Ein Sieg ist ein Sieg. Egal wie. Das ist auch am Samstagabend so. 1:0 besiegt die Schweiz im fünften Spiel der WM-Qualifikation ein äusserst bescheidenes Lettland. Es ist ein erdauerter Mini-Erfolg. Die Schweiz hat die Pflicht erfüllt. Mehr nicht.

Nur: Das braucht niemanden zu kümmern. 15 Punkte stehen auf dem Konto des Teams von Vladimir Petkovic, es ist das Maximum nach fünf Spielen. Das ist bemerkenswert und hervorragend. Egal, wie die Siege zustande gekommen sind. Und damit bleibt die Schweiz weiterhin Erster der Gruppe B, drei Punkte vor Portugal.

Drmic im Interview nach dem 1:0-Sieg der Schweiz gegen Lettland in er WM-Qualifikation.

«Ich wusste, wir brauchen Geduld», sagt ein erleichterter Nationaltrainer Vladimir Petkovic nach dem Spiel. Und weiter: «Es ist ein verdienter Sieg – aber wir hätten ihn auch früher sichern können, und er hätte deutlicher ausfallen sollen.»

Petkovics Glücksgriff

Am Ursprung des Erfolgs steht auch Petkovic selbst. 64 Minuten sind gespielt, noch immer steht es 0:0, noch immer rennt die Schweiz gegen Lettlands Torhüter Andris Vanins an. Manchmal mischt sich bereits etwas Verzweiflung in die Angriffe. Doch nun wechselt Petkovic. Er bringt Josip Drmic. Und das ist ein Glücksgriff.

Nur 93 Sekunden braucht dieser, um mit seiner ersten Ballberührung das 1:0 zu erzielen. Es ist ein Kopftor. Ein wunderbares überdies. Auch dank der hervorragenden Flanke von Admir Mehmedi. Es ist am Ende das entscheidende Tor. Weil es der Schweiz trotz mehreren guten Chancen nicht gelingt, ein zweites Tor zu erzielen.

Eine perfekte Rückkehr

Petkovic hat in seinen nun zweieinhalb Jahren als Nationalcoach schon mehrfach bewiesen, dass er ein Spiel von der Seitenlinie aus mitentscheiden kann. Zum Beispiel waren beim legendären 3:2 gegen Slowenien, als die Schweiz in den letzten zehn Minuten ein 0:2 wettmachte, alle drei Einwechselspieler entscheidend. Drmic schoss dabei ebenfalls zwei Tore.

Hier finden Sie die Spieler in der Einzelkritik.

Die Geschichte von Josip Drmic ist aber vor allem aus einem anderen Grund speziell. Wegen einer schweren Knieverletzung hat er neun Monate gefehlt. Erst im Dezember des letzten Jahres kam er zurück. Nun darf er bereits wieder Held im Schweizer Nationalteam sein. «Vor einem Jahr bin ich mit Krücken auf dem Sofa gelegen und eine Bewegungsmaschine hat das Knie mobilisiert. Und jetzt so eine Rückkehr. Das ist unbeschreiblich. Ich spüre eine riesige Erleichterung», sagt er.

Die historische Siegesserie

Der Sieg gegen Lettland hat eine historische Dimension. Die Schweiz hat damit nämlich ihre längste Siegesserie der Geschichte egalisiert. Vom 6. April 1960 bis zum 20. Mai 1961 gelangen unter Nationaltrainer Karl Rappan bereits einmal fünf Siege in Serie. Nun steht diese «goldene» Schweizer Generation mit Vladimir Petkovic auf derselben Stufe.

Dass diese Mannschaft das Potenzial hat, um auch an einer Endrunde erstmals in der Neuzeit einen Viertelfinal zu erreichen, steht eigentlich ausser Frage. Klar ist aber auch: Dafür müssen die meisten Leistungsträger auf Topniveau agieren. Und die Chancenverwertung muss besser werden. Darauf wies Petkovic auch am Samstag wieder hin.

Und natürlich gilt es erst einmal, die direkte WM-Qualifikation sicherzustellen. Das ist – fünf Siege zum Start hin oder her – weiterhin ambitioniert. Es würde nicht überraschen, wenn es im Oktober zum Endspiel in Portugal kommen sollte.

Lesen Sie den Spielverlauf im Liveticker von Julian Förnbacher nach: