VON FELIX BINGESSER UND FRANÇOIS SCHMID-BECHTEL

Ivan Ergic, was ist in Aarau schief gelaufen?
Ivan Ergic: Alles. Aarau hat das Spiel des Lebens gemacht und verdient gewonnen. Wir konnten nicht dagegenhalten.

Warum nicht?
Uns hat die physische Frische gefehlt. Schon am Ende der Vorrunde sind wir in ein Loch gefallen. Und wir haben auch gewichtige Absenzen. Aber ich will keine Entschuldigungen suchen. Mit solchen Auftritten wie gegen Aarau wird man nicht Meister. Das darf uns nicht passieren. Jetzt wird es sehr schwierig.

Sie haben zuletzt ganz allgemein den Eindruck er-weckt, etwas fussballmüde zu sein.
Jeder Mensch ist ab und zu müde, vor allem nach Negativ-erlebnissen wie gestern. Aber ich habe die Leidenschaft für meinen Beruf keineswegs verloren.

Aber die Freude?
Das Schönste ist, wenn man unabhängig von der Zeit und dem Ort einfach spielen kann, wie man will, wie wir das als junge Buben und als Strassenfussballer getan haben. Das alles geht im Profifussball nicht mehr. Natürlich bin ich Realist und weiss, dass es Regeln braucht und dass es viele Zwänge gibt. Der Erfolgsdruck ist ständig da, man muss immer gewinnen, egal wie. Das ist der Preis, den man als Profifussballer bezahlen muss.

Andere Leute stehen in diesen Zeiten auf der Strasse.
Klar. Gerade jetzt wo so viele Leute den Job verlieren, wird mir erst recht wieder bewusst, dass es ein Privileg ist, einen Beruf zu haben, der immer noch Spass macht. Ohne Freude kann man nicht über sich hinauswachsen.

Vergisst man nicht alles um sich herum, wenn ein Spiel angepfiffen wird?
Nein. Du hast eine feste Aufgabe auf dem Feld, du hast taktische Zwänge und musst so spielen, wie es der Trainer oder die Situation verlangt. Bei all dem habe ich ästhetische Ansprüche an das Spiel, das ist manchmal ein Widerspruch. Ich will auch Titel gewinnen.

Sie sind ein Fussballromantiker.
Ja, eigentlich schon. Barcelona zeigt, dass diese Symbiose geht. Barcelona hat nicht mehr Geld als Chelsea. Aber bei Barça ist die Spielfreude spürbar. Sie haben viele Spieler, die in der Region verankert sind. Aber was sie reprä-sentieren ist so universell und so wunderbar. Es ist für mich ein Privileg, dass ich zweimal gegen diese Mannschaft spielen durfte. Ich fühlte mich in den Spielen, als würde ich ständig im Fünf gegen Zwei spielen. Manchmal wäre ich am liebsten stehen geblieben und hätte applaudiert.

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