VON MICHAEL WALTHER, FLORENCE VUICHARD UND BENJAMIN WEINMANN

Der Rauswurf von Stadion- und YB-Chef Stefan Niedermaier sorgt für Ärger, nicht nur bei den Fans. Auch Fritz Bösch, Verwaltungsrat und Aktionär der Sport und Event Holding, der Besitzerin der Stade de Suisse Wankdorf Nationalstadion AG, hat genug: «Das ist keine Basis mehr für eine Zusammenarbeit», sagt er dem «Sonntag». Er wolle den Verwaltungsrat verlassen. Mehr Details will er nächste Woche bekannt geben.

Auch bei den YB-Sponsoren macht sich Unmut breit. Den Entscheid von Präsident Benno Oertig, Niedermaier per sofort durch Ilja Kaenzig zu ersetzen, wollen sie inhaltlich nicht kommentieren. Dazu fehle ihnen das nötige Wissen. Sie kritisieren aber mit deutlichen Worten das Wie. «Die Art und Weise des Vorgehens und die Kommunikation haben bei mir und der Visana als langjährige YB-Partnerin höchste Irritationen ausgelöst», sagt Visana-Chef Peter Fischer. «Ich vermisse jeden Anstand und Respekt in diesem Zusammenhang.» Ähnlich tönts bei der Immobilienbewirtschaftungsgruppe MLG Holding AG, deren Logo die Hose der Fussballer ziert. «So verjagt man einen, der Geld unterschlagen hat», sagt MLG-Präsident René Lanz. Niedermaier habe seine Arbeit aber gut gemacht, «er ist kein Sklave, den man einfach in die Wüste schicken kann». Sein Fazit: «Ich bin von diesem Entscheid schwer betroffen.» Oertig versteht die Kritik, wie er dem «Sonntag» sagt. «Veränderungen sind immer schwierig. Aber für unsere Strategie brauchten wir jetzt jemanden mit mehr Fussballwissen.»

Die Irritation bei den Sponsoren kann mittelfristig Auswirkungen aufs Geschäft haben. So läuft etwa der Sponsoringvertrag der Visana Ende Saison aus, also im Frühling 2011. Ob er verlängert wird, «steht in den Sternen und hängt im Wesentlichen davon ab, ob die YB-Leitung ihren Entscheid nachvollziehbar begründen und erläutern kann», sagt Fischer. Ebenfalls nicht festlegen will man sich bei der Migros Aare, die mit Obi und Westside im Berner Stade de Suisse präsent ist: «Der Vertrag läuft noch bis Ende Saison. Was danach geschieht, können wir im Moment noch nicht beurteilen. Wir behalten uns aber alle Optionen offen», sagt Sprecher Thomas Bornhauser. Die MLG-Gruppe hat erst vor acht Wochen die Verträge unterzeichnet, «das können wir nicht mehr rückgängig machen», sagt Lanz. «Es ist möglich, dass wir sie in Zukunft nicht verlängern.»

Treue schwört die Inkassofirma Intrum Justitia, bei der Oertig heute als Senior Adviser waltet. Ihr Sponsoringvertrag läuft noch mindestens eineinhalb Jahre. «Eine Verlängerung danach haben wir noch nicht diskutiert», sagt Firmenchef Thomas Hutter. Der Wechsel an der YB-Spitze habe auf diese Entscheidung aber keinen unmittelbaren Einfluss.

Generell gibts für Niedermaier nur Lob. Er sei ein harter Geschäftsmann, sagt ein Sponsor, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Aber er sei immer fair gewesen, man habe sich immer auf ihn verlassen können. Bis anhin sei er über die Zusammenarbeit mit YB «wunschlos glücklich» gewesen, ergänzt Lanz. Er habe deshalb für YB bei verschiedenen grossen Firmen auch die Türen geöffnet. «Mehrere waren interessiert, mindestens eine hat nun aber abgesagt.» Die Migros Aare wollte Niedermaiers Entlassung nicht unkommentiert lassen. Die Sponsorin ergänzte für das gestrige Heimspiel von YB gegen Xamax das Obi-Logo auf dem Platz mit dem Schriftzug «merci stefan!». Oertig hat als Verwaltungsrat dem zugestimmt.

Vor dem Spiel stellten sich Oertig und Kaenzig zudem dem YB-Beirat, dem «Bindeglied» zwischen dem Klub und der Basis. «Das Gespräch war sehr konstruktiv», sagt Oertig. Den Beirat werde es auch in Zukunft geben, 20 der 22 Mitglieder blieben dabei. Den Rücktritt erklärt haben der Züri-West-Frontmann Kuno Lauener – sowie gestern Nachmittag Visana-Chef Fischer. Er sei mit dem Stil nicht einverstanden und wolle ein Zeichen setzen. Seinen Rücktritt will er aber nicht als Kritik an der neuen Führung verstanden haben. Bei zwei Abgängen wird es nicht bleiben: «Ich werde auch den YB-Beirat verlassen», sagt Bösch. «Wenn ich mich verabschiede, dann aus allen Ämtern.»

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