Wenn wir die Sportwelt schwarz-weiss darstellen, dann sehen wir zwei Kategorien von Veranstaltungen: solche, die nur des Geldes wegen kreiert werden, und solche, die aus einer sportlichem Mission heraus entstanden sind. Der Schweizer Cup ist beispielsweise nur des Geldes wegen kreiert worden. Eine Vermarktungsagentur (Infront Ringier) sucht eine Werbeplattform im nationalen Hockey und hat den Cup erfunden.

Die Champions Hockey League (CHL) ist aus sportlichen Überlegungen heraus von den Klubs gegründet worden. Vor 50 Jahren hat der Internationale Eishockeyverband (IIHF) einen europäischen Klubwettbewerb gestartet – und ist 2009 gescheitert. Der letzte Versuch musste beendet werden, weil der Hauptinvestor wieder ausstieg.

Und so haben im Sommer 2014 insgesamt 26 europäische Klub aus sechs Ligen auf eigenes Risiko die «Champions Hockey League» gegründet. Jeder der 26 hat 85 000 Franken in eine AG eingezahlt und die Klubs halten mit 63 Prozent die Aktienmehrheit. Die IIHF (12 Prozent) und die sechs Ligen (Schweiz, Finnland, Schweden, Tschechien, Deutschland, Österreich) besitzen die restlichen Anteile. Der SCB, die ZSC Lions, Fribourg und der EV Zug sind die vier Schweizer Klubs.

Im Herbst 2016 hat die dritte CHL-Saison begonnen – und das Projekt beginnt zu blühen. Die Vermarktung hat «Infront Sports & Media» übernommen. Die Agentur gehört zur chinesischen Wanda-Gruppe, deren Besitzer Jianlin Wang zu den reichsten Menschen der Erde gehört, und ist nicht zu verwechseln mit «Infront Ringier». Die CHL hat somit eine solide kapitalistische Basis. «Es ist aber nicht so, dass wir einfach Geld ausgeben können, wie wir wollen», sagt der für die CHL-Vermarktung zuständige Infront-Direktor Andreas Biffiger. «Unsere chinesischen Investoren sind sehr fordernd.» Anfänglich sei es sehr schwierig gewesen, Werbung zu verkaufen. «Wir hatten ja nichts als eine Vision. Wir mussten unsere Kunden für den Einstieg in ein neues Projekt begeistern.»

Inzwischen sind alle Werbeflächen verkauft und Infront hat den Vertrag mit der CHL um sechs Jahre bis und mit der Saison 2022/23 verlängert. Martin Baumann ist Chef der CHL und blickt auf zwei aufregende Jahre zurück. Am Anfang habe man viele sportliche Kompromisse machen müssen. So waren etwa alle 26 Klubs, die CHL-Anteile halten, automatisch qualifiziert. «Wir haben nun alle überzeugt, dass wir sportlichen Kriterien den Vorrang geben müssen.» So wird auf nächste Saison das Teilnehmerfeld von 46 auf 32 Teilnehmer reduziert. Der nächste Schritt ist die Integration der grossrussischen KHL. Bisher sind alle Verhandlungen an masslosen Forderungen der KHL gescheitert. Die Russen verlangen ein CHL-Finalturnier, für das zwei KHL-Klubs automatisch gesetzt sind.

Von der ersten zur zweiten Saison ist auch ohne Russen eine Steigerung der Zuschauerzahlen um sieben Prozent gelungen. Und nun wird auch das Preisgeld für den Sieger auf 750 000 Franken vervierfacht. Zum Vergleich: In der Champions League der Fussballer wird der Sieger 2016/17 mit 15,5 Millionen Euro vergoldet. Deshalb gilt: Nach wie vor ist die CHL kein «Big Business» und der Sport bleibt für die nächsten Jahre wichtiger. Die Klubs bezahlen die Reisekosten (Flüge plus Hotel) selber. «Ob wir schwarze Zahlen schreiben, hängt stark von den Gegnern ab», sagt ZSC-Manager Peter Zahner. «Wenn die Reisen zu den Auswärtsspielen nicht mit Bus oder Linienflug möglich sind, dann werden Charterflüge notwendig und es ist unmöglich, vor dem Halbfinal schwarze Zahlen zu schreiben. Wenn die Reisekosten tief bleiben wie letzte Saison, dank Gegnern aus Frankreich und Deutschland, kamen wir in den Gruppenspielen auf schwarze Zahlen.»

Die Skepsis der Klubs ist weg
An dieser Ausgangslage wird sich vorerst nicht viel ändern. Und doch ist die anfängliche Skepsis gewichen. «Noch vor einem Jahr hat uns Marc Lüthi mit einer Aussage in einem TV-Interview enorm geschadet», erzählt Martin Baumann. Vergangene Saison war der SCB in den Gruppenspielen kläglich gescheitert, die ZSC Lions waren hingegen weitergekommen. In einem TV-Doppel-Interview mit Peter Zahner und Marc Lüthi sagte der ZSC-Manager, man sei mit dem Weiterkommen dort, wo man sein wolle – und Lüthi konterte sarkastisch, der SCB sei mit dem Ausscheiden auch dort, wo man sei wolle. Rolf Bachmann, die Nummer 2 beim SCB, habe sich hundertmal entschuldigt, aber der Schaden sei nicht mehr abzuwenden gewesen.

Wie kommt es, dass jetzt Marc Lüthi in Sachen CHL vom Saulus zum Paulus geworden ist? Er sagt: «Unsere Coaches und die Spieler wollen diesen internationalen Leistungsvergleich.» Der sportliche Gedanke hat also den Zahlenmenschen überzeugt. Das ist wahrlich bemerkenswert. Und das Vertrauen der ZSC Lions in die CHL zeigt sich an einem Detail. Peter Zahner – er sitzt auch im CHL-Verwaltungsrat – hat die 85 000- Franken-Investition ins CHL-Projekt in der ZSC-Bilanz nicht auf null abgeschrieben. Er sagt: «Ja, das darf man als Zeichen dafür interpretieren, dass wir an die CHL glauben.»

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