VON MARCO OSSWLAD AUS ABU DHABI

Es wird der heisseste WM-Final in der 60-jährigen Formel-1-Geschichte. Vier Piloten kämpfen beim letzten Rennen um die Krone, um den wichtigsten Titel in der Königsklasse des Motorsports: Fernando Alonso mit Ferrari, Mark Webber, Sebastian Vettel, beide Red Bull, und Lewis Hamilton im McLaren-Mercedes. Für die «Fantastischen Vier» der Saison 2010 geht es heute in der Wüste von Abu Dhabi um alles oder nichts. Die Kulisse für den WM-Showdown ist perfekt: Der 5,554 Kilometer lange Yas Marina Circuit ist das perfekte Pflaster für eine prickelnde Titel-Entscheidung.

Das Wüstenemirat am Persischen Golf ist herausgeputzt, die Tribünen sind restlos ausverkauft – das Scheichtum platzt dieser Tage aus allen Nähten. Der Circuit auf der Yas-Halbinsel, rund 30 Kilometer ausserhalb von Downtown Abu Dhabi, garantiert für heute Action total. Rund um das Hafenbecken gibt es zahlreiche, gute Überholmöglichkeiten.

Und auch an Luxus und Glamour fehlt es entlang dem High-Tech-Kurs nicht: Blickfang ist die atemberaubende, Monaco-ähnliche Hafenanlage mit Platz für 150 Jachten und das prunkvolle Yas-Fünf-Sterne-Hotel. Das architektonische Meisterwerk mit 499 Zimmern und 8 Restaurants ist mit Tausenden von Leuchtdioden bestückt – und wechselt in der Abenddämmerung während des Grand Prix ständig die Farben.

Wer hier logieren will, muss tief in die Tasche greifen. Die Nacht in der Mini-Suite ist für 4000 Franken zu haben – dafür mit Blick auf die Strecke. Das Scheichtum Abu Dhabi setzte vor Jahresfrist mit der protzigen Anlage auf der Yas-Halbinsel neue Massstäbe. Und Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone, vor 19 Tagen 80 Jahre alt geworden, jubelt mit: «Ein Traum. Hier müssen wir ewig bleiben.»

Und zum Schluss meint der F1-Promotor mit Blick auf die WM-Entscheidung lächelnd zum «Sonntag»: «Es gibt doch nichts Besseres als ein WM-Showdown in der letzten Kurve. Wie 2008, mit Hamilton/Massa. Was wollen wir mehr.» Sagts und läuft mit Funkgerät in der rechten Hand schnurstracks in die Ferrari-Hospitality. Gibts hinter Palmen mit Teamchef Stefano Domenicali noch was zu besprechen?

NeunMal kämpften in 60 Jahren Formel 1 drei Piloten im letzten Saison-Grand-Prix um den Titel. Zuletzt 2007, als Kimi Räikkönen im Ferrari sich in Brasilien noch um einen Punkt am McLaren-Duo Hamilton und Alonso vorbeischob. Ein finaler Vierkampf jedoch ist ein Novum. Hamilton liegt zwar 24 Punkte zurück – doch wenn der Brite gewinnt und Alonso nicht punktet, Webber maximal Sechster und Vettel bestenfalls Dritter wird, ist er zum zweiten Mal nach 2008 Champion.

Es wäre das ähnlich spektakuläre Szenario wie mit dem Finnen Räikkönen vor drei Jahren. So oder so: Der Titelkampf sorgt für rauchende Köpfe. Zündstoff liefert allen voran das rote Bullen-Duo mit Webber und Vettel. Die Piloten des neuen Konstrukteurs-Weltmeisters können – je nach Konstellation mit Alonso – nicht aus eigener Kraft die Fahrer-WM gewinnen. Der Wahlschweizer Vettel kann aber das Zünglein an der Waage spielen: Liegt der Deutsche mit Wohnsitz Ellighausen TG im Ziel nämlich vor Webber – lacht Alonso als Dritter.

Dann hätte Vettel Webbers WM-Traum zerstört. Red-Bull-Teamchef Christian Horner sagt: «Wir überlassen es unseren Piloten. Sie wissen, was sie je nach Situation fürs Team machen müssen.» Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz formuliert es anders: «Stallregie kommt nicht infrage. Es gilt: Freie Fahrt. Lieber kein Titel, als einer durch Betrug», so der Dosen-Milliardär.

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