VON FELIX BINGESSER UND PATRIK SCHNEIDER

A wie Absturz. Einen solchen erlebte Abfahrer Patrick Küng im «House of Switzerland» und hat damit für das «Skandälchen» der Spiele gesorgt.

B wie Bindung. Die Bindung von Skispringer Simon Ammann sorgte bei den Österreichern für rote Köpfe. Dabei entspricht sie dem Reglement und glücklicherweise liess sich Gold-Simi nicht irritieren. «Unter uns Springern», sagt er, «war das gar nie ein Thema.»

C wie Calgary. Als die Winterspiele letztmals in Kanada stattgefunden haben, war die Schweiz hinter der damaligen Sowjetunion und der DDR im Medaillenspiegel auf Platz drei. 15 Medaillen, darunter 5 goldene, war die Ausbeute. Bei 46 Entscheidungen. Mittlerweile gibt es 83 Wettbewerbe.

D wie Didiers. Der eine Didier wurde Abfahrts-Olympiasieger, der andere muss seine olympische Karriere ohne Gold beenden. Didier Cuche war zumindest resultatmässig der grosse Verlierer in Whistler. Sein Namensvetter Défago ist für vier Jahre der König der Abfahrer.

E wie Edelmetall. Hätte sich die Schweiz etwas mehr erwartet. Aber Olympiasiege in Kernsportarten wie Ski alpin, Langlauf und Skispringen kompensieren das. Qualität vor Quantität lautet diesbezüglich der Slogan von Swiss Olympic.

F wie Frauen. Alle sechs Schweizer Olympiasiege sind von Männern errungen worden. Das war vor vier Jahren in Turin anders. Dafür haben die Frauen in der Schweizer Politik ja das Zepter übernommen. Jeder macht das, was er kann.

G wie Grosserfolg. Die Schweizer Eishockey-Frauen freuten sich beim 1:10 gegen Kanada derart über den Treffer von Darcia Leimgruber, dass man hätte meinen können, sie hätten das olympische Turnier gewonnen. Immerhin: Hätten die Schwedinnen gegen Kanada nicht 7:44 Minuten vor Spielende auf 1:13 verkürzt, wäre es sogar ein historisches Tor gewesen – das einzige gegen die Olympiasiegerinnen im Turnier.

H wie Harper, kanadischer Ministerpräsident. Stephen Harper und sein Land waren gute Gastgeber. Ob die «Chefin» auch zufrieden ist, ist nicht bekannt. Das kanadische Staatsoberhaupt ist noch immer die britische Königin Elizabeth.

I wie Indianer. Die Ureinwohner in Kanada haben die Spiele nicht nur begrüsst. «Die Spiele finden auf gestohlenem Land statt», haben sie geklagt. Sie wurden aber in die Eröffnungs- und in die Schlussfeier integriert und sie haben die Chance dann doch genutzt, ihre Kultur zu präsentieren und auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen.

J wie Janyk. Die Familie Janyk kommt aus Whistler Mountain. Der Vater war Chef des Rutschkommandos, Tochter Brit und Sohn Michael waren auf der Piste im Einsatz. Mit beschränktem Erfolg. Wie auch Manuel Osborne-Paradis und Robbie Dixon die Medaillen verpassten. Auch sie sind Mitglieder des Skiclubs Whistler.

K wie Kachelmann. Wetterfrösche hatten Hochkonjunktur. Mit einer Schlechtwetterperiode begannen die Spiele. Es folgte ein mehrtägiges Hoch. Am Ende aber hat es wieder tagelang «unten reingeschifft», wie es Jörg Kachelmann treffend formuliert hat.

L wie «LOST and found». So heisst das Programm für verzweifelte Olympia-Besucher, das sich um alle verlorenen Gegenstände kümmert. 10 Langzeitarbeitslose sind in dieses Projekt involviert, pro Tag werden bis zu 10 Umzugskartons gefüllt. Nicht abgeholte Sachen werden an hilfsbedürftige Menschen verteilt.

M wie Maurer. Der Bundesrat war Gast bei den Spielen, hat sich selber auf der Langlaufloipe fit gehalten. Aber ihm wurde der Zutritt ins Haus der Österreicher verweigert. Nachbarn behandelt man eigentlich besser.

N wie Nodar. Der Rodler Nodar Kumaritaschwili ist zum Auftakt der Spiele tödlich verunglückt. Die Bob- und Rodelbahn in Whistler ist falsch konzipiert und Ausdruck dafür, dass man auf der Suche nach dem Spektakel den Bogen überspannt hat.

O wie open-air-festival. Die Skicross-Rocker haben bei ihrer Premiere eine spektakuläre Show geboten. Einer aus dem Berner Oberland übertönte dabei alle: Headliner Mike Schmid spielte seinen Part derart perfekt, dass der Konkurrenz reihenweise der Stecker gezogen wurde.

P wie Poole. Jack Poole ist der Mann, der die Olympischen Spiele nach jahrelangem Kampf nach Vancouver geholt hat. Poole wurde krank und hat gehofft, zumindest noch bei der Eröffnungsfeier dabei sein zu können. Im letzten Oktober ist er im Alter von 76 Jahren gestorben.

Q wie Quotenhatz. Natürlich versuchte auch das Schweizer Fernsehen, sich ein möglichst grosses Stück vom Olympia-Kuchen abzuschneiden. Gewisse Exponenten haben es aber immer wieder geschafft, dass einem nichts anderes übrig blieb, als den Sender schleunigst zu wechseln. Ausser man wollte unbedingt wissen, wie oft sich ein vergleichsweise einfacher Name wie Maxim Afinogenow falsch aussprechen lässt.

R wie Rücklage. Mit ihrem Flug über 60 Meter sorgt Anja Pärson in der Frauen-Abfahrt für Schreckensmomente. Bei den Spielen 1988 in Calgary hätte Pärson im Skispringen gute Figur gemacht. Damals sprang Eddie «the Eagle» im Skispringen 59 Meter weit. Pärson holte am Tag nach ihrem Jahrhundertflug eine Medaille in der Kombination.

S wie Sotschi. Nach den Spielen ist vor den Spielen. Die nächsten Winterspiele finden am Schwarzen Meer statt. Und die Russen waren schon in Vancouver sehr präsent und haben die Werbetrommel gerührt. Allerdings musste die Wintersportnation Russland Federn lassen und hat enttäuscht. Für Sotschi wird man sich etwas einfallen lassen.

T wie Tränen. Kein Auge blieb im Eiskunstlaufstadion von Vancouver trocken, als die kanadische Läuferin Joannie Rochette zum Kurzprogramm antrat. Kurz zuvor war ihre Mutter überraschend verstorben. Ein ganzes Land hat mit Joannie getrauert. Es war der emotionalste Moment dieser Spiele.

U wie Unterwäsche. Rechtzeitig zu den Spielen hatte die zweifache Silbermedaillengewinnerin Julia Mancuso eine Dessous-Kollektion auf den Markt gebracht. Live zeigte sich die exzentrische Amerikanerin aber deutlich weniger offenherzig als auf den Hochglanzfotos. Dem ORF versprach sie wenigstens, mehr zu zeigen als nur die linke Hüfte, sollte sie Super-G-Gold holen. Unglücklicherweise wurde sie nur 9.

V wie Vonn. Im Kampf um die ungeteilte Aufmerksamkeit wurde der Zickenkrieg von Lindsey Vonn und Julia Mancuso zum Dauerthema. Am Ende versagten Vonn die Nerven und Vancouver bleibt Vancouver und wird nicht zu Vonncouver.

W wie Watschn. Eine solche hat das österreichische Männerteam kassiert. Bis zum Slalom gab es für die erfolgsverwöhnten österreichischen Skifahrer nur Ehrenplätze. Niemand leidet in der Misere so schön wie die Österreicher.

X wie XY Ungelöst. Von den rund 1700 Dopingproben während der Spiele ergab bislang keine ein positives Ergebnis. «Wir haben mehr saubere Athleten hier als bei anderen Spielen, weil die Proben acht Jahre lang für Nachtests eingefroren werden», sagte IOC-Präsident Jacques Rogge. «Mehr saubere» dürfte aber auch in Vancouver heissen: weniger, die sich auf frischer Tat ertappen liessen.

Y wie Yard. Eine Schuhspitze oder rund 0,05 Yard fehlten der norwegischen Langläuferin Kristin Störmer Steira zu Bronze in der 15-km-Verfolgung. Es war bereits der vierte vierte Platz bei Olympischen Spielen. Wenigstens durfte sie sich mit Staffel-Gold trösten.

Z wie Zielwasser. Hatte Biathlet Edgars Piksons gerade nicht zur Hand. Der Startläufer der lettischen Staffel schaffte das Kunststück, fünf Strafrunden laufen zu müssen, obwohl er insgesamt sechsmal nachladen durfte. Im Liegen traf er mit acht Schüssen zwei der fünf Scheiben, im Stehen immerhin deren drei.

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