VON MARCEL KUCHTA UND ETIENNE WUILLEMIN

Da stand es, das Objekt der Begierde. Einsam und verlassen ruhte der Meisterpokal vor dem Anpfiff des sechsten Finalspiels im Zentrum des Spielfelds – kaum beachtet von den 6926 Zuschauern im ausverkauften Davoser Eisstadion.

Kurz vorher, während des Einlaufens, dröhnte der Sound von Rage against the machine mit voller Lautstärke aus den Stadionboxen. HCD-Trainer Arno Del Curto liess vom DJ seine Lieblingsband auflegen. Die harte Musik sollte seine Spieler auf dem Weg zum Meistertitel in die richtige Stimmung versetzen.

Während der Animator der Davoser beim Verlesen der Mannschaftsaufstellung noch mit den Tücken der Technik, bzw. einem defekten Mikrofon kämpfte, so waren die Bündner auf dem Eis von der ersten Sekunde an präsent.

Das mussten sie auch, denn allein in den ersten zwölf Spielminuten hatten die Kloten Flyers dreimal die Chance, im Powerplay den ungemein wichtigen Führungstreffer zu erzielen. Bis auf eine gute Abschlussmöglichkeit von Tommi Santala blieb der Ertrag bei den Klotenern aber mager.

Kimmo Rintanen suchte später einmal mehr den Querpass, statt den Abschluss auf das halb offene Davoser Tor. Kurz: Kloten machte aus seinen Möglichkeiten im ersten Abschnitt zu wenig.

Doch auch die Davoser zeigten sich im zweiten Drittel zunächst nicht von der effizienten Seite. Bis zur 30. Minute vergaben der Reihe nach Andres Ambühl, Petr Sykora, Michel Riesen und Josef Marha beste Gelegenheiten. Die allerbeste Chance versiebte jedoch auf der anderen Seite Michael Liniger. Der Emmentaler hatte Reto Berra bereits ausgespielt, brachte die Scheibe dann unerklärlicherweise nicht im leeren Davoser Tor unter.

In einem intensiven Spiel, in welchem sich die beiden Teams keinen Quadratzentimeter Eis schenkten, geriet die Partie nach der 40. Minute nur noch zur Geduldsprobe, zum Warten auf den berühmten Fehler. Die Mannschaften minimierten die Risiken, Chancen liessen sich an einer Hand abzählen.

Die beste hatte Beat Forster in der 58. Minute, als er in Überzahl an der blauen Linie frei zum Schuss kam, seinen Abschlussversuch aber in der Fanghand von Ronnie Rüeger verschwinden sah. Das torlose Unentschieden hatte auch nach 60 Minuten bestand.

Ein Resultat, welches es in der Playoff-Ära des Schweizer Eishockeys erst einmal gab. In der Saison 1996/1997 ging das erste Halbfinalspiel zwischen dem SC Bern und dem HC Lugano ebenfalls ohne Tore in die Verlängerung, wo Dan Marois damals für den SCB traf.

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