Was, wenn Fabian Cancellara nicht mehr fährt, Simon Ammann nicht mehr springt und Roger Federer nicht mehr zaubert? Es drohen grosse Lücken im TV-Sportprogramm. Deshalb haben die Sportverantwortlichen von SRF, RTS und RSI ihre Strategie überprüft. «Wir sind zum Schluss gekommen, dass wir für unser Publikum nachhaltige Produkte sichern wollen», sagt SRG/SRF-Sportchef Urs Leutert. Ein Kriterium, das die Super League offenbar erfüllt. Die Service-public-Sender wollen die Fussball-Berichterstattung massiv ausbauen. Statt wie bisher zehn Live-Spiele pro Saison wollen sie ab 2012/13 in jeder Runde das Top-Spiel direkt ausstrahlen. Und zwar «erstklassig produziert, auf Länderspiel-Standard, und in allen drei Landessprachen ausführlich begleitet, mit Studios im jeweiligen Stadion», wie Leutert verrät.

Dies sei ein klares Bekenntnis zum Schweizer Fussball. Als flankierende Massnahme soll die Super League auch in den täglichen Sportsendungen der SRG-Fernsehen, -Radio und Online-Portale ein wichtiges Thema sein. «Und wir könnten uns eventuell sogar ein eigenständiges Fussball-Magazin am Sonntagabend vorstellen», so Leutert. «Gerne würden wir in Partnerschaft mit der Liga ein attraktives Fernsehprodukt aufbauen, einen starken Brand schaffen. Die Wertigkeit der Super League nimmt laufend zu: mit neuen Stadien, mit profilierten Persönlichkeiten wie den Trainern Fink, Fischer, Gross etc.» Falls der Deal zwischen der SRG und der Swiss Football League zustande kommt.

Eine Standortbestimmung hat sich für den Sport SRG aufgedrängt, weil zurzeit wichtige Verträge parallel verhandelt werden: nationaler Fussball, nationales Eishockey, Fussball Champions League, Eishockey-Weltmeisterschaft, Olympische Spiele 2014/2016. Soeben besiegelt wurde die Partnerschaft für die nächsten Jahre mit der Formel 1 sowie mit Swiss-Ski. «Die Gespräche mit der Swiss Football League sind weit fortgeschritten. Zu unserem formellen Angebot erwarten wir von der Liga bis Ende Monat einen Grundsatzentscheid», sagt Leutert. Die Haltung der SRG ist unmissverständlich, aber eine einmalige Chance für die Swiss Football League.

«Wir hoffen, dass dieses umfassende programmliche Angebot mit den 36 Live-Spielen die Super League und ihre Klubs überzeugt. Andernfalls müssten wir künftig auf Direktübertragungen verzichten. Das bisherige Modell ist für uns keine Alternative mehr.» Die SRG hält aktuell die Free-TV-Rechte für die Super League und darf 10 der 180 Spiele exklusiv live ausstrahlen. Für sechs dieser zehn Partien hat sie das Erstwahlrecht.

Der Gegenspieler kommt aus dem Hause Swisscom. Diese hat am 8. April 2005 eine Beteiligung von 49 Prozent an der CT Cinetrade AG, der Besitzerin von Teleclub, erworben. Teleclub hält die Pay-TV-Rechte für die Super League und überträgt 170 der 180 Partien live. SRG wie auch Teleclub bezahlen für die Rechte heute ungefähr je fünf Millionen Franken pro Jahr. Nach der nächsten Saison laufen die Verträge aus.

Über konkrete Zahlen will Urs Leutert nicht sprechen. Doch er betont, «dass, Stand heute, die Budgets für den Sport SRG in den nächsten Jahren unverändert bleiben. Zusätzliche Investitionen in den Schweizer Fussball müssten wir innerhalb des Finanzrahmens Sport auffangen. Wir prüfen im Moment, wo wir das zusätzliche Geld für den Schweizer Fussball freispielen könnten, ohne die einmalige Vielfalt unseres Sportangebots zu beschneiden.»

Die Offerte der SRG beinhaltet massive Mehraufwendungen für Produktion, Promotion und redaktionelle Begleitung, sie verspricht also vor allem eine erhebliche Qualitätssteigerung der Fernsehberichterstattung über die Super League. Die Live-Produktion eines Fussballspiels kostet mindestens 50000 bis 60000 Franken. «Für die Zukunft suchen wir die Zusammenarbeit mit der schwedischen Firma Mediatec, die heute bekanntlich bei jedem Spiel eine Zweitproduktion herstellt. Falls sich die Liga schnell entscheidet, könnten wir bereits in der nächsten Saison den Schwachsinn mit den zwei Produktionsfirmen in einem Fussballstadion beenden.»

Betreffend Lizenzabgeltung spricht Leutert von einem einstelligen Millionenbetrag, was sich aber nicht mit den Vorstellungen einiger Fussballpräsidenten deckt. Diese verweisen gerne auf die 30 Millionen Franken, die in Rumänien aus dem Verkauf der TV-Rechte fliessen oder die 60 Millionen, die belgische und dänische Fernsehstationen bezahlen. «Wir bieten eine hohe Visibilität, eine starke Zuschauerbeachtung und damit der Liga und den Klubs die Möglichkeit, den Wert des Produkts Fussball und damit ihre Einnahmen aus der Vermarktung zu steigern.»

Klar ist, dass die SRG künftig in jeder Runde das Top-Spiel übertragen will und damit 36-mal das Erstwahlrecht beanspruchen würde. Fraglich, ob die Konkurrenz damit einverstanden ist. Was passiert mit den restlichen 144 Spielen. Was sagt die Swisscom? Will sie da noch mitmachen?

Dem Vernehmen nach soll Cinetrade der Liga ein Angebot unterbreitet haben, das auf dem heutigen Konzept basiert und finanziell um einiges höher liegen soll als das der SRG. Roger Feiner, Geschäftsführer von Teleclub, bittet um Verständnis, «dass man zu laufenden und/oder aufzunehmenden Verhandlungen keine Stellung nehmen und unsere Wünsche und Vorstellungen mit der jeweiligen Vertragspartei erörtern und diskutieren möchte», wie er auf Anfrage per Mail antwortet.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!