Andy Rihs (73) und sein Bruder Hans-Ueli (71) machen keinen Hehl aus ihrer wahren Passion: Radsport. Trotzdem rutschen sie in den Fussball. 2005, wenige Monate vor der Eröffnung des neuen Stadions, steigen sie als Aktionäre des Stade de Suisse ein. Das Engagement der damaligen Phonak-Bosse ist weniger eine emotionale als eine rationale Entscheidung. Andy Rihs spricht von «Business». Freilich verbunden mit Emotionen. Aber weniger in Bezug auf Fussball. «Vielleicht ist das Stade de Suisse ja mal Zielort einer Tour-de-France-Etappe», sagt Andy Rihs im März 2005. Eben erst ist sein Traum in Erfüllung gegangen.

Zeit für den YB-Exit? Meldungen in diese Richtung kursieren immer wieder. Mal soll Andy Rihs die verdutzten Mitinvestoren vor die Entscheidung gestellt haben: «Entweder ihr kauft mein 20-Prozent-Paket oder ich kaufe eure Aktien.» Weil keiner der Aktionäre seinen Anteil aufstocken kann oder will, zahlt Rihs mit seinem Bruder die anderen Aktionäre aus. Das war 2008. Ein anderes Mal soll er mit dem Energieunternehmen BKW und der Versicherungsgesellschaft Mobiliar über einen Verkauf des Stadions und der Young Boys verhandelt haben. Doch diese waren nur am Stadion interessiert.

Der fehlende Erfolg befeuert die Ausstiegs-Gerüchte. Dabei muss man wissen, dass 70 bis 80 Prozent des Stadion-Umsatzes mit Fussball generiert werden. YB ist nie Meister geworden, nie in die Champions League eingezogen. So resultierte meist ein Verlust, der in einzelnen Fällen durch Spielerverkäufe kompensiert werden konnte. Andy Rihs sagte im Juli dem «Tages-Anzeiger»: «Bei YB liegt der Break-even bei 48 Millionen Franken. Und wenn wir nur 40 umsetzen, dann fehlen 8 Millionen. Darum fahren wir aktuell die Payroll herunter.»

Der reiche Onkel aus den USA
Das jüngste Gerücht: Die Brüder Rihs wollen YB und das Stadion an einen Amerikaner verkaufen. Frage an ein Mitglied der YB-Chefetage: Stimmt das? «Das Gerücht stimmt so sehr, wie es auch nicht stimmt. Die Rihs-Brüder wollen das Stadion, aber nicht YB verkaufen.» Das Stadion bedeute Arbeit, doch am Sport hätten sie immer noch grosse Freude. Aber auch Frust. Andy Rihs im «Tages-Anzeiger»: «Es kann dich furchtbar aufregen, wenn die da ein bisschen herumbömbelen und du denkst, die bringen es fertig, 27-mal am Tor vorbeizuschiessen. Das macht mich richtig ranzig, da kann ich ausrufen: ‹Gaats no, spinned die! Der verdient so viel Geld und leistet nichts!» Beim Radsport passiert das kaum.»

Und wer sind die Interessenten für das Stadion? Tatsächlich ein Amerikaner? «Das denke ich nicht. Als Interessenten kommen eher Versicherungen oder Banken infrage», sagt der Mann aus der YB-Chefetage, der anonym bleiben will. Das Stadion sei zwar nicht super rentabel. Aber immerhin eine solide Kapitalanlage. Und das in Zeiten von Negativzinsen.

Nur: Was ist YB ohne Stadion? Ein Klub, der sein wertvollstes Asset verkauft hat und ausserdem drei bis fünf Millionen Franken Miete pro Jahr bezahlen muss. Der Abstand zum Rivalen aus Basel würde weiter wachsen.

Bleibt die Frage nach dem Preisschild. Insider glauben, dass die Rihs-Brüder ab 120 Millionen Franken Gesprächsbereitschaft signalisieren. Ein stolzer Betrag. Rückblende: 37 Millionen Franken, rechnete die «Bilanz», sollen die Rihs-Brüder für die Aktien der Sport und Event Holding – die Muttergesellschaft von Stadion und Fussballklub – bezahlt haben.

Rihs: Verhandlungsbereit
Und was sagt Andy Rihs? «Wir suchen nicht aktiv nach einem Käufer. Aber wenn der Preis stimmt, sind wir verhandlungsbereit. Aber wenn wir verkaufen, dann nicht nur das Stadion, sondern auch den Fussballklub», sagte er gestern auf Anfrage.

Eine Käufer-Spur führt auf die Ferieninsel Mallorca. Im Januar übernahm der US-Banker Robert Sarver zusammen mit der Basketball-Legende Steve Nash und dem früheren Tennisprofi Andy Kohlberg für 20 Millionen Euro den lokalen Fussballklub. Davor bemühten sich die Eigentümer des NBA-Basketballteams der Phoenix Suns erfolglos um die Übernahme der Glasgow Rangers und von Espanyol Barcelona. Als Geschäftsführer von RCD Mallorca wird Maheta Molango eingesetzt. Der 33-jährige Jurist, Vater aus dem Kongo, Mutter aus Italien, ist in Saint-Imier im Berner Jura aufgewachsen und hat einst vom FC Biel aus den Sprung zu Atlético Madrid geschafft, wo er bei den Profis aber nie zum Einsatz gekommen ist.

Molango macht auf einem Golfplatz auf Mallorca die Bekanntschaft mit Leuten aus dem YB-Verwaltungsrat. Was an Rihs erinnert, der einst beim Golfen über Ferdi Kübler Stade-de-Suisse-Aktionär Benno Oertig kennen gelernt hat. Der Rest der Geschichte ist bekannt.

Zurück in die Gegenwart. Auf Mallorca ist man ernüchtert. Zwei Punkte nach drei Spielen in der zweiten spanischen Liga. Dabei träumte man vom Aufstieg in die Primera Division – dank der amerikanischen Finanzspritze. Doch die Amerikaner streben den Erfolg nicht mit Geld, sondern mit Geist an. Trotzdem wird auf der Insel darüber spekuliert, ob die Amerikaner die Lust an Mallorca bereits verloren hätten und sich nach einem anderen Klub – also YB? – umschauen würden.

«Die Besitzer sehen Mallorca als langfristiges Projekt», sagt Molango. «Es ist unwahrscheinlich, dass sie noch einen weiteren Klub übernehmen wollen.»

Doch die Luftbrücke zwischen Bern und Mallorca steht. Beide Parteien bestätigen eine Annäherung, ja gar den Willen zu einer dauerhaften Kooperation. Erstes Resultat dieser Liaison: Kasim Adams Nuhu, ein 21-jähriger Verteidiger, der vor wenigen Tagen leihweise nach Bern gewechselt ist. Nur: Nuhu war bei Mallorca kein Stammspieler und wird die Young Boys nur quantitativ, aber nicht qualitativ verstärken. Allein deshalb muss man aus sportlicher Sicht ein Fragzeichen hinter diese Kooperation setzen. Oder steckt am Ende doch mehr hinter der Idee – sprich zwei Klubs unter amerikanischer Flagge?

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