Von Weltklasse keine Spur. Roger Federer und Stanislas Wawrinka lieferten im Doppel eine ziemlich schwache Leistung ab und verloren gegen die Holländer Robin Haase/Jean-Julien Royer mit 4:6, 2:6, 7:5, 3:6. Nach knapp dreieinhalb Stunden landete ein einfacher Volley von Federer im Aus und löste Jubelstürme auf den Tribünen aus. Mussten sich die holländischen Fans am Tag zuvor noch selbst feiern, so durften sie gestern ihren Helden zujubeln. Völlig verdient schossen Haase und Royer ihre Gegner vom Platz. Wie geprügelte Hunde schlichen die Schweizer nach der Pleite vom Platz. Sie haben sich das Leben selbst schwer gemacht, müssen heute noch ein Einzel gewinnen, um nicht abzusteigen.

Es war schon klar, dass das Doppel für die Schweizer kein Spaziergang werden würde, auch wenn das vielleicht der eine oder andere Fan der Eidgenossen gedacht hatte. Mit Royer stand ihnen ein ausgesprochener Doppelspezialist gegenüber. Der 31-Jährige, er ist 17 Tage jünger als Federer, hat in diesem Jahr bereits zwei Turniere gewonnen und ist die Nummer 17 der Welt im Doppel. Er bestreitet schon seine 32. Begegnung im Davis-Cup, seine zweite erst für Holland, nach seinem Debüt im Februar gegen Finnland. Zuvor war er für die Niederländischen Antillen angetreten, die am 10. Oktober 2010 aufgelöst wurden. Und mit Haase hatte er einen Partner an seiner Seite, der gut aufschlägt und im vergangenen Jahr auch einen Titel im Doppel gewann.

«Sie waren besser und haben verdient gewonnen», sagte Federer. Er wirkte gefasst, doch war ihm anzumerken, dass er bitter enttäuscht war. Und so liess er für einmal auch die Fans stehen, die noch ein Autogramm wollten und ihn bedrängten. Gleich sieben Bodyguards mussten ihn abschirmen, damit er ins Auto steigen und ins Hotel fahren konnte. «Ich bin überhaupt nicht zufrieden, ich von meiner Seite her habe die Leistung nicht gebracht, die ich von mir erwartete», gab er offen zu. Mit Return und Volley habe er Schwierigkeiten gehabt. Die Abstimmung sei nicht das Problem gewesen. Aber der Gegner habe gut aufgeschlagen, es sei schwierig gewesen, einen Rhythmus zu finden. Es sei meist eng im Doppel, wenige Punkte entscheiden. So war es in den Sätzen eins und vier zugunsten der Holländer und im dritten bei den Schweizern. «Aber es darf uns nicht passieren, dass wir so überrannt werden wie im zweiten Satz», sagte Federer. Und einmal mit zwei Sätzen im Rückstand, sei es schwierig, die Partie zu drehen.

Es lag aber keinesfalls nur an Federer, dass das Doppel in die Hosen ging. Auch Wawrinka produzierte Fehler am Laufmeter. «Aussen kannst du fast nichts machen, nur versuchen, dass sie locker bleiben und gar nicht zu viel wollen», sagte Captain Severin Lüthi. Denn das gehe meist daneben. Es sei verrückt gewesen, wenn der eine vernünftig gespielt habe, habe meist der andere eine schlechte Phase eingezogen. «Wir haben alles probiert, auch umgestellt, mehr geht nicht», betonte Lüthi und stellte klar: «Wir selbst sind am meisten enttäuscht, wir gehen mit uns selbst am härtesten ins Gericht.» Zum dritten Mal in Folge haben Federer und Wawrinka nach Australien und gegen die USA nun ein Doppel im Davis-Cup verloren. Dem gegenüber stehen nur die zwei Siege gegen Belgien und Portugal.

Doch Federer blickte bereits wieder nach vorne. «Wir gehen zwar nicht gerade entspannt, aber voller Selbstvertrauen in den heutigen Tag.» Jetzt zeige sich, wie wichtig der Sieg von Wawrinka am Freitag über Haase gewesen sei. Um 11.45 muss Federer auf den Platz und will gegen Haase den dritten Punkt holen. Verliert Federer, kann Wawrinka gegen Thiemo de Bakker noch punkten.

«Ich freue mich auch ein bisschen, dass ich nun noch mal die Chance bekomme, den Punkt einzufahren», sagte Federer. Er fühle sich fit. «Körperlich sollte noch genug im Tank sein.» Mental allerdings fühle er sich sehr müde: «Es war doch in den letzten Monaten sehr viel los.» Zum Selbstläufer werden die Einzel heute nicht. Mit dem Sieg und ihren fantastischen Fans im Rücken werden die Holländer nochmals alles geben und versuchen, die Partie zu drehen. Aber das wissen Federer und Wawrinka. Sie haben genug Klasse, sich nicht verrückt machen zu lassen. Der Sieg, und damit der Klassenerhalt, ist extrem wichtig. Denn sollten die Schweizer absteigen, können sie sich den Traum vom Gewinn des Davis-Cups wohl abschminken. «Wir haben keine 20 Jahre mehr Zeit», betonte René Stammbach, Präsident von Swiss Tennis. Frühestens 2014 könnte dann die Schweiz wieder im Konzert der Grossen mitspielen. Und dann wird Federer doch schon 33 Jahre alt.

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