«Tage wie diese liebt Alex über alles»

2007: Frei verhindert den Titelgewinn von Erzrivale Schalke.

2007: Frei verhindert den Titelgewinn von Erzrivale Schalke.

Für seinen Vater war Alex Frei einer der zehn besten Stürmer der Welt. Exklusiv für den «Sonntag» erklärt Paul Frei die Sternstunden seines Sohnes.

28. März 2001, Schweiz - Luxemburg 5:0 «Vier Tage zuvor hat Alex in Belgrad sein Debüt in der Nati gegeben, gegen Luxemburg stand er erstmals in der Startelf. Ich erinnere mich an das Spiel, als wäre es gestern gewesen. Die ganze Familie reiste nach Zürich ins Hardturm-Stadion. Alex war vor dem Spiel sehr selbstsicher, weil es ihm beim FC Luzern optimal lief. Nach neun Minuten hat er das erste Tor gemacht, nach einer halben Stunde das zweite und in der letzten Minute sogar noch ein drittes.

Er spielte neben Chapuisat, auf den sich damals der ganze Fokus richtete. So konnte Alex im Hintergrund, ohne Druck, auflaufen. Nach dem Spiel hat er gewusst, dass er auch auf internationalem Niveau bestehen kann. Ich habe ihm dann aber sofort gesagt: ‹Bleib auf dem Boden›. Alex war aber damals schon schlau genug, nicht abzuheben. Dass er mit 18 Jahren bereits von zu Hause ausgezogen ist, hat ihm in seinem Reifeprozess geholfen. So lernte er früh, dass man ganz allein über den eigenen Erfolg oder Misserfolg entscheidet.»

21. März 2004, Stade Rennes - Olympique Marseille 4:3 «Nachdem Alex von Servette nach Frankreich wechselte, war er dort für alle nur ‹le petit Suisse›. Das hat ihm gar nicht gepasst. Er wollte allen zeigen, dass er mehr wert ist. Dieses Spiel gegen Marseille hat alles verändert: Alex erzielte alle vier Tore, und plötzlich wurde er in ganz Europa ernsthaft wahrgenommen. Für mich hat er an diesem Abend den Schritt zum internationalen Topstürmer gemacht. Leider sassen wir nicht im Stadion, involviert waren wir trotzdem irgendwie. Denn kurz nach dem Abpfiff kamen die ersten Telefonate von Agenten und Klubs aus ganz Europa, die Interesse an Alex hatten. In den nächsten Tagen war ich praktisch nur damit beschäftigt, die Anrufer an unseren Anwalt Andy Gross zu verweisen. Natürlich ist man als Vater mächtig stolz, wenn man mitbekommt, wie begehrt der eigene Sohn ist.»

16. November 2005, Türkei - Schweiz 4:2 «Alex’ frühes 1:0 per Handspenalty war das entscheidende Tor, da war die Qualifikation für die WM in Deutschland praktisch perfekt. Ich war sehr stolz, dass er in diesem Hexenkessel in Istanbul die Nerven behalten hat. Mental war das wohl die grösste Leistung von Alex. Dieser Moment hat ihn geprägt, er wird noch seinen Enkelkindern davon erzählen.»

19. Juni 2006, Togo - Schweiz 0:2 «Für mich war Alex in dieser Zeit einer der zehn besten Stürmer der Welt. Vor der WM in Deutschland haben wir Verhandlungen mit Borussia Dortmund aufgenommen, dann spielte die Schweiz im BVB-Stadion gegen Togo. Alex’ Tor zum 1:0 hat sicher mitunter den Ausschlag gegeben, dass er kurz darauf einen Vertrag bei Borussia unterschrieb. Eine solch positive Atmosphäre wie bei diesem Spiel habe ich vorher und nachher nie mehr erlebt, das war unglaublich. Die Wochen vor und während der WM 2006 waren für Alex sicher mit die schönsten seiner Karriere, wenn nicht die schönsten überhaupt. So gut gelaunt habe ich ihn selten erlebt.»

12. Mai 2007 Borussia Dortmund - Schalke 04 2:0 «Es war der zweitletzte Spieltag, Schalke war Tabellenführer. Wenn die an diesem Tag Meister geworden wären, das hätte die Dortmunder Fans in eine Krise gestürzt. Alex hat das mit seinem 1:0 verhindert. Das machte ihn in Dortmund endgültig zum Helden. In der Saison davor hat er die Borussia mit zwei Toren gegen Stuttgart vor dem Abstieg gerettet. Von den Derbys gegen Schalke schwärmt er noch heute. Tage wie diese, an denen sich alles nur um Fussball dreht, die liebt er.»

27. September 2011, Manchester United - FC Basel 3:3 «Alex ist 2009 nach Basel zurückgekehrt, um in seiner Karriere mindestens noch eine Saison in der Champions League zu spielen. Genau von solchen Spielen wie dem im Old Trafford hat er geträumt. Das 3:3 mit zwei Toren von Alex und das 2:1 im Rückspiel waren in meinen Augen die zwei besten Spiele des FC Basel, seit er wieder zurück ist. Eine Mannschaft wie die damalige werden wir in der Schweiz wohl lange nicht mehr sehen. Es passte einfach alles.»

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