«Ja, die Sache ist definitiv» bestätigte Tom Lüthis Manager Daniel M. Epp gestern in Jerez. Ein Schweizer Team in der Königsklasse – eigentlich ein Wahnsinn. Denn noch nie in der neueren Geschichte des GP-Zirkus ist es gelungen, ein Schweizer Team in der wichtigsten Motorrad-Weltmeisterschaft zu finanzieren. Der Aufwand liegt bei mindestens vier Millionen Franken.

Diese Summe ist mit Sponsoren nicht aufzubringen. Epp schafft es gerade mal, das Moto2-Team von Tom Lüthi zu finanzieren, das pro Saison nicht ganz zwei Millionen Franken kostet. Eine Verdoppelung dieses Betrages ist unmöglich.

Hat also Epp die Bodenhaftung verloren? Bei einem Aufstieg in die «Königsklasse» kommt nämlich noch dazu, dass die Medienpräsenz rückläufig sein wird: Lüthi hat keine Chance, im ersten Jahr auch nur unter die ersten sechs zu fahren. Der Töffrennsport wird aber in der Öffentlichkeit in unserem Land primär über die Resultate wahrgenommen. Ein Sieg bei den 125ern bringt im Quadrat mehr Medienpräsenz als ein fünfter Platz in der MotoGP-Klasse.

Vor diesen Schwierigkeiten hatte Epp vor zwei Jahren kapituliert. Beim GP von Assen im Juni 2009 hatte er noch offiziell den Aufstieg Tom Lüthis in die MotoGP-Klasse verkündet. Im Herbst des gleichen Jahres erfolgte kleinlaut der Rückzug. Deshalb fährt Tom Lüthi zur- zeit die Moto2-WM.

Aber was hat sich nun verändert? Epp: «2009 war Tom für den Aufstieg sportlich und persönlich noch nicht reif. Das hat er gespürt und deshalb haben wir gemeinsam den Entscheid gefällt, das Abenteuer doch nicht zu wagen. Die Ausgangslage ist jetzt eine andere: Tom ist fest davon überzeugt, dass er es in der höchsten Kategorie schaffen kann. Ich kenne ihn lange genug: Jetzt ist er tatsächlich bereit.»

Und noch etwas hat sich verändert: Manager Epp hat eine Lösung für die Finanzierung gefunden. Das Abenteuer «Königsklasse» wird maximal zu zwei Dritteln von Sponsoren finanziert. Das dreijährige MotoGP-Projekt ist so ausgelegt, dass am Ende nur noch die Hälfte des Budgets durch Werbung finanziert wird.

Doch Woher kommt also das Geld für das Abenteuer? Ganz einfach: von wohlhabenden und einflussreichen Schweizerinnen und Schweizern. Manager Epp hat in Zürich die Paddock Club GmbH gegründet. Diese Firma orchestriert ein Netzwerk, das es in dieser Art und Weise zwar im Fussball- oder Hockeybusiness, aber noch nicht im Motorradrennsport gibt. Der Jahresbeitrag beträgt 10000 oder 25000 Franken. Und aufgenommen wird nur, wer von einem Mitglied empfohlen und von der Paddock Club GmbH akzeptiert wird
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Die Gegenleistung für diesen Betrag ist ein hochkarätiges, diskretes Netzwerk und als Erlebniswert ein Einblick ins Töff-Business mit VIP-Service bei den Rennen. Epp sagt, er sei überrascht, wie gut das ganze Projekt angelaufen sei. «Wir hatten beispielsweise in den letzten zwei Jahren von vielen Sponsoren sehr wohlwollende Absagen. Es kommt nun vor, dass Führungspersönlichkeiten, die uns abgesagt haben, heute dafür Mitglied in unserem Klub werden.»

Lohnen wird sich das MotoGP-Abenteuer auch für Tom Lüthi. Epp schweigt sich über das Salär seines Schützlings zwar aus. Aber er sagt: «Tom wird sicher nicht weniger verdienen als ein durchschnittlicher MotoGP-Pilot.» Und wie viel verdient ein durchschnittlicher MotoGP-Pilot? Gemäss Epp zwischen 300000 und 400000 Franken.

Offen ist nur noch, mit welchem Bike Tom Lüthi ab 2012 in der MotoGP-Klasse unterwegs sein wird. Epp sagt, erste Wahl sei Honda. «Aber entschieden ist noch nichts. Es kommt letztlich auch auf den Preis an.»

Die Zusicherung eines Startplatzes in der MotoGP-Klasse hat Epp indes bereits erhalten. Das Abenteuer ist eigentlich ein Wahnsinn. Aber es kann funktionieren. Weil der Wahnsinn gut durchdacht und strukturiert ist – und die Finanzierungsprobleme gelöst sind.

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