Die Verantwortlichen der ZSC Lions wissen wenig bis nichts. Peter Spuhler, Besitzer der Stadler Rail und ZSC-Sponsor, will nichts sagen. Genau so wie Rolf Dörig, VR-Präsident der Swiss-Life-Gruppe und seit 2011 Verwaltungsrat der ZSC Lions. Und Walter Frey selbst? Konfrontiert mit den Recherchen, er plane gemäss mehreren Quellen seinen Rückzug als VR-Präsident der ZSC Lions, antwortet er zweideutig: «Auch aus guten Quellen kommt manchmal trübes Wasser», teilt Frey mit. Und: «Wenn es sich klärt, werden wir früh genug informieren.»

«Wenn es sich klärt»: Ein eindeutiger Hinweis darauf, dass Frey hinter den Kulissen seine Nachfolge bei den ZSC Lions orchestriert. Am 30. Juli wird er 70 Jahre alt. Ein guter Zeitpunkt, um kürzer zu treten. Drei voneinander unabhängige Quellen bestätigen das: zwei aus dem Zürcher Wirtschafts-Establishment und eine aus dem Eishockey-Milieu.

Vieles deutet darauf hin, dass Rolf Dörig der neue starke Mann bei den ZSC Lions wird. Es gibt zwei Versionen. Version eins: Dörig wird als neuer Verwaltungsrats-Präsident Freys direkter Nachfolger. Version zwei: Dörig gleist lediglich die Nachfolge um das ZSC-Erbe neu auf. Dörig gilt als Wirtschaftsmann mit hervorragenden Beziehungen in die gut betuchten Kreise Zürichs.

Vorläufig kein Interesse an der Übernahme des Erbes von Walter Frey hat der zweite mögliche Nachfolger: Peter Spuhler. Er ist zwar ehemaliger Eishockey-Spieler und treuer ZSC-Fan. Spuhler war aber als SVP-Nationalrat zurückgetreten, um sich mit voller Kraft seinem Unternehmen zu widmen. Mitte April verkündete Spuhler, dass er die Zahl der Angestellten von Stadler Rail von 960 um 60 reduzieren müsse. Keine gute Ausgangslage für ein verstärktes finanzielles Engagement beim ZSC.

Frey ist bei den ZSC Lions nicht einfach zu ersetzen. Gemäss Insidern investierte er jährlich bis zu fünf Millionen in den Klub: Zwei Millionen als Defizitgarantie beim National League A Klub ZSC Lions, gegen zwei Millionen für das Kader des National League B Klubs GCK Lions – und rund eine Million in Form von Sponsoring über die Emil Frey AG. Frey will die ZSC Lions nun breiter abstützen. Dörig hat offenbar den Auftrag erhalten, die fünf Millionen auf fünf grosse Geldgeber zu verteilen. Bereits vor einem Jahr fragte Dörig einen möglichen Sponsor aus Zürichs Wirtschaft an, ob er einsteigen wolle.

Selbst härteste sportliche Konkurrenten sprechen mit Hochachtung von Walter Frey. «Er ist ein Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle», sagt etwa Marc Lüthi, CEO des SC Bern, der 2012 2,5 Sekunden vor Schluss den Titel an die ZSC Lions verloren hat. Die Erfolgsgeschichte begann 1997 mit dem Zusammenschluss des ZSC mit der Eishockey-Sektion des Grasshopper-Club Zürich. Frey, Spuhler und Hans Peter Schwald, Vize der ZSC

Lions, waren die treibenden Kräfte hinter der Fusion. Sie sollte sich als Glücksfall erweisen: Der ZSC spielte zwar in der NLA, war aber von chronischen Geldsorgen geplagt. GC besass zwar die wirtschaftliche Potenz, dümpelte aber in der NLB. Die Fusion läutete eine neue Ära im Schweizer Hockey ein.

49 Teams mit 959 Spielern und Spielerinnen umfasst heute das Gebilde ZSC/GCK Lions, rechnet man die Partnerorganisationen des EHC Dübendorf und des EHC Urdorf dazu. «Was Spieler und Teams betrifft, sind die ZSC Lions damit die weltweit grösste Eishockey-Organisation geworden», sagt CEO Peter Zahner. Sie hat in Sachen Nachwuchsförderung unter Frey einen gewaltigen Sprung gemacht: Die Meistermannschaft der Saison 2000 hatte nur zwei U23-Spieler im Kader und ein Eigengewächs. Das Meisterteam 2012 hingegen neun U23-Spieler und 13 Eigengewächse. Frey setze sich «mit Herzblut» für den Nachwuchs ein, sagt Zahner. Er sei unbestritten die wichtigste Person, die den Klub über Fragen führt und Antworten wolle. Und noch etwas hat Frey zur Legende gemacht: Er gab keine Interviews. Frey habe ihm jeweils gesagt, so Zahner: «Sie sind der Chef. Entweder Sie geben ein Interview. Oder niemand.»

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