Erinnern Sie sich an den 24. Mai 2009? Es ist der Tag, als der FC Zürich zum letzten Mal Meister wurde. Auch dank dem 4:1 von GC gegen den FC Basel. Es war auch die letzte Saison von Christian Gross als FCB-Trainer.

Seither gilt in der Super League das Gesetz: Am Ende ist der FC Basel Meister. Rot-Blau ist der Konkurrenz sportlich und wirtschaftlich längst entrückt. Gesucht ist deshalb ein Rivale, der den FCB dauerhaft fordern kann.

In Tagen, wo die Erwartungshaltung rund um den St. Jakob-Park immer grösser wird, selbst Champions-League-Spiele nicht ausverkauft sind, würde davon auch der FCB selbst profitieren. Präsident Bernhard Heusler sagt: «Natürlich mag ich Niederlagen nicht, aber sie sind Emotionsgeneratoren.»

Rückschläge können das Interesse neu entfachen. Wenn Siege nicht mehr normal sind, steigt die Spannung. Heusler denkt auch ans Merchandising: «Am besten läuft es dann, wenn man sich von einem Rivalen abheben muss.» Er denkt an Bayern gegen Dortmund oder an Barça gegen Real. «Diese Rivalität tut den Vereinen gut.»

Die letzte echte sportliche Rivalität über Jahre auf Schweizer Plätzen war jene zwischen dem FCB und dem FCZ unter Lucien Favre. Zwischen 2005 und 2009 errangen die Zürcher drei Meistertitel.

Heusler weist mit Recht darauf hin, dass der FCB selten im Schongang zum Titelgewinn gelangte (2012 war die Ausnahme). Nur wechselten die Herausforderer ständig (2010: YB. 2011: FCZ. 2012: Luzern. 2013: GC).

Wenn heute GC und YB aufeinander treffen, ist das auch das Duell der beiden Teams, die derzeit das grösste Potenzial haben, um dem FCB gefährlich zu werden.

Wer Zürcher und Berner durchleuchtet, erkennt aber auch: Beiden Organisationen fehlt Entscheidendes. Interessant ist auch, dass sie sich gegenseitig ziemlich gut ergänzen würden. Eine Mischung zwischen GC und YB ergäbe den «Super-Rivalen», der Basel gefährlich werden könnte.

Niemand weiss das besser als Uli Forte. In der letzten Saison war er einer der Gründe für den GC-Aufschwung. Weil er dachte, besser könne es nicht werden, wechselte er Ende Saison zu YB. «Meine Hauptaufgabe ist es, jene Stabilität zu YB zu bringen, die heute die grösste Stärke von GC ist», sagt er.

Die «Schweiz am Sonntag» charakterisiert diesen Super-Rivalen anhand von je drei Aspekten, die derzeit GC und YB auszeichnen.

Die Stabilität von GC
Den Anstoss zur Rundum-Erneuerung des GC-Teams lieferte Uli Forte. Er baute eine Achse, welche die Grundlage für den Cupsieg und den Vize-Meistertitel bildete. Bürki im Tor, Grichting und Vilotic als Innenverteidiger, davor sorgt der Chef, Vero Salatic, für Ordnung und Ruhe im Spiel. GC kam dabei auch zugute, dass es von Verletzungen in der Verteidigung weitestgehend verschont blieb. Bei YB ist das anders. Zwar betont Sportchef Fredy Bickel den Wert der Leader Wölfli, von Bergen und Spycher. Durch Verletzungen (Sutter, Veskovac, Rochat) und Transfers (Zverotic) waren zuletzt in der Verteidigung stets Umstellungen nötig. Der FCB-SuperRivale besitzt die Stabilität von GC.

Der Campus von GC
Die Trainingsgelände von GC mag ausserhalb der Stadt liegen. Die Infrastruktur befriedigt aber dafür auch die höchsten Ansprüche eines Trainers. YB muss froh sein, wenn es das Turnerstadion direkt neben dem Stade de Suisse regelmässiger für Trainings verwenden kann. Der FCB-Super-Rivale trainiert im GC-Campus.

Die Standards von GC
68,4% aller GC-Tore fielen nach Standardsituationen, 7 nach Freistössen, 4 nach Eckbällen und 2 dank Penaltys – Liga-Bestwert. Bei YB sind es nur 17,4% der Tore, 2 dank Penaltys und nur je eines nach Eckbällen und Freistössen. In Zeiten, wo Standardsituationen immer wichtiger werden, ist klar: Der FCB-Super-Rivale muss die Qualität der GC-Standards haben.

Das Breite Kader von YB
YB hat, gerade was die Offensive betrifft, jede Position mindestens doppelt besetzt. Und das, obwohl YB nicht europäisch spielt. Die Berner verkleinerten ihr Kader sogar. Das ist vor allem dann wertvoll, wenn Spieler wegen Verletzungen und Sperren fehlen – was bei YB zuletzt häufig vorkam. Der FCB-Super-Rivale hat die Kadergrösse von YB.

Das Stadion von YB
Seit Juli 2005 bestreitet YB seine Heimspiele im Stade de Suisse. Das fussballtaugliche Stadion fasst 31 783 Zuschauer und erfüllt alle Ansprüche an ein modernes Stadion. Ganz anders in Zürich. Am 22. September lehnte die Stadtzürcher Bevölkerung mit 50,8 Prozent Nein-Stimmen ein neues Stadion ab. Zurück auf Feld 1 heisst es damit wieder einmal. GC und der FCZ lancierten nun die Idee für ein Stadion, das jenem in Luzern ähnlich wäre. Es wäre keine Überraschung, wenn es erneut Verhinderer und Ignoranten aus der Kulturstadt Zürich gäbe, die das Projekt torpedieren. Insider gehen davon aus, dass GC in einem neuen Stadion rund drei Millionen Franken mehr Einnahmen generieren würde. Der FCB-Super-Rivale hat seine Heimat im Berner Stade de Suisse.

Das Geld von YB
Wenn YB darbt, öffnen die Milliardäre Andy und Hans-Ueli Rihs ihre Schatulle. So war das in letzter Zeit (der Verlust im Kalenderjahr 2012 soll mehr als 10 Millionen Franken betragen haben). Und so wird das auch in nächster Zeit sein – die Investoren brauchen den Fussball als Aushängeschild, damit das Stade de Suisse einmal rentabel wird. Der FCB-Super-Rivale braucht Mäzene wie die Rihs-Brüder, um zu bestehen.

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