Es ist wieder Liebe. Welche Tragik, dass aus der stürmischen Verliebtheit so rasch eine öde Fernbeziehung wird. Leere. Unfassbare Leere. Trennungsschmerz, der alle positiven Gedanken auffrisst. Wie gerne hätten wir mit unserer Fussball-Nati weiter auf dem Vulkan der Leidenschaft getanzt. Viertelfinal. Halbfinal. Final. Wir haben geträumt. Vom Spiel ohne Grenzen. Und nun? Aus, vorbei. Warten auf das nächste Rendezvous. Irgendwann. Im September. Wenn es um die Qualifikation für die WM in Russland geht. Gegen Cristiano Ronaldo und seine Portugiesen. Aber selbst das hilft nicht, über den Schmerz dieser unfassbar bitteren Niederlage gegen Polen hinwegzukommen.

Noch vor wenigen Monaten lautete der Beziehungsstatus: Das Herz ist wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Ein Graben trennte die Nati in zwei Lager. Hier die sogenannten Urschweizer, dort die Balkan-Fraktion. Die Spieler waren sich fremd. Die Konsequenz: Der Nati fehlte der Kitt. Und uns irgendwann die Geduld, die mehrheitlich blutleeren Auftritte weiter zu akzeptieren. Die Entfremdung zwischen Nationalteam und Publikum war unausweichlich. Heute können wir erfreut festhalten: Es blieb bei einer Trennung auf Zeit. Die unbarmherzige Diskussion, die um den Balkan-Graben geführt worden ist, hat das Nationalteam aufgerüttelt. Und schliesslich zusammengeschweisst.

Dabei gebührt vor allem Vladimir Petkovic ein grosses Lob. Er, der seit seiner Ankunft in der Schweiz vor 30 Jahren stets um Anerkennung kämpfen musste – als Nationaltrainer sogar noch etwas mehr – hat im richtigen Moment die Kurve gekriegt. Vielleicht hat er sein Misstrauen, das er stets mit kühler Distanziertheit kaschieren wollte, nicht gänzlich abgelegt. Aber es ist zumindest nicht mehr sichtbar. Vor allem aber hat er in der Mannschaft an den richtigen Schrauben gedreht. Und so eine Zweck- in eine Solidaritätsgemeinschaft umfunktioniert. Wir sitzen mit im Boot. Und wären noch lange mitgefahren.

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