SCHWEIZ-CHEF BAUT TRANSFERFLOP

Die UBS wildert gern bei der Credit Suisse. Jetzt platzt ein wichtiger Personaltransfer in letzter Sekunde. Für Schweiz-Chef Lukas Gähwiler ist das peinlich.

VON BEAT SCHMID

Lukas Gähwiler, Schweiz-Chef der UBS, erlitt diese Woche eine erste Niederlage. Er hatte sich persönlich dafür eingesetzt, dass ein weiterer CS-Manager zur UBS wechselt. Der neue Topmann, E. W., sollte im Bereich Wealth Management & Swiss Bank den Posten des Chief Risk Officers übernehmen. Er hätte Joe Rickenbacher ablösen sollen, der Ende Jahr in Pension geht. Ein Risikomanager ist dafür da, dass die Bank sich keinen unverhältnismässigen Gefahren aussetzt. Unter anderem wacht er über die Vergabe von Hypotheken und Geschäftskrediten.

Alles war geregelt, intern wurde der Wechsel bereits kommuniziert. Und nun wird aus der Berufung doch nichts. Wie «Der Sonntag» erfahren hat, verschickte die Bank Anfang Woche ein internes Memo, indem die Belegschaft orientiert wurde, dass E.W. «aus persönlichen Gründen» den Posten nicht annehme. UBS-Pressechef Peter Hartmeier bestätigt den Rückzieher. Weiter ins Detail will
er nicht gehen.

Topmann E.W. war während Jahren unter Lukas Gähwiler bei der CS im Risiko-Management-Team tätig. Nach dem Wechsel Gähwilers zur UBS im März aspirierte er zunächst für die verwaiste Stelle. Er kam jedoch nicht zum Zug. Da E. W. und Gähwiler befreundet sind, lag ein Wechsel zur Konkurrenzbank im Bereich des Wahrscheinlichen.

Dass der Transfer nun in letzter Sekunde platzte, sorgt unter Bankern für Erstaunen. Gemäss einer verlässlichen Quelle kündigte E.W. bei der Credit Suisse und verliess das Unternehmen kurz darauf – er wurde freigestellt, wie das bei Banken üblich ist. Doch vor seiner Freistellung hatte er sich vertrauliche Informationen gesichert. Die Credit Suisse merkte dies und reagierte. Wartenweiler und die Bank befinden sich seither im Rechtsstreit.

Nach diesen Vorkommnissen musste die UBS auf die Einstellung des Bankers verzichten. Credit Suisse, UBS und E.W. wollen sich zu den Vorgängen nicht äussern. Die UBS muss nun innert weniger Wochen einen neuen Risikochef suchen. Die Bank zeigt sich optimistisch, die Vakanz fristgerecht besetzen zu können.

Bereits in den letzten Monaten sind mehrere CS-Banker zur UBS gestossen. Im Oktober wurde bekannt, dass Christian Wiesendanger zur UBS wechselt, wo er die Leitung des Schweizer Geschäfts mit den vermögenden Privatkunden übernimmt. Er ersetzte Stefan Bodmer, der nach 23-jähriger Firmenzugehörigkeit das Unternehmen verlässt. Ebenfalls im Oktober wechselten mit Sabine Keller-Busse und Marianne Johnson zwei Kaderfrauen die Seiten.

Zuvor hatte UBS-Chef Oswald Grübel mit Ulrich Körner, dem heutigen Chef der Zentralen Dienste (COO), einen seiner früheren Gefolgsmänner bei der CS in die Konzernleitung geholt. Grübel, der bis 2007 die CS geleitet hatte, war im Februar 2009 Chief Executive Director der UBS geworden.

Hinter vorgehaltener Hand zeigen sich Vertreter der Credit Suisse zunehmen genervt über die zahlreichen Abgänge zur Konkurrenz. Ob der Wechsel von E. W. das Fass nun zum Überlaufen brachte? Aus dem Umfeld E. W. heisst es, dass die Credit Suisse ihm Steine in den Weg gelegt und übermässig hart reagiert habe.

Für Lukas Gähwiler ist die ganze Angelegenheit äusserst peinlich. Diese Woche gab es einen weiteren Flop. In einem «Handelszeitung»-Interview sagte er, dass er bei seinem «Antritt sehr überrascht war, in welchem Zustand die Bank war». Und er verglich die UBS-Beschäftigten mit Kindern: «Wenn ein Kind einmal lügt, wenn es ein zweites Mal lügt – irgendwann glaubt man ihm nicht mehr.»

Selten gab ein Interview so viel zu reden in der Branche. Dass er kein gutes Wort über die alte UBS verlor, kam bei vielen Mitarbeitern sehr schlecht an. Gähwiler muss nun noch härter um Akzeptanz bei seinen rund 23000 Mitarbeitern in der Schweiz kämpfen.

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