Von Peter Ruch

Es fehlen gleich zwei Teams auf der anspruchsvollen Strecke in Austin im Bundesstaat Texas: Marussia und Caterham. Dort hat jetzt ein Insolvenz-Verwalter das Sagen, beide Teams sind pleite. Und die Wahrscheinlichkeit, dass deren Autos in diesem Jahr noch einmal auf die Rennstrecke zurückkehren werden, ist sehr gering.

Doch es geht um weit mehr als nur die Geldsorgen von zwei kleinen Teams. Mit Ausnahme von Mercedes, McLaren, Ferrari und Red Bull sind auch alle anderen Formel-1-Rennställe in einen notorischen Kampf ums Überleben verstrickt. Sogar Williams, als einziges Team an der Börse kotiert und heuer mit bereits 216 Punkten auf dem dritten Rang der Konstrukteurswertung klassiert, musste kürzlich einen Verlust von 21 Millionen Euro für das erste Halbjahr beichten. Dass der Schweizer Rennstall Sauber auch dauernd ganz nah am Abgrund rechnet, ist mittlerweile bekannt, Lotus ist in einer ähnlichen Situation, Force India hat erst in den letzten Tagen die Rechnung für die Mercedes-Motoren bezahlt. Ohne die das Fahren im Kreis ja auch nur so mässig Freude macht.

Eigentlich wollte die Formel 1 ja günstiger werden, eigentlich war einmal die Rede davon, dass es eine Budget-Obergrenze geben soll. Doch daran hatten weder der grosse Zampano Bernie Ecclestone noch die reichen Teams ein Interesse – bis zu 400 Millionen Dollar oder sogar noch mehr geben Ferrari, Mercedes und Red Bull pro Jahr aus. Was kein grosses Problem ist: Mercedes sieht das Formel-1-Engagement als zum Kern der Marke gehörend, bei Red Bull geht es um reines Marketing, Ferrari kannte noch nie Finanzprobleme, weil dort die Zulieferer stark eingebunden sind und einen grossen Teil des Budgets tragen.

Die kleineren Teams müssen aber auch mindestens 120 Millionen aufbringen, sonst geht gar nichts mehr. Die neuen Motoren kosten rund 30 Millionen pro Jahr – mehr als das Doppelte wie in früheren Jahren. Chassis, Windkanal, Software schlagen auch je mit zweistelligen Millionenbeträgen zu Buche – und dann kommen noch die Gehälter dazu, für Fahrer und Mitarbeiter (mindestens 250 pro Team), die ganz Aufwendungen für die PR- und Medienarbeit. Und schliesslich auch noch die etwa 12 Millionen für die Reisekosten.

Das Problem ist, dass die kleineren Teams diese gewaltigen Beträge nicht mehr über Sponsorengelder decken können. Auch deshalb nicht, weil sich die grossen Firmen selbstverständlich lieber mit den grossen Teams verbandeln. Kleinen Rennställen wie Marussia und Caterham bleiben nur noch die Brosamen. Wen es als nächstes trifft, ist noch nicht klar, aber die Budgets für 2015 sind wohl bei vielen Teams noch nicht im Trockenen. Und neue Mitbewerber, die auf hohem Niveau, also mit genügend Geld im Rücken, antreten können, sind auch nicht in Aussicht. Erfolgsversprechend ist einzig das Projekt des Amerikaners Gene Haas, doch der will erst 2016 auf der höchsten Motorsport-Bühne auftreten.

Gemäss Vertrag mit den Formel-1-Veranstaltern wären Red Bull, Ferrari und McLaren verpflichtet, im nächsten Jahr mit drei Autos anzutreten, falls sich weniger als zehn Teams für die Saison 2015 anmelden. Doch das würde die kleineren Teams dann noch mehr benachteiligen, weil dann der Kampf um die vorderen Plätze (und damit bessere Sponsorenverträge) noch aussichtsloser werden würde. McLaren, ein Krösus unter den Teilnehmern, hat aber bereits angekündigt, den dritten Platz wohl an Mercedes abtreten zu wollen – auch deshalb, weil die Kosten für ein weiteres Fahrzeug zu hoch sind.

Die Formel 1 selber ist ansonsten ja so etwas wie eine Gelddruck-Maschine. Die Einnahmen von «Formula One Management» betragen pro Jahr rund 1,5 Milliarden Dollar – bei Kosten von etwa 300 Millionen. Von diesen 1,2 Milliarden Gewinn werden 50 Prozent an die Teams ausgeschüttet – allerdings nach einem ziemlich eigenartigen Schlüssel. Ferrari erhält einen Löwenanteil von rund 100 Millionen, Red Bull etwa 70, McLaren 60, Mercedes 15 und Williams 10. Das Weltmeister-Team kann noch einmal mit etwa 80 Millionen rechnen, das Zehntplatzierte mit etwas mehr als 10 Millionen. Marussia erhielt im vergangenen Jahr keinen Cent – wohl auch ein Grund, weshalb der Pleitegeier das Team jetzt erwischt hat.

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