Die Rückkehr von Christian Gross an die Stätte seiner grossen Triumphe als Fussballtrainer ist missglückt. Knapp zweieinhalb Jahre, nachdem er sich mit einer 0:3-Heimniederlage gegen YB aus Basel verabschiedet hatte, brachte ihm das erstmalige Betreten des St.-Jakob-Parks seit jenem Tag eine grosse Enttäuschung ein. Seine Mannschaft, als Tabellenvierte angereist, zeigte sich bei Meister und Leader Basel nicht in der Lage, den Sechspunkterückstand zu reduzieren und ihre Ambitionen auf den erstmaligen Titelgewinn seit 25 Jahren anzumelden.

Mehr noch: Mit der 0:1-Niederlage vergrösserte sich die Distanz zum FCB auf neun Punkte und Gross musste am Ende des Abends gar ein neues Wort kreieren, um auszudrücken, wie schwierig nun die Aufgabe für seine Young Boys in der Super League geworden ist. «Wir müssen «optimalstens» vorbereitet sein», sagte Gross, «und natürlich die beiden Spiele gegen Basel gewinnen. Nur dann ist sie lösbar – eventuell.»

Seine Mannschaft hatte in der zweiten Halbzeit stark enttäuscht, als sie, 0:1 im Rückstand liegend, zu keiner einzigen zwingenden Ausgleichschance kam. Einzig eine strittige Aktion von David Abraham im Basler Strafraum gegen Nassim Ben Khalifa kurz vor dem Ende hatte ein bisschen für Aufregung gesorgt. «Wir waren nach der Pause zu verkrampft und die Einwechslungen haben zu wenig bewirkt», sagte Gross. Vor allem sein Sturmduo – mit Marco Schneuwly für Emmanuel Mayuka in der Startformation – hatte jegliche Durchschlagskraft und Entschlossenheit vermissen lassen. Ben Khalifa war schwach, Schneuwly ebenso, und später auch der eingewechselte Mayuka.

Die Basler indes hatten mit Marco Streller und Alex Frei zwei bestandene Angreifer, von denen der Captain schliesslich für die Differenz sorgte. Von Xherdan Shaqiri war der Ball nach 27 Minuten zu Streller gekommen, dieser hatte sich brillant gegen Alain Nef und Dusan Veskovac durchgesetzt und sein fünftes Saisontor erzielt. «Dieser Treffer wäre mit mehr Entschlossenheit zu vermeiden gewesen», sagte Gross.

Zu jenem Zeitpunkt hatte die Führung der Gastgeber nicht in der Luft gelegen. Die Basler hatten offensiv noch keine Stricke zerrissen, die Berner durch Christoph Spycher, Alexander Farnerud und David Degen aber das 1:0 verpasst und Schiedsrichter Sascha Kever ein Tor von Nef wegen Offside annulliert.

«In der ersten Halbzeit bin ich nur mit dem Resultat zufrieden gewesen», sagte der Basler Trainer Heiko Vogel, der im fünften Spiel seinen fünften Erfolg in der Meisterschaft feierte, seit er die Nachfolge von Thorsten Fink angetreten hat. Seine Mannschaft präsentierte den 32 000 Zuschauern in diesem unterhaltsamen Spiel nach längeren Anlaufschwierigkeiten in den zweiten 45 Minuten eine gute Leistung. Allerdings versäumte sie es, ihre vorhandenen Chance zu nützen. Benjamin Huggel, Alex Frei und Shaqiri hatten gute Gelegenheiten, das 2:0 zu markieren. «So mussten wir bis zum Schluss zittern und brauchten Glück, den Sieg zu retten», sagte Vogel.

Glück? Nein, das 1:0 war zwar ein knapper, keineswegs aber glückhafter Erfolg. Nach zehn Ligapartien ohne Niederlage und sechs Siegen in Folge reist der FCB morgen voller Zuversicht nach Bukarest zum wichtigen Champions-League-Spiel gegen Otelul Galati.

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