Von Sebastian Wendel

«Das wird am Mittwoch ein ganz anderes Spiel. Wir geben alles, dass der Traum vom Achtelfinal wahr wird», sagt Captain Marco Streller.

Es läuft die 40. Minute. Am Mittelkreis liefern sich die Basler Geoffroy Serey Die und Mohamed Elneny ein heftiges Wortgefecht. Dass ausgerechnet der sonst so scheue und ruhige Ägypter zum Hitzkopf wird und Serey Die die Leviten liest, zeigt auf, wie schlecht es dem FC Basel in dieser Phase des Spiels geht. Vier Minuten zuvor hat Izet Hajrovic aus dem Nichts und nach einem schlimmen Fehlpass von Fabian Schär die Gäste in Führung gebracht. Keine zwingende Führung. Aber eben auch kein Rückstand, über den sich die Basler in diesem Moment beschweren konnten. Sie haben in der ersten Halbzeit nur eine Torchance, als der Ball Valentin Stocker zufällig vor die Füsse fällt. Ansonsten ist es ein hilfloses Anrennen gegen ein GC, das in den St. Jakob-Park gereist ist mit der Maxime, kein Tor zu kassieren und vorne den lieben Gott entscheiden zu lassen.

Eine Stunde später klatschen Elneny und Serey Die ab. Es scheint so, dass sich die beiden wieder lieb haben. Nicht, weil der FCB in der zweiten Halbzeit viel klarer war in seinen Aktionen. Es blieb vieles Stückwerk. Aber das unermüdliche Anrennen wurde belohnt mit dem Ausgleich. In der 93. Minute, in der mit dem Mut der Verzweiflung sogar Goalie Yann Sommer im GC-Strafraum auftauchte.

Der Torschütze hiess Giovanni Sio – ausgerechnet Giovanni Sio. Der Ivorer sorgte bereits im Champions-League-Heimspiel gegen Steaua Bukarest für den Ausgleich in letzter Minute. Und gestern traf er, nachdem er während über 90 Minuten kein Land sah gegen Milan Vilotic und Michael Dingsdag. Das Tor, so Sio, sei mehr als verdient gewesen. «Mein Job ist es nun mal, Tore zu machen – egal wann. Ich habe jedenfalls immer dran geglaubt, dass wir noch den Ausgleich schaffen. Das gibt uns jetzt viel Moral für den kommenden Mittwoch.»

Womit wir beim Spiel des Jahres gegen Schalke 04 wären. Dem FC Basel genügt in Gelsenkirchen ein Unentschieden für den Einzug in die Achtelfinals der Champions League. Es wäre das zweite Mal in der Klubgeschichte, dass sich Rot-Blau zu den besten 16 Teams des Kontinents zählen darf. «Diese Ausgangslage haben wir uns hart erarbeitet. Wir geben alles dafür, dass der Traum wahr wird», sagt Marco Streller. Der Captain nahm gestern zu Beginn auf der Ersatzbank Platz, weil ihn seit Mitte der Woche Probleme im Leistenbereich plagen. «Das war eine Vorsichtsmassnahme und so mit dem Trainer abgesprochen. Ich werde gegen Schalke spielen.» Es gelte nun, die Partie gegen die Grasshoppers schnellstmöglich hinter sich zu lassen. «Die Champions League ist etwas ganz anderes. Die Vorfreude und die Moral für dieses Spiel wären genauso gross gewesen, wenn wir gegen GC verloren hätten.»

Auch Streller ist nicht entgangen, dass Schalke derzeit in einer Krise steckt (siehe nächste Seite). «Zudem müssen sie offensiv spielen, was wiederum Räume gibt für unsere schnellen Spieler», sagt der 32-Jährige. «Das kann zu unserem grossen Trumpf werden.» Streller kennt aus seiner Zeit in Stuttgart die heutigen Schalker Horst Heldt (Sportchef) und Timo Hildebrand (Goalie) und hat den Kontakt zu den beiden bis heute aufrechterhalten. Gesprochen hat er mit ihnen aber nicht in den letzten Tagen. «Da geht es für beide Mannschaften um viel zu viel. Und sie sind momentan sicher genug mit sich selber beschäftigt.»

Auch Trainer Murat Yakin richtete den Fokus sofort auf den Mittwoch. «Wichtig ist, dass wir gut regenerieren und die Köpfe freibekommen.» Für ein intensives Training reicht dem FCB, der am Dienstag die Reise nach Deutschland antritt, schlichtweg die Zeit nicht aus. «Die Spieler haben in der Vergangenheit gezeigt, dass sie auch ohne Trainings sehr flexibel sind.» Eines steht für Yakin fest: «Wir werden gegen Schalke auf Sieg spielen – etwas anderes kann ich von meiner Mannschaft nicht verlangen.»

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