VON FRANÇOIS SCHMID-BECHTEL

Ottmar Hitzfeld, glauben Sie, dass es Menschen gibt, die grundsätzlich immer Glück haben im Leben?
Ich weiss es nicht. Sie sprechen mich an, nehme ich an. Aber Sie haben auch Glück mit Ihrem Job. Wenn man in der Schweiz lebt, hat man Glück. Als Trainer braucht man Glück. Aber man muss auch ans Glück glauben. Man muss vom Gelingen überzeugt sein. Deshalb programmiere und stelle ich mich generell positiv ein.


Was machen Sie mit Ihren Ängsten? Blenden Sie diese aus?
Ängste gehören zum Leben. Ich habe Ängste wie jeder andere Mensch, der sich Gedanken macht. Nur Menschen, die nichts überlegen, haben keine Angst. Man darf sich durch Ängste nicht irritieren lassen. Ängste sind für mich Warnsignale, dass man die Situation richtig einschätzt und von zwei Seiten betrachtet. Dementsprechend ist man dann vorbereitet. Dementsprechend versuche ich alles zu kontrollieren.


Aber die Gedanken ans Glück stehen stets über den Ängsten.
Ja, sonst könnte ich diesen Job nicht machen. Als Trainer muss man stets selbstbewusst und überzeugt sein von dem, was man macht. Man muss auch überzeugt sein, dass man im entscheidenden Moment das Schlachtenglück hat. Dieses kann man sich erarbeiten.


Wie?
Jene Teams, die bis zum Schluss nie aufgeben, werden meist belohnt. Das ist aber ein permanenter Prozess und lässt sich nicht nur mit einer Motivationsrede bewerkstelligen.


Welche Rolle spielt der religiöse Glaube für den Glauben ans berufliche Glück.
Ich glaube nicht, dass da ein Zusammenhang besteht. Für mich ist der Glaube generell wichtig. Aber nur zu beten, man möge das nächste Spiel gewinnen, ist zu einfach. Ich danke Gott für das privilegierte Leben, das ich führe. Und das schon mein ganzes Leben lang. Dankbarkeit ist etwas Wichtiges.


Was ist Ihr grösstes Privileg: Wohlstand, Gesundheit oder beruflicher Erfolg?
Das Wichtigste ist, dass man sein Leben meistern kann und das Optimum aus seinen Möglichkeiten macht. Viele denken, ich hätte auf der ganzen Linie Glück und brauchte mir keine Sorgen zu machen. Aber ich habe mir wohl mehr Sorgen gemacht als viele andere Menschen.


Auch mehr als andere Trainer?
Nein, jeder Trainer spürt die Belastung und muss damit umgehen können. Aber ich habe mich selbst immer am meisten unter Druck gesetzt. Ich habe mich nie durch die Presse, die Fans oder einen Präsidenten unter Druck gesetzt gefühlt.


Wie muss man sich das vorstellen, wie Sie sich unter Druck setzen?
Ich hasse es, zu verlieren. Ich mache einfach alles, damit ich gewinne. Ich versuche, das Risiko zu minimieren. Alles sorgfältig zu planen, nicht locker zu lassen. Und ich versuche, die Konzentration hochzuhalten und nicht vor einem Spiel zu sagen: So, jetzt habe ich alles gemacht, jetzt lese ich ein Buch.

Lesen Sie das ganze Interview in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!