hat diesen Wohlstand erarbeitet, auch wegen der guten Rahmenbedingungen.

Wieso ist das so klar?
Nehmen Sie die Mehrwertsteuer als Beispiel für eine schweizweit harmonisierte Steuer. Sie hat keine Konkurrenz und geht nur hoch. Hätte jeder Kanton seine eigene Mehrwertsteuer, läge sie in einigen sicherlich unter den 8 Prozent, die wir nächstes Jahr schon zahlen, um die Invalidenversicherung zu sanieren.

Vom Steuerwettbewerb profitieren nur die Topverdiener.
Stimmt, er ist primär auf die oberen Einkommen und Vermögen ausgerichtet. Aber die unteren Einkommen profitieren mit. Der Zürcher Steuerpflichtige mit einem steuerbaren Einkommen von 250000 Franken zahlt heute 50 Prozent mehr Steuern, als wenn er in der Stadt Zug wohnen würde. Das gilt aber in diesen beiden Kantonen ebenso für jemanden, der nur 50000 Franken verdient.

Können ein paar Superreiche nicht auch etwas mehr Steuern zahlen?
Wenn es stimmt, was der Basler Soziologieprofessor Ueli Mäder in seiner neuen Reichtumsstudie schreibt: Dass 3 Prozent der Steuerzahler so viel Steuern zahlen wie die restlichen 97 Prozent – dann ist das der Beweis, dass die Umverteilung von oben nach unten heute schon in grossem Mass stattfindet. Ich rate, diesen 3 Prozent Sorge zu tragen.

Laut Initianten betrifft die Steuererhöhung mit der Initiative weniger als 1 Prozent der Steuerzahler...
Es ist eine sehr emotionale Abstimmung: Die Jungsozialisten hängen Plakate mit nackten Managern auf und suggerieren, mit einem Ja an der Urne wische man den Abzockern eins aus. Viele Stimmbürger haben aber noch nicht realisiert, dass sie damit den 330000 KMU und dem Mittelstand in unserem Land schaden. Und die paar hundert, die es treffen soll, Topmanager bei den 20 Topfirmen, haben sowieso die Möglichkeit, sich frei zu bewegen und ihren Steuersitz ins Ausland zu verlegen.

Die Initiative birgt Gefahren für KMU?
Wenn eine Schreinerei 200000 Franken Gewinn schreibt und über einen kleinen Maschinenpark verfügt, ist sie rasch einmal 2 Millionen Franken wert. Der Inhaber zahlt Gewinn- und Kapitalsteuern im Unternehmen sowie Einkommens- und Vermögenssteuern. Steigt die Vermögenssteuer auf 0,5 Prozent, muss er sich je nach Kanton 40 bis 100 Prozent mehr auszahlen, um diese plus die zusätzlichen Einkommensteuern zahlen zu können.

Für welche Unternehmer ist das ein Problem?
Das wird zum Problem für die Unternehmer, die den Gewinn reinvestieren und damit auch Arbeitsplätze schaffen wollen. Diejenigen, welche keinen Gewinn ausweisen können, bezahlen trotzdem Vermögenssteuern. Dies könnte unter Umständen für das betreffende Unternehmen schwerwiegende Folgen haben.

Wohin würden denn die Firmen abwandern? Die Situation ist im Ausland doch viel schlechter.
Das stimmt so pauschal nicht: Deutschland kennt etwa keine Vermögenssteuer. In Frankreich zahlt der Unternehmer auf den betriebsnotwendigen Mitteln keine Steuer. Das heisst, der normale KMU-Unternehmer würde in Frankreich auf seinem Firmenvermögen nicht besteuert. Die Schweiz ist übrigens eines der wenigen Länder in der OECD, in denen die Unternehmer den Firmenwert privat versteuern müssen.

Welches Signal senden wir damit in die Welt aus?
Wir hätten die absurde Situation, dass wir eine Steuererhöhung durchziehen, obwohl die Kantone kein Geld brauchen. Das gabs noch nie.

Werden Sie sich künftig noch mehr politisch engagieren?
Das will ich nicht ausschliessen. Ich war als Bürger schon immer politisch interessiert.

Wollen Sie für den Nationalrat kandidieren?
Das schliesse ich nicht aus. Aber momentan habe ich andere Prioritäten.

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