Kameras des Schweizer Fernsehens haben die Szene festgehalten: An der Siegerehrung nach dem Cupfinal in Bern kommt es am Mittwoch zu einem denkwürdigen Zwischenfall. FCB-Verteidiger Aleksandar Dragovic «schlägt» Bundesrat Ueli Maurer von hinten mit der Hand auf den Kopf, zwei- oder dreimal.

Es geschieht, als der Sportminister dem Basler Stürmer Alex Frei die Sieger-Medaille umhängt. Als sich Maurer umdreht, spielt Dragovic den Unschuldigen. Auf den TV-Bildern sieht man auch, wie Xherdan Shaqiri sich über die Szene amüsiert.

Ist es ein blosser Streich eines 21-jährigen, übermütig gewordenen Spielers? Oder eine skandalöse, respektlose Attacke auf einen Bundesrat, die Folgen haben muss? In Internet-Foren gehen die Wogen hoch. Dort wird etwa darauf hingewiesen, dass es in Deutschland eine Staatsaffäre wäre, wenn ein Spieler sich derart gegenüber dem deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck verhalten würde.

Auf «Blick Online» forderten Politiker eine Entschuldigung des Österreichers in Diensten des FCB. Nationalrat Hans Fehr (SVP/ZH) sagt: «Sein Club muss ihn mit einem scharfen Verweis bestrafen. Zudem soll sich Dragovic bei Maurer in aller Form entschuldigen.» Auch für Nationalrat Matthias Aebischer (SP/BE) ist «die Aktion von Dragovic unterste Schublade».

Gegenüber dem «Sonntag» äusserte sich gestern Xherdan Shaqiri zum Vorfall. Der Baselbieter, der zum FC Bayern wechseln wird, findet das Verhalten seines Teamkollegen «nicht schlimm»: «Er kannte Ueli Maurer nicht, er ist ja Österreicher – und nach so einem Sieg ist man halt übermütig», sagt Shaqiri. Und fügt hinzu: «Es wäre etwas anderes gewesen, wenn ein Schweizer Nati-Spieler das gemacht hätte. Ich selber kenne Ueli Maurer natürlich und würde das auch nicht machen.» Für Shaqiri ist der Vorfall auch darum «harmlos», weil Ueli Maurer locker reagiert habe: «Er lachte sogar.»

Der FC Basel reagierte prompt und nahm am Freitagmorgen Kontakt mit Maurers Verteidigungsdepartement VBS auf. «Wir haben uns mündlich entschuldigt», sagt FCB-Pressechef Josef Zindel. Er habe auch eine schriftliche Entschuldigung angeboten, aber das VBS habe das nicht für nötig befunden.

Offenbar wollte Maurer den Ball «flach halten» und keine grosse Geschichte daraus machen. Kein anderer Bundesrat hätte die Sache wohl so locker genommen.

Anders tönt es beim FC Luzern. Im Club, der im Penaltyschiessen verlor, macht man nicht nur bei Dragovic «bedenkliche» Unsportlichkeiten aus, wie es FCL-Präsident Walter Stierli formuliert. Er sagt: «Xherdan Shaqiri attackierte Michael Renggli verbal schon vor dem Cupfinal, Torhüter Yann Sommer streckte beim Penaltyschiessen die Zunge heraus, Captain Marco Streller sagte an der Feier, der FCL-Präsident solle sich an diesem komischen See alleine betrinken.» Es sei «teilweise primitiv» gewesen: «Das Mass wurde eindeutig überschritten.» Stierli geht noch weiter: «Basel muss aufpassen, dass es nicht die ganze Sympathie verspielt. So etwas wäre bei unserer Mannschaft nie passiert. Anstand und Respekt gehören zu ihrer Grundeinstellung.»

Nur einem FCB-Spieler zollt der FCL-Präsident Respekt: «Der einzig faire Basler war Alex Frei. Er verhielt sich wie ein Gentleman.»

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