Roger Federer, vor neun Jahren, als 22-Jähriger, gründeten Sie die Roger-Federer-Foundation. Wieso?
Roger Federer: Meine Eltern haben mich sensibilisiert, durch meine Aufenthalte in Afrika als Kind wurde mein Blick für die Armut geschärft. Von meinem Glück möchte ich etwas an weniger Privilegierte zurückgeben. Als ich den Sportlerpreis des Kantons Basel Landschaft erhielt, war das die ideale Gelegenheit, den lange gehegten Wunsch einer Stiftung umzusetzen.

Wer gab die Richtung vor?
Die erfolgte instinktiv und emotional durch die ganze Familie. Der Zweck ist arme Kinder in meiner zweiten Heimat Afrika mit Bildung zu fördern. Bildung kann dir niemand nehmen. Mit Bildung erhalten die Kinder die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben. Dieses Thema liegt mir persönlich sehr am Herzen.

Was bedeutet Ihnen die Stiftung als Mensch?
Es macht mir Freude, einen kleinen Beitrag leisten zu können, damit einige Kinder eines bessere Zukunft haben. Meine Motivation ist nicht Mitleid, sondern Mitverantwortung. So arbeitet auch die Stiftung. Nicht wir verändern die Dinge, sondern wir helfen den Menschen, die Dinge selbst zu verändern.

Sehen Sie es als Pflicht zu helfen?
Ob privilegiert oder nicht, wir sollten alle zusammenstehen und uns gegenseitig unterstützen: als Familie, als Gemeinschaft überhaupt. Solidarität ist die Grundvoraussetzung für ein friedliches Zusammenleben.

Seit diesem Jahr ist die Stiftung auch in der Schweiz aktiv. Wie kam es dazu?
Leider gibt es auch in der Schweiz Kinder, die von Armut betroffen sind. Als Schweizer ist es mir wichtig, auch hier tätig zu sein. Wir unterstützen die Sporthilfe und die Winterhilfe. Damit ermöglichen wir Kindern eine ausserschulische Förderung, zum Beispiel mit Musikunterricht oder Sport. Das Programm soll die gesellschaftliche Isolation dieser Kinder aufgrund ihrer Armut verhindern und gleichzeitig die Kinder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung voranbringen.

Wie viel Zeit investieren Sie für die Stiftung?
Ich würde gerne mehr Zeit aufwenden, doch das muss bis nach meiner aktiven Karriere warten. Als Stiftungsratspräsident leite ich sämtliche Stiftungsratssitzungen und entscheide bei allen Projekten und strategischen Fragen mit. Und ich will bald wieder ein Projekt vor Ort verfolgen.

Ist es schwierig, Geld zu generieren?
Die Einnahmen in diesem Jahr betragen rund drei Millionen Franken. Es könnte mehr sein, wenn ich bei Galas dabei wäre. Doch die Veranstalter pochen auf meine Präsenz. Damit kann ich leider nicht dienen. Aber ich plane wieder ein Match für Afrika. Das war 2010 ein Meilenstein mit 2,8 Millionen Franken.

Morgen beginnt Ihr Heimturnier, geniessen Sie es?
Es ist ein tolles Gefühl, im Rampenlicht zu stehen. Natürlich ist etwas Druck dabei, nicht gerade mit einem Doppelfehler zu beginnen. Aber ich habe die Erfahrung von über 1000 Matches, das geht schon. Ich hoffe, ich kann mit meinem Heimpublikum ein tolles Turnier erleben, ich will mich als Nummer eins präsentieren.

Geniessen Sie den Applaus?
Für Sportler und Musiker ist der Applaus etwas vom Schönsten. Da erfährst du sofort das Resultat deiner Bemühungen. Jubel oder Enttäuschung. Das geht unter die Haut. Ich bin froh, dass ich als Spitzensportler das erleben darf.

Sie haben vor einem Jahr eine lange Pause vor Basel eingelegt, was ist der Unterschied zu diesem Jahr?
Ich habe mehr Spielpraxis, weiss ein wenig besser, wo ich stehe. Aber ich bin nicht so frisch. Nach einem Aufbautraining sind die Beine schnell, der Kopf frei, du bist wieder hungrig aufs Tennis. Das zahlt sich langfristig immer aus.

Was bedeutet fehlendes Training?
Dann spiele ich wie in Schanghai, nur die sicheren Bälle. Es fehlt das Risiko, weil ich im Training gewisse Sachen nicht probieren konnte. Doch für Basel habe ich mir vorgenommen, mehr zu riskieren und das im Training forciert. Ich möchte mich nicht durchwursteln. Es sind oft nur Nuancen. Aber es gilt, im Kopf die richtige Entscheidung zu treffen, Cross oder Longline, beim Return, beim Service. Dazu braucht es Training.

Im nächsten Jahr legen Sie also mehr Pausen ein?
So ist es geplant. Ich habe diesmal von Anfang Mai bis Mitte September durchgespielt. Normalerweise mache ich drei Aufbauphasen pro Jahr, diesmal wars eine. Aber ich bin froh, dass ich in diesem Jahr diesen Stress durchgezogen habe, daran werde ich immer denken. Es war toll. Vor allem weil ich mit dem ganzen Team das so geplant habe und dann ist es aufgegangen: Wimbledonsieg, Olympiasilber und wieder die Nummer eins zu werden. Aber wenn ich noch drei bis fünf Jahre mitmischen will, muss ich unbedingt Aufbauphasen einlegen.

Wir sehen Sie noch lange auf dem Platz?
Der Rücktritt ist kein Thema.

Apropos Rücktritt. Was sagen Sie als FCB-Fan zum Theater um den Trainer?
Es war wohl mehr ein Medientheater. Aber es ist bitter für Heiko Vogel, der das super gemacht. Jetzt hoffe ich, dass Murat Yakin den FC Basel zum Titel führt.

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